Freiwilliger Dienst

16. Februar 2011 17:03; Akt: 16.02.2011 17:17 Print

Mit Militärdienst gutes Geld erschlichen

von Lukas Mäder - Ein Betrugsfall beim Militär hat eine Untersuchung ausgelöst. Möglicherweise leisten Armeeangehörige zu viel freiwilligen Dienst.

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Freiwilliger Dienst leisten Armeeangehörige beispielsweise, wenn das Militär an einer Messe vertreten ist: Soldaten während der Mittagspause im September 2007, als die Armee an der Züspa in Zürich vertreten war. (Bild: Keystone)

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Möglicherweise hat sich bei der Armee eine Praxis etabliert, zu grosszügig freiwillig Dienst zu leisten. Dieser wird entschädigt über die Erwerbsersatzordnung (EO). Doch die Idee dieser Entschädigung sei nicht, als Ersatz für eine Arbeit zu dienen, schreibt das Verteidigungsdepartement VBS in einer Mitteilung. Diese Praxis müsse korrigiert werden. In welcher Form Armeeangehörige Missbrauch getrieben haben, kann VBS-Sprecher Martin Bühler nicht sagen. Bundesrat Ueli Maurer hat eine interne Untersuchung angeordnet, deren Resultate bis Ende März vorliegen sollen.

Auslöser der Untersuchung ist ein konkreter Betrugsfall, auf den das Bundesamt für Sozialversicherungen (BSV), zuständig für den Erwerbsausfall, im letzten Herbst gestossen ist. Dabei hat ein Armeeangehöriger mehrmals bei mehreren Ausgleichskassen Erwerbsersatz angefordert, was aufgrund der dezentralen Organisation möglich ist. In einem Fall hat er mit einem Formular der Armee bei vier Kassen für denselben Dienst Erwerbsausfall beantragt, wie BSV-Sprecher Rolf Camenzind sagt. Die Person hatte vom Rechnungsführer des Militärs zwei EO-Formulare erhalten und diese zusätzlich kopiert. Das BSV hat laut Camenzind gegen den Armeeangehörige und seine Helfer Strafanzeige wegen Betrugs beziehungsweise Beihilfe zum Betrug eingereicht.

Über 100 000 Franken bezogen

Wegen des laufenden Verfahrens nennt Camenzind keine Details zum Betrug. So bleibt offen, wie oft und über welche Zeitspanne der Armeeangehörige betrügerisch gehandelt hat. Laut Camenzind hat der Betroffene insgesamt über 100 000 Franken Entschädigung für den Erwerbsausfall bezogen. Die Deliktsumme des Betrugs könne aber auch tiefer liegen, sagt Camenzind. Ihm ist kein anderer derartiger Betrugsfall bekannt. Die Zentrale Ausgleichsstelle in Genf überprüft regelmässig, ob sich jemand bei mehreren Kassen angemeldet hat. Dabei stiess sie auch auf den aktuellen Betrugsfall.

Der Armeeangehörige hatte im aktuellen Fall ausgiebig freiwilligen Dienst geleistet. Bei weiteren Überprüfungen stellte die Zentrale Ausgleichsstelle daraufhin fest, dass er kein Einzelfall ist. Wie viele Personen betroffen sind, wie viele Diensttage diese geleistet haben und in welchen Teile der Armee es mutmasslich zu Missbrauch kam, kann das VBS nicht sagen. Die Untersuchung laufe noch. Gemäss Verordnung über die Militärdienstpflicht dürfen dienstpflichtige Soldaten jährlich maximal 38 Tage freiwilligen Dienst absolvieren. Dieser kann beispielsweise im Rahmen einer Messe wie der Muba oder der Olma stattfinden, wo sich die Armee mit einem eigenen Auftritt präsentiert.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Sdt. am 17.02.2011 08:01 Report Diesen Beitrag melden

    Soldaten an die Grenze

    Abgesehen von diesem Artikel: Wir sollten unsere WK Soldaten an den Grenzen einsetzen um den Grenzkorps zu unterstützen. Somit wären die Sdt. in einem echten Einsatz und die Schweiz sicherer vor "Schwarz"-Einreisenden! Wer startet eine Intiative dazu? :)

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  • Einh Fourier am 17.02.2011 21:26 Report Diesen Beitrag melden

    EO Karten fälschen

    Als Einh Fourier weiss ich das es möglich ist eine EO-Karte zu fälschen. Allerdings kam das in der Vergangenheit schon mehrmals vor und ich kenne persönlich einen Fall bei dem ein AdA EO Karten kopierte und abänderte. Allerdings war es ein bisschen auffällig in 21 Wochen RS, EO Karten für 27 Wochen einzuschicken ; ) . Spätestens nachdem ich ein rüdes Telefon von der Ausgleichskasse bekam war die Sache klar. Zu seinem Pech bekam der genannte AdA zwei mal die Hucke voll ( Ziviles- und Militärgerichtliches Verfahren). Kurz: Es lohnt sich nicht und 99.9% der Soldaten und Kader halten sich daran.

  • Christian S. am 17.02.2011 10:55 Report Diesen Beitrag melden

    Pause

    Und wer regt sich auf, wenn normale Zivilisten während der Mittagspause das schöne Wetter geniessen? Ausserdem ist es sicher sinnvoller freiwillig Militärdienst zu leisten als Bewerbungen für Jobs zu schreiben bei denen sowie keine Chance auf Einstellung vorhanden ist..

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Die neusten Leser-Kommentare

  • AdA am 19.02.2011 12:34 Report Diesen Beitrag melden

    Lächerliche Armee

    Ich stimme Roger zu und verlange, dass der Militärdienst endlich freiwillig wird. Ich glaube die zivile Bevölkerung weiss gar nicht wofür ihr Geld verschwendet wird. Ich bin zurzeit im Militärdienst und frage mich wozu die Schweiz solch unnötiges Material braucht, dass sehr teuer aber für ein Ernstfall nicht zu gebrauchen ist. Einfach gesagt es würde sich mehr Lohnen wenn wir Soldaten zurück an unsere Arbeitsstelle gehen und die einfachen Arbeiten den Menschen überlassen, die noch keinen Job haben. Unnötige Waffen zu kaufen brauchen sie auch nicht!

  • Roger am 18.02.2011 16:05 Report Diesen Beitrag melden

    Günstige Arbeitskräfte

    Das finde ich ungerecht, den ich würde auch im Zivilschutz zweimal aufgeboten und musste zwei mal 5 Tage in Winterthur beim Aufbau der Musikfestwoche mithelfen. Ist das das Ziel im Zivilschutz? Günstige Arbeitskräfte auf Steuerzahler und die Statd mach das noch mit.

  • Einh Fourier am 17.02.2011 21:26 Report Diesen Beitrag melden

    EO Karten fälschen

    Als Einh Fourier weiss ich das es möglich ist eine EO-Karte zu fälschen. Allerdings kam das in der Vergangenheit schon mehrmals vor und ich kenne persönlich einen Fall bei dem ein AdA EO Karten kopierte und abänderte. Allerdings war es ein bisschen auffällig in 21 Wochen RS, EO Karten für 27 Wochen einzuschicken ; ) . Spätestens nachdem ich ein rüdes Telefon von der Ausgleichskasse bekam war die Sache klar. Zu seinem Pech bekam der genannte AdA zwei mal die Hucke voll ( Ziviles- und Militärgerichtliches Verfahren). Kurz: Es lohnt sich nicht und 99.9% der Soldaten und Kader halten sich daran.

  • Buchhalter Nötzli am 17.02.2011 11:30 Report Diesen Beitrag melden

    Wissenswertes

    Ich glaube aus der EO wird Militärersatz bezahlt und auch die Mutterschaftsversicherung - und die ist im 2011 gestiegen! AHV 4.2% - IV 0.7% und EO 0.25% ab 2011 (vorher - bis 2010 EO = 0.15%). Darum sind eure Lohnabzüge von 5.05% auf 5.15% gestiegen - wegen der EO, AHV/IV bleibt gleich. ALV ist ja auch bekanntlich von 1.0 auf 1.1% gestiegen. Und die IV wurde ja via MWST erhöht, nicht direkt vom Lohn.

  • Christian S. am 17.02.2011 10:55 Report Diesen Beitrag melden

    Pause

    Und wer regt sich auf, wenn normale Zivilisten während der Mittagspause das schöne Wetter geniessen? Ausserdem ist es sicher sinnvoller freiwillig Militärdienst zu leisten als Bewerbungen für Jobs zu schreiben bei denen sowie keine Chance auf Einstellung vorhanden ist..

    • Gefreiter am 17.02.2011 18:30 Report Diesen Beitrag melden

      Wehrpflicht

      @Christian S. Militärdienst ist leider noch nicht freiwillig, die Abstimmung folgt in vier Jahren, gut Ding will Weile haben....

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