Angst vor SP-Initiative

10. Juli 2014 13:13; Akt: 10.07.2014 14:32 Print

Mit Mitarbeiter-Schulung gegen die Einheitskasse

von Simon Hehli - Krankenkassen leben von Zwangsabgaben und müssen darum neutral über die Einheitskasse informieren. Sie würden stattdessen ihre Mitarbeiter vorschieben, kritisieren die Initianten.

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Die Swica bietet alle Mitarbeiter mit einem höheren Pensum zu einem obligatorischen Informationsanlass über die Einheitskassen-Initiative auf - die Initianten wittern dahinter unerlaubte Propaganda. (Bild: Keystone/Steffen Schmidt)

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Nervös blicken die Krankenversicherer der Einheitskassen-Abstimmung vom 28. September entgegen: Bei einem Ja müssten sie sich aus dem Geschäft mit der Grundversicherung zurückziehen. Laut der neusten GFS-Umfrage ist derzeit noch eine relative Mehrheit der Stimmbürger für die Initiative. Diese Ausgangslage zwingt die Kassen zu einem Spagat: Sie sind verpflichtet, sich im Abstimmungskampf grundsätzlich neutral zu verhalten (siehe Box) – trotzdem müssen sie Wege finden, ihre Abneigung gegen die Initiative zu äussern.

Bereits sollen einige Krankenkassen mit Beiträgen in ihren Kundenmagazinen das Gebot der Neutralität geritzt haben – die Initianten prüfen deshalb laut NZZ eine Stimmrechts- oder Verwaltungsbeschwerde. Damit nicht genug: Wie 20 Minuten weiss, bringt die Swica – mit 1,3 Millionen Versicherten eine der grössten Kassen – ihre Mitarbeiter mit einer aufwändigen Kampagne auf Kurs. Jeder Angestellte mit einem Pensum von mehr als 50 Prozent muss an einer dreistündigen Infoveranstaltung zur Einheitskasse teilnehmen. Für die grüne Nationalrätin Yvonne Gilli, die im Initiativkomitee sitzt, eine «Sauerei»: «Eine solche Werbeveranstaltung ist unhaltbar für einen Betrieb, der teilweise durch öffentliche Gelder finanziert wird.»

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Rollenspiel soll Ausgewogenheit garantieren

Swica-Sprecherin Christina Wettstein wehrt sich: Es handle sich nicht um Gehirnwäsche, sondern um ausgewogene Information: «Es ist uns wichtig, dass unsere Mitarbeiter wissen, worum es bei der Initiative genau geht.» Es sei legitim, dass die Versicherung dabei auch ihre ablehnende Haltung vertrete. «Aber wir geben sicher keine Stimmempfehlung ab.» Es gehe auch nicht darum, die Mitarbeiter zu instruieren, damit sie Kunden oder Freunden von der Nein-Position überzeugen. Das mag Gilli nicht glauben: «Jeder Mitarbeiter mit Kundenkontakt gibt die Gegenargumente weiter, die er an der Veranstaltung hört.»

Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) ist über die Anlässe informiert, wie es auf Anfrage schreibt. Es habe die Swica und andere Krankenkassen darauf hingewiesen, dass sie sich an die Grundsätze der Ausgewogenheit halten müssten. Deshalb führt die Swica auch ein Rollenspiel durch, bei dem die Mitarbeiter abwechselnd Pro- und Kontrapositionen vertreten. Initiantin Gilli findet das lächerlich: «Kein Mitarbeiter nimmt das der Swica ab, es ist ja klar, dass die Firma von den Angestellten ein Nein erwartet.»

«Arbeitsplätze gehen verloren»

Paul Rhyn, Sprecher des Krankenkassenverbands Santésuisse, nimmt die Swica in Schutz: Man könne von den Kassen nicht erwarten, dass sie jubilierten angesichts des Gefahr, abgeschafft zu werden. «Kommt die Initiative durch, gibt es nur noch einen Versicherer statt der heute bestehenden 61 Kassen – für die Mitarbeiter bedeutet das, dass ihre Arbeitsplätze verloren gehen oder zumindest an einen anderen Ort verschoben würden.»

Das BAG untersagt es den Krankenkassen weiter, für solche Infoveranstaltungen Gelder aus der Grundversicherung zu verwenden. Diese Bedingung sei erfüllt, so Swica-Sprecherin Wettstein: Alle Aktivitäten, die im Zusammenhang mit der Abstimmung stünden, würden über die Zusatzversicherung finanziert. Yvonne Gilli entgegnet, die verschiedenen Finanzierungsquellen liessen sich kaum so gut auseinanderhalten. «Das ist nur ein weiteres Argument für die Trennung von Grund- und Zusatzversicherungen, wie wir das mit unserer Initiative anstreben.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Ella am 10.07.2014 14:52 Report Diesen Beitrag melden

    Initiativtext

    Das einzige, dass im Moment aus dem Initiativtext hervorzulesen ist, ist das uns mit der Annahme der Initiative die Wahlfreiheit genommen wird. Sind wir also nicht zufrieden mit der Leistung, die die Einheitskasse uns bietet, können wir nicht einfach wechseln, sondern sind gezwungen, zu bleiben. Alles weitere konkrete geht nicht aus dem Initiativtext hervor (gibt's weiterhin Franchisen, Versicherungsmodelle? wird's eine einheiltiche kantonale Prämie geben? etc.). Sind wir wirklich bereit, eine Katze im Sack zu kaufen?

  • David Schmid, VD am 10.07.2014 14:47 Report Diesen Beitrag melden

    alle sagt ihr, es wird teurer

    wenn wir die Einheitskasse annehmen! Ok, komisch nur, dass sie jedes Jahr teurer wird. Also meine Frage, was ändert sich? Nichts, also spielt es keine Rolle was wir wählen oder. Doch die Hoffnung bleibt, dass es günstiger wird. Wir als 4 Köpfige Familie bezahlen 1000 sFr. im Monat, Selbstbehalt so hoch, dass wir ja nicht noch mehr bezahlen müssen, und gehen wir dann mal zum Arzt, müssen wir doch alles selbst bezahlen. Was hat meine Familie von dem einbezahlten Geld? Nichts, und wenn man Zahnschmerzen hat, auch da muss man selbst bezahlen,

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  • Tobias Freitag am 10.07.2014 15:05 Report Diesen Beitrag melden

    Eine Bitte..

    Ich bitte alle sich genau zu informieren welches die pro + contras sind. Vergleicht die Verwaltungskosten der SUVA mit Krankenkassen und bringt mir ein Argument, weshalb die Einheitskasse die Prämien vergünstigen soll. Sieht super aus auf den ersten Blick, aber...

Die neusten Leser-Kommentare

  • Corinne Scheidegger am 11.07.2014 09:15 Report Diesen Beitrag melden

    Aushandlung der Leistungen

    Was ihr vergesst bei euerer Diskussion, ist dass die Kassen mit den Spitälern, Ärzten und anderen Leistungserbringern Preise aushandeln. Die Einheitskasse wird diesen Wettbewerb stoppen und so könnten die Kosten enorm steigen. Ausserdem reden alle von den Verwaltungskosten, die übrigens genau 5 % ausmachen (5 % sind 5 Fr. von 100 Fr.) - wie teuer kommen die unzählichen Menschen, die ihren Job verlieren?

  • Gabriela Winkler am 10.07.2014 16:47 Report Diesen Beitrag melden

    Einheitskasse = Chaos

    Nur ja keine Trennung von Grund- und Zusatzversicherung. Da streiten sich dann eine staatliche und eine private Versicherung auf dem Buckel von Versicherten, Ärzten und Spitälern, wer was zahlen soll.

  • Sabine Seitz am 10.07.2014 16:22 Report Diesen Beitrag melden

    Einheitskasse nur bei Grundversicherung

    Bei der Einheitskasse geht es lediglich um die Grundversicherung. Die Zusatzversicherung ist weiterhin frei wählbar und kann je nach Bedürfnis individuell angepasst werden. -- Ich lege jedenfalls am 28. September ein überzeugtes JA für eine Einheitskasse in die Urne!

  • Albert Huber am 10.07.2014 16:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Plötzlich Kundenfreundlich

    Plötzlich werden Arztrechnungen schon nach 2 Wochen rückerstattet. Bis vor Kurzen musste ich jeweils 2 Monate warten. Ein Schuft, der böses denkt...

  • Kenner am 10.07.2014 16:03 Report Diesen Beitrag melden

    Klärt euch auf!

    Was die Leute hier nicht verstehen ist, dass die Prämien nur steigen, weil die Gesundheitskosten auch steigen. Die Leute gehen einfach viel schneller zum Arzt usw. Da können die Krankenkassen doch nichts für! Wir müssen das sachlich sehen und nicht emotional an diese Sache rangehen. Wir haben das beste Gesundheitssystem in der Schweiz und sind trotzdem nicht zufrieden?! Wir sind einfach nur verwöhnt. Schaut euch mal die anderen Länder an. Nur durch unser Gesundheitssystem ist es möglich schnell ärztlich behandelt zu werden. Frankreich, bestes Beispiel um gegen die Einheitskasse abzustimmen.