Zollbestimmungen

11. Juni 2014 07:45; Akt: 11.06.2014 11:28 Print

Mit Schweizer Auto über Grenze: 14'700 Euro Busse

von N. Glaus - Fährt ein EU-Bürger mit einem Schweizer Auto über die Grenze, kann ihn dies mehrere Tausend Franken kosten. Kritiker sprechen von «EU-Abzocke».

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Das europäische Zoll- und Steuergesetz will mit seinen Vorschriften unter anderem den Autoschmuggel verhindern. Demnach ist es den EU-Bürgern nicht erlaubt, mit einem Fahrzeug, das nicht in der EU angemeldet ist, auf EU-Gebiet zu fahren. (Bild: Keystone/Martin Ruetschi)

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Als der 73-jährige deutsche Rentner Dieter Johann von der Heide das Auto seines Schwiegersohnes auslieh, ahnte er nicht, dass ihn diese Ausfahrt rund 18'000 Franken kosten würde.

Der Rentner war mit dem Schweizer Mercedes unterwegs nach Österreich. Dort haben seine Tochter und deren Schweizer Mann ein Ferienhaus. Am österreichischen Zoll in Höchst nahmen ihn die Zollbeamten zur Seite. Zwei mit Pistolen bewaffnete Beamte kontrollierten den Wagen. «Ich kam mir vor wie ein Krimineller», erzählt von der Heide.

Die Zöllner warfen dem Rentner Autoschmuggel vor: Er habe ein Auto, das ihm nicht gehöre und das nicht in der EU zugelassen sei, in die Europäische Union eingeführt. Dies, ohne es an der Grenze anzugeben, wie er es eigentlich hätte tun müssen. Ihm wurde eine Busse in der Höhe von 14'700 Euro aufgebrummt.

Kein Einzelfall

Der Fall von Dieter Johann von der Heide ist kein Einzelfall. «Im Bezirk des Hauptzollamts Lörrach hatten wir allein im vergangenen Jahr etwa 50 solche Fälle», bestätigt der Sprecher des Zollamtes Lörrach, Markus Ückert. Der letzte Vorfall ereignete sich Ende April.

Das Europäische Zoll- und Steuergesetz will mit seinen Vorschriften unter anderem den Autoschmuggel verhindern. Demnach ist es laut Ückert den EU-Bürgern nicht erlaubt, mit einem Fahrzeug, das nicht in der EU angemeldet ist, auf EU-Gebiet zu fahren. Konkret heisst das: Wenn man als Schweizer beispielsweise seinem deutschen Arbeitskollegen sein Auto ausleiht, darf dieser nicht über die österreichische, deutsche, italienische oder französische Grenze fahren.

Keiner kennt das Gesetz

In der Praxis wissen aber nur die wenigsten Autofahrer über diese Vorschrift Bescheid: «Das ist tatsächlich ein Problem, denn es gibt einige, die sich keine Gedanken darüber machen», so Ückert. Bei den Zahlen zu den Vorfällen sei zudem unklar, ob es sich nur um die Unwissenheit der Autofahrer handelte oder ob die Zöllner auch wirklich Autoschmuggel verhinderten.

Grundsätzlich empfiehlt Ückert den EU-Bürgern, gar nicht erst mit einem Schweizer Auto eines Freundes über die Grenze zu fahren: «Denn wenn wir am Zoll Kenntnis davon erlangen, müssen wir sofort tätig werden.»

«Diese EU-Regelung ist pure Abzocke»

SVP-Nationalrat Lukas Reimann ärgert sich über die momentane Situation: «Diese EU-Regelung ist pure Abzocke und macht unschuldige Autofahrer zu Schmugglern.» Er überlegt sich deshalb, wie er politisch gegen dieses «unsinnige» Gesetz vorgehen könnte.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • AndyR am 11.06.2014 08:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schwachsinn

    Mich erstaunt der Behördenschwachsinn übethaupt nicht mehr. Dies gilt sowohl für die EU als auch für die CH. Der Bürger ist zuerst einmal ein Verbrecher und zwar solange bis das Gegenteil bewiesen ist. Die Unschuldsvermutung hat sich schon längst verabschiedet. Zuerst ausnehmen bis nichts mehr zu holen ist und sich dann fragen, warum wir immer mehr Fürsorgeempfänger haben. Mein verst. Vater hat immer gesagt, dass der Staat der grösste Gangster ist....

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  • Hans Bachmann am 11.06.2014 08:13 Report Diesen Beitrag melden

    EU Gesetz

    Was bitte gehen Sie EU Gesetze an, Herr Reimann ? Besser währe das sie unsinnige Gesetze in der Schweiz bekämpfen, und von denen gibt es genug.

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  • Roland Kämpe am 11.06.2014 08:19 Report Diesen Beitrag melden

    Aha ...

    Einwanderung darf nicht kontrolliert werden, wo kämen wir denn hin, wenn die EU nicht ihre Billigarbeitskräfte grenzenlos in die Schweiz exportieren dürfte? Aber solchen Blödsinn, den darf man kontrollieren, da verdient die EU wenigstens kräftig daran...

Die neusten Leser-Kommentare

  • V. P. am 12.06.2014 06:59 Report Diesen Beitrag melden

    Lustig?

    Wie ist dass dann mit einem CH-Dienstwagen, der vom EU-Bürger gefahren wird?

  • Hausi Panama am 11.06.2014 14:59 Report Diesen Beitrag melden

    Fehlender gesunder Menschenverstand

    Wenn der Eigentümer eine schriftliche Erklärung gibt, dass das Auto ausgeliehen ist, passiert nichts am Zoll. Nur weiss das niemand und den Zöllnern fehlt eben jeglicher gesunder Menschenverstand. Der Unterschied: Schweizer Zöllner klären auf und schicken den Lenker zurück ohne Busse. Der Deutsche freut sich, und büsst jeden den sie erwischen.

  • Frenk Sciascia am 11.06.2014 14:18 Report Diesen Beitrag melden

    eu Beitritt löst einige Probleme

    eu beitritt. wie wäre es wenn wir der eu beigetreten wäre ? aber eben sich lieber dumm und dämlich zahlen.

  • Bernereidgenosse am 11.06.2014 14:13 Report Diesen Beitrag melden

    Eurokraten

    Also verstehe ich das richtig? ein Deutscher Staatsbürger der in der Schweiz angemeldet ist und hier arbeitet und sich in der Schweiz ein Auto kauft mit CH Zulassung und mit diesem zu Besuch nach Deutschland fährt, wird zur Kasse gebeten? EU ist für mich nichts anderes als eine bürokrtische perverse Staatenvereinigung.

    • Hausi Panama am 11.06.2014 15:03 Report Diesen Beitrag melden

      Nein

      NEIN, logischerweise, wenn ein EU Bürger in der Schweiz einen Wohnsitz hat, betrifft ihn dies nicht.

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  • Peter Meyer am 11.06.2014 14:03 Report Diesen Beitrag melden

    Bussen in dieser Höhe sind absurd

    Mich nervt generell das fehlende Augenmass bei all dem Bussenkram: Ist wirklich oft nur noch die reine Abzocke! Bei jedem Vergehen, welches nicht offensichtlich willentlich (= kriminelle Energie) passiert ist, sollte erst einmal eine Verwarnung oder eine sehr tiefe Busse ausgesprochen werden. Erst im Wiederholungsfall sollte man überhaupt mit solchen Beträgen operieren dürfen. Bei "echten" Wirtschaftsverbrechen passiert dafür nie etwas oder die Staatsanwaltschaft wartet bis der Fall beinahe verjährt ist! Jedes einzelne Gesetz kann man als Normalbürger leider nicht mehr kennen!