Menschenhandel via Athen

21. Juni 2012 11:30; Akt: 21.06.2012 23:14 Print

Mit gefälschtem Pass am Flughafen abgefangen

Jeden Tag versuchen vier Personen, mit einem gefälschten Pass in die Schweiz zu reisen – allein via Swiss aus Griechenland. Die Schleuser setzen laut Bundespolizei vermehrt auf die Balkanroute.

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Über den Flughafen Athen haben viele versucht, mit einem gefälschten Pass in die Schweiz zu kommen. (Bild: Keystone/AP/STR)

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Nach einem starken Anstieg im Jahr 2010 hat sich in der Schweiz die Lage beim Menschenhandel und -schmuggel stabilisiert. Insgesamt gingen letztes Jahr 3860 Meldungen (Vorjahr 4281) ein, die in 626 Dossiers zusammengeführt wurden. 274 Dossiers betrafen Menschenschmuggel und 222 Menschenhandel. Das zeigt der Jahresbericht des Bundesamtes für Polizei (fedpol).

Beim Menschenschmuggel ist laut fedpol-Angaben im letzten Jahr eine Verlagerung der Schleuseraktivitäten auf die Balkanroute festgestellt worden. Auch habe die Schleusung über den Luftweg zugenommen, insbesondere über Flüge aus den griechischen Städten Athen und Thessaloniki.

Allein die Swiss habe aufgrund ihrer Kontrollen an griechischen Flughäfen im Berichtsjahr 1300 Personen den Abflug verweigert, weil gefälschte Reisedokumente präsentiert wurden. Solche Dokumente werden von kriminellen Organisationen angeboten.

Roma-Frauen besonders betroffen

Im Vordergrund stehen beim Menschenhandel vor allem Frauen, die zum Zweck der sexuellen Ausbeutung in die Schweiz gebracht werden. Beim Gros dieser Opfer handelt es sich um Roma-Frauen, die aus Bulgarien und Rumänien kommen.

Als grosse Herausforderung bezeichnet das Bundesamt auch den Kampf gegen die organisierte Kriminalität, mit einer verstärkten Präsenz italienischer Mafiaorganisationen wie der 'Ndrangheta

Mit Internetmonitoring gegen radikale Websiten

Überdies hat die fedpol letztes Jahr den Kampf gegen extremistische Internetseiten intensiviert. Die Überwachung der Internetaktivitäten von radikalen, meist dschihadistischen Webseiten wurde mit einer neu geschaffenen Abteilung verstärkt.

Seit Anfang 2011 kümmern sich sechs Experten um dieses spezielle Internet-Monitoring, darunter Islamwissenschafter, Orientalisten, Informatik-Spezialisten und Polizisten.

Ziel ist es, auf den Webseiten allfällige in der Schweiz verübte oder geplante strafbare Handlungen zu entdecken, etwa Gewaltdarstellungen, Drohungen, das Herstellen, Verbergen oder Weitergeben von Sprengstoffen und giftigen Gasen oder auch die öffentliche Aufforderung zur Gewalt.

Resultate der verstärkten Internet-Überwachung

Die Internet-Überwachung habe auch schon zu Ergebnissen geführt, heisst es in dem Bericht. Das fedpol habe mehrere Vorermittlungen gegen einschlägige Internetseiten respektive deren Betreiber eingeleitet. Die Ermittlungserfolge zeigten, dass auch in der Schweiz so genannte Cyberdschihadisten aktiv seien.

Detailliertere Angaben zu Anzahl und Art der Fahndungserfolge enthält der Bericht keine. Erwähnt wird lediglich der Fall eines zum Islam konvertierten Schweizers, der im Internet mit einem Gesinnungsgenossen einen Anschlag auf eine US-Einrichtung in einem Nachbarstaat erörtert haben soll. Eine Hausdurchsuchung und die Einvernahme konnten den Verdacht auf Vorbereitungshandlungen für Sprengstoffdelikte jedoch nicht erhärten.

Rasante technologische Entwicklung

Bei ihren Ermittlungen arbeitet die neue Abteilung auch eng mit dem Nachrichtendienst des Bundes (NDB) zusammen, der sein Monitoring ebenfalls ausgebaut hat. Die Überwachung im Internet bezeichnet das fedpol als «zentrale Herausforderung» für die Polizeiarbeit. Die technologische Entwicklung verlaufe rasant und biete immer ausgefeiltere Möglichkeiten zur Verschleierung und Beweisvereitelung.

Dieses Problem stellt sich auch in anderen Gebieten der Kriminalitätsbekämpfung, etwa der Pädokriminalität oder der herkömmlichen Internetkriminalität. Hier sei eine Professionalisierung mit zunehmender Arbeitsteilung festzustellen, schreibt das fedpol.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • fritz am 21.06.2012 11:35 Report Diesen Beitrag melden

    Es geht noch viel einfacher

    Unsere Grenze ist geöffnet für alle. Weltweit ist es ab einer Bestechung von 100 möglich ein Schengen-Visum auf den Botschaften von Grichenland oder Italien zu kaufen.

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  • peter müller am 21.06.2012 12:22 Report Diesen Beitrag melden

    wieviele?

    4 abgefangen, toll. Die Frage aber ist: Wieviele hundert haben es in die Schweiz geschafft ?

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  • Roli am 21.06.2012 12:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ohne Pass in die Schweiz!

    Es braucht nicht einmal einen gefälschten Pass um in die Schweiz zu kommen. Meine Frau ist letzten Freitag von Brasilien über Portugal hierher geflogen. In Kloten wurden die Passagiere keiner Passkontrolle unterzogen!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Roli am 21.06.2012 12:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ohne Pass in die Schweiz!

    Es braucht nicht einmal einen gefälschten Pass um in die Schweiz zu kommen. Meine Frau ist letzten Freitag von Brasilien über Portugal hierher geflogen. In Kloten wurden die Passagiere keiner Passkontrolle unterzogen!

    • Hans Ueli am 21.06.2012 12:39 Report Diesen Beitrag melden

      Schengen-Vetrag

      Ist Portugal nicht im Schengen-Raum? Dann muss doch Portugal die von aussen Kommenden kontrollieren, danach gibt es keine Kontrollen mehr. Das ist beim Landweg ja auch so. Oder irre ich mich?

    • Nils am 21.06.2012 12:42 Report Diesen Beitrag melden

      ohne Pass läuft nichts..

      Personenkontrollen findet in Brasilien und Lissabon statt.

    • Dame am 21.06.2012 12:44 Report Diesen Beitrag melden

      Ein Witz

      Ich neheme an, dass du nicht weisst wie der Flughafen Zürich gemacht ist. Und ausserdem heisst es nicht mehr Kloten. Guten Morgen!!!! Es ist Mittag

    • Gähner am 21.06.2012 12:57 Report Diesen Beitrag melden

      Nix Neues

      Ist so wenn man aus Schengenstaaten einreist....

    • Michael am 21.06.2012 12:58 Report Diesen Beitrag melden

      Schengen

      Portugal liegt wie die Schweiz im Schengenraum, also gibt es keine Passkontrolle. Die Passkontrolle müsste in Portugal stattfinden.

    • Damian am 21.06.2012 13:00 Report Diesen Beitrag melden

      Ohne Pass in die Schweiz!

      Roli, die Passkontrolle hat sicherlich in Portugal statt gefunden. Das nennt man Schengenabkommen.

    • toni am 21.06.2012 13:02 Report Diesen Beitrag melden

      Schengen

      Das ist das Problem des Schengener-Abkommens. Passkontrollen finden nur an deren Ausengrenzen statt, was in diesem Fall in Portugal gewesen wäre. Wer einmal im Schengenraum ist, kann ohne weitere Passkontrollen herumreisen. Was nützt uns also dieses Abkommen, wenn die hälfte aller Mitgliedstaaten es nicht so ernst nehmen?

    • Martin Zürcher am 21.06.2012 13:09 Report Diesen Beitrag melden

      Schengen

      Schengen. Nur Portugal muss kontrollieren

    • Tosca am 21.06.2012 13:13 Report Diesen Beitrag melden

      Schengens wegen.

      Schengen! Portugal hat dies für ganz Europa, welche dem Schengenvertrag unterstehen, übernomnen.

    • M.S. am 21.06.2012 13:17 Report Diesen Beitrag melden

      Passkontrolle bei Schengen-Einreise

      Die Passkontrolle wurde wahrscheinlich beim Eintritt in den Schengenraum gemacht. Sprich in Portugal.

    • georgios am 21.06.2012 13:23 Report Diesen Beitrag melden

      schengen

      Portugal ist ein Schengenland... Die Passkontrolle sollte also in diesem Fall in Lissabon und nicht in Zürich erfolgen..

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  • peter müller am 21.06.2012 12:22 Report Diesen Beitrag melden

    wieviele?

    4 abgefangen, toll. Die Frage aber ist: Wieviele hundert haben es in die Schweiz geschafft ?

    • m.hammer am 21.06.2012 12:46 Report Diesen Beitrag melden

      Wieviele

      einig die jetzt in den Genuss unserer Hilfe kommen.

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  • Marie am 21.06.2012 11:37 Report Diesen Beitrag melden

    Drehscheibe Athen

    Athens Eleftherios Venizelos ist prädestiniert für Solches. Dort kann man leider noch sehr gut schmieren, schalten und walten, und das wird sich nicht ändern, bis die sozialen Bedingungen in Griechenland besser sind. In den 70igern wurden von dort aus die Flugzeugentführungen organisiert und Bomben an Bord gebracht, heute blüht dort der Menschenhandel und das Business für die Schlepperbanden. Die geographische Lage und das politische Chaos sind ideal. Schlimm, denn die Griechen sind im Grunde freundliche und anständige Menschen und geraten so in Verruf. Wir fliegen dieses Jahr aber wieder hin.

  • fritz am 21.06.2012 11:35 Report Diesen Beitrag melden

    Es geht noch viel einfacher

    Unsere Grenze ist geöffnet für alle. Weltweit ist es ab einer Bestechung von 100 möglich ein Schengen-Visum auf den Botschaften von Grichenland oder Italien zu kaufen.

    • pter vogel am 21.06.2012 12:11 Report Diesen Beitrag melden

      beweisen nicht nur reden

      uhhh mit solchen anschuldigungen währe ich sehr vorsichtig! auch eine IP kann zurückverfolgt werden. Oder haben Sie Beweise?

    • Ausländer am 21.06.2012 12:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Unsinn

      So ein Unsinn!!

    • rol.ger am 21.06.2012 13:17 Report Diesen Beitrag melden

      Stimmt nur halb

      @Herr Vogel: so einfach ist das mit der IP zurückverfolgen auch wieder nicht. Es braucht dazu eine richterliche Verfügung.

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