Lebensmittel-Verschwendung

24. Februar 2015 21:03; Akt: 24.02.2015 22:53 Print

Mit kleineren Packungen gegen Foodwaste?

Die Tortilla-Wraps im Achterpack oder die Kartoffeln nur im Kilosack: Laut Experten sind viele Lebensmittel-Packungen zu gross für Single-Haushalte.

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«Zu verkaufen bis», «zu verbrauchen bis», «mindestens haltbar bis»: Bei den Datumsbezeichnungen herrscht ein Durcheinander. Auf Druck des Bundes bemühen sich die Detailhändler jetzt darum, die Bezeichnungen zu vereinfachen. So hat Coop angekündigt, dass 90 Prozent der Produkte bis Ende 2015 nur noch ein Datum aufweisen würden, wie Coop-Sprecher Ramón Gander einen Bericht des «Blicks» bestätigt.

Die Vereinfachung bei den Ablaufdaten begrüsst Dominique Senn, Projektleiterin des Vereins Foodwaste.ch: «Für Konsumenten ist es schwierig, diese Bezeichnungen zu unterscheiden, sodass Lebensmittel zu schnell weggeschmissen werden.» Allerdings sei ein markanter Teil der verschwendeten Lebensmittel gar nicht mit einem Datum versehen. «Oft wandern auch Gemüse, Früchte oder Kochreste in die Abfallkübel.»

Zu grosse Portionen?

Handlungsbedarf sehen Politiker und Experten denn auch nicht nur bei der Beschriftung, sondern bei den Packungsgrössen – immerhin gibt es in der Schweiz mittlerweile 1,26 Millionen Single-Haushalte. «Ich erhalte viele Zuschriften von Leuten, die sich darüber beklagen, dass die Packungen für sie zu gross sind und sie Lebensmittel wegwerfen müssen», sagt etwa Grünen-Nationalrätin Aline Trede. Als Beispiele nennt sie gerüsteten Salat oder Ofenlasagne. Gemäss Studien sind schätzungsweise 20 bis 25 Prozent der Lebensmittelabfälle auf das Verpackungsdesign zurückzuführen.

Dieser Problematik ist auch die Nationalrätin Tiana Angelina Moser (Grünliberale) bewusst. Eine Lösung sieht sie wie Trede darin, dass Produkte wieder vermehrt offen angeboten werden. «Auch kleinere Verpackungsgrössen könnten Foodwaste verhindern, allerdings muss man dann schauen, dass man nicht unnötig mehr Abfall produziert.»

SVP-Nationalrat Markus Hausammann sieht das Problem auch in Multipack-Aktionen und Mengenrabatten auf Grosspackungen bei verderblichen Waren. «Die Leute werden so dazu verleitet, viel zu viel einzukaufen.» Es ergebe keinen Sinn, solche Aktionen anzubieten, wenn die Lebensmittel am Schluss nicht gegessen würden.

«Trend zu kleineren Verpackungen»

Selçuk Yildirim, Professor für Lebensmittel- und Verpackungstechnologie an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW), sieht sie Hersteller in der Pflicht, die Grössen der Verpackungen an den gesellschaftlichen Wandel anzupassen: «Da es immer mehr Einpersonenhaushalte gibt, werden kleinere Verpackungsgrössen nachgefragt.»

Laut dem Experten hat die Lebensmittelbranche bereits reagiert und bietet etwa Convenience-Produkte in kleinen Portionen an, oder aber in Verpackungen mit mehreren Lagern, die sich nacheinander öffnen lassen. «Dieser Trend zu kleineren Verpackungen wird weitergehen.» Laut Yildirim werden tendenziell vor allem Frischwaren, etwa Fleisch oder Brot, aber auch Karotten, in zu grossen Portionen angeboten. «Das Potenzial zur Verhinderung von Foodwaste durch optimierte Verpackungen ist noch nicht ausgeschöpft.» Dies gelte besonders für Online-Supermärkte, wo Frischprodukte oft nur in grösseren Portionen erhältlich seien. Die Detailhändler machen dafür logistische Gründe geltend.

An der ZHAW denkt man derweil bereits einen Schritt weiter. Yildirim nennt sogenannt intelligente Verpackungen, die mit dem Konsumenten kommunizieren können. «Viele werfen Produkte weg, weil sie unsicher sind, ob sie noch geniessbar sind. Eine Anzeige könnte hier helfen», sagt Yildirim. So würden Technologien entwickelt, die dem Konsumenten verdächtige Gas- oder Säurebildung in der Packung anzeigten. Zudem wird an der ZHAW an Verpackungen geforscht, die den Sauerstoff im Innenraum absorbieren und so zur längeren Haltbarkeit beitragen.

(daw)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Lokführer am 24.02.2015 21:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wünschenswert

    Kleinere Portionen wären sehr wünschenswert, gerade für Single-Haushalte. Sonst muss man immer gleich eine Woche lang dieselben Lebensmittel essen. ;-)

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  • A.Single am 24.02.2015 21:12 Report Diesen Beitrag melden

    Dafür brach man kein Experte zu sein

    sondern nur alleine leben! es ist ganz einfach, entweder werfe ich 1/3 weg oder esse 3-4 Tage das Gleiche.

    einklappen einklappen
  • experte am 24.02.2015 21:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    unglaublich

    woooow dafür brauchte man experten? ich habe das auch schon festgestellt, bin ich jetzt auch ein experte?

Die neusten Leser-Kommentare

  • b.m am 25.02.2015 18:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Abfall

    Ja wie jetzt, kleinere Packungen doppelter Abfall, oder seh ich das falsch.

  • Jasmin am 25.02.2015 13:48 Report Diesen Beitrag melden

    Endl.kl.Packung un d bitte n. teurer

    Super, endlich kleiner Portionen. Aber bitte nicht immer mehr dafür verlangen. Oft hat man keine Wahl, alles 3erPack oder einfach zuviel für eine Person - das landet viel im Müll. Zudem sind kl. Packungen meist teurer was unverschähmt ist. Es gibt nicht nur 4 Pers. Haushalte, die werden immer bevorzugt.

  • Fredy am 25.02.2015 13:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Vernunft

    Das Problem ist immer der Detailhandel, alle brauchen und wollen nur das liebe Geld. Ihnen ist egal was und in welcher Menge was im Müll landet. Grossverpackungen verbieten alles einzeln auch wenn es vielleicht einwenig mehr kosten wird. Wo ist der Unterschied bei Grosspackungen und dann 1 Drittel in den Müll oder Einzelpackungen und Alles verwertet und Teurer, rechnet mal nach. Wichtig scheint mir auch das verderbliches immer Frisch angeboten wird, ist bei Grossverteilern schon mehr ein Problem wegen der Kette, Produzent, Verpackungsindustrie, Detailhandel und Konsument immer noch zu lange ist. Vieles ist gar nicht mehr frisch wenn es im Laden ist und zum Teil schon über Monate oder noch besser Jahre gelagert. Ein frischer Apfel oder ein Rüebli frisch vom Garten oder ein knackiger Salat vom Feld ist immer noch das beste.

  • forever alone am 25.02.2015 12:47 Report Diesen Beitrag melden

    Einzelhaushalt

    Bin auch einzelhaushalt. habe das Problem jedoch nicht... Kocht einfach immer selber und frisch... ein gekochtes menü im kühlschrank hält locker 2-3 tage, notfalls einfrieren. pasta reis und kartoffeln halten auch mehrer tage/wochen/jahre menüplan und einmal die woche einkaufen und das problem ist gelöst

  • Doc Occ am 25.02.2015 12:46 Report Diesen Beitrag melden

    Mal nachdenken

    Ich höre schon das nächste Jammern - mehr Abfall! Denn Verpacken von kleineren Mengen führt zu mehr Abfall für die gleiche Menge.