Geldstrafe für Kollege

13. Dezember 2018 12:09; Akt: 13.12.2018 19:08 Print

Skyguide-Lotsen melden sich nach Urteil krank

Nachdem ein Skyguide-Fluglotse zu einer bedingten Geldstrafe verurteilt worden ist, melden sich einige seiner Kollegen krank. Dies führt zu Flugverspätungen.

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Am Zürcher Obergericht wurde am Mittwoch der Skyguide-Fluglotse, der einen Beinhahe-Zusammenstoss zweier Flugzeuge verursacht hatte, zu einer bedingten Geldstrafe verurteilt. Nun fühlen sich einige seiner Kollegen nicht fit genug, um bei der Arbeit zu erscheinen.

Ein Leser-Reporter meldete eine Verspätung eines Swiss-Fluges von Stockholm nach Zürich. Alle Passagiere seien genervt: «Die Pilotin sagte, man solle sich nicht aufregen und mit der Cabin Crew anständig umgehen», so der Reporter. Grund für die Verspätung könnte ein Personalengpass bei Skyguide sein. Viele Passagiere würden ihre Anschlussflüge verpassen.

Wie Raimund Friedrich, Sprecher von Skyguide, auf Anfrage bestätigt, sei die Anflugrate auf den Flughafen Zürich um 10 Prozent reduziert, was zu Verspätungen führen könne. Das gestrige Urteil am Obergericht Zürich führte zu Verunsicherung und Unverständnis seitens der Flugverkehrsleiter. Zudem bringt die Komplexität des Flugbetriebs die Mitarbeiter an ihr Limit: «Dennoch haben sich nur ein paar wenige Mitarbeiter am Donnerstag krankgemeldet und die Operationen erfolgen normal», sagt Fridrich. Generell ist jeder Mitarbeiter angewiesen, nur dann zur Arbeit zu kommen, wenn er sich 100% fit fühle.

«Situation wird immer unhaltbarer»

Auch der Flughafen Zürich bestätigt die reduzierte Abflugrate. «Der aktuelle Flugbetrieb verhält sich wie an einem starken Wintertag», sagt Sprecher Philipp Bircher. Jeder zweite Flug habe mehr als 15 Minuten Verspätung.

Skyguide werde prüfen, ob es nötig sei, die Reduktion von zehn Prozent morgen aufrechtzuerhalten. Von einem Streik sei allerdings nicht die Rede.

Der verurteilte Lotse kriegt neben seinen Kollegen auch Zuspruch von den Gewerkschaften APTC und Skycontrol. Die Entscheidung würde die Flugsicherheit des Schweizer Luftraums nicht stärken, schreibt Maximilien Turrettini, Präsident von Skycontrol, in einer Mitteilung. «Es beweist bei Bedarf den enormen Druck auf die Flugverkehrsleiter von Skyguide. Ihre Situation wird immer unhaltbarer», so Turrettini.


(nzy)