Cybermobbing überschätzt

06. März 2013 11:22; Akt: 06.03.2013 14:17 Print

Mobbing kommt im echten Leben öfter vor als im Netz

Cybermobbing gilt als grösste aller Gefahren, denen Jugendliche im Internet ausgesetzt sind. Doch zwei Studien zeigen, dass die Jugendlichen im Netz nicht einfach gedankenlos drauflosmobben.

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Mobbing im Netz kommt immer wieder vor - jedoch werden Jugendliche im realen Leben weit mehr gemobbt. (Bild: Keystone/AP/Patrick Sinkel)

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Mobbing kommt in der realen Welt weit häufiger vor als im Internet. Zu diesem Schluss kommen zwei Studien, die der Schweizerische Nationalfonds (SNF) mitfinanziert hat. Cybermobbing müsse eher als Verlängerung herkömmlichen Mobbings gesehen werden denn als eigenständiges Phänomen, schreibt der SNF in einer Mitteilung vom Mittwoch.

«Die Ansicht, dass alle Jugendlichen dank der neuen Möglichkeiten gedankenlos drauflosmobben, ist weit von der Realität entfernt», wird Sonja Perren von der Pädagogischen Hochschule Thurgau zitiert.

Ein Team aus Psychologinnen und Psychologen der Pädagogischen Hochschule Thurgau sowie der Universitäten Bern und Zürich hat rund 950 Jugendliche im Alter von 13 und 14 Jahren aus den Kantonen Tessin, Wallis und Thurgau mehrmals befragt.

Dreimal seltener

Cybermobbing kommt demnach etwa dreimal seltener vor als Mobbing in der realen Welt. Massive Attacken seien sehr selten. Im Cyberspace würden häufig diejenigen Jugendlichen als Mobber auffällig, die ohnehin zu aggressivem und antisozialem Verhalten neigten.

Aus Sicht der Autoren spielt auch die Zeit, die Jugendliche im Internet verbringen, eine Rolle. Dagegen seien Faktoren wie das Geschlecht oder die Empathiefähigkeit vernachlässigbar.

Auf klassische Prävention setzen

Unterschiede orten die Studien allerdings im Potenzial, anonyme und weite Kreise ziehende Angriffe zuzulassen. «Cybermobbing kann schlimmer sein als gewöhnliches Mobbing, falls es anonym geschieht und viele Leute erreicht», wird Perren zitiert.

Nach Ansicht der Forscher braucht es indes keine spezielle Prävention gegen Cybermobbing. Die klassische Prävention, um potenzielle Fälle früh aufzudecken sowie Sozialkompetenzen und moralische Werte zu vermitteln, greife auch in der digitalen Sphäre. Schüler, Lehrpersonen und Eltern müssten auf ihre Mitverantwortung aufmerksam gemacht werden.

(sda/jep/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Anja am 06.03.2013 17:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    mit Baseballschlägern verdroschen

    Ich wurde von der 4.-6. Klasse gemobbt. anfangs waren es 2 Drahtzieherinnen welche solchen psychischen Druck auf die Mitschüler ausüben konnten, dass schlussendlich 2/3 der Klasse auch mitmachten. der Rest schaute nur zu und sagten nichts da sie riesen Angst hatten. bei mir war es Mobbing der übelsten Sorte. mir wurde morgens schon vor der Wohnung aufgelauert und zur Schule gejagt, mittags und bei Schulschluss das selbe. wurde absichtlich von 2 Mitschülern vom hohen Klettergerüst gestossen; und von 6 Mitschülern mit Baseball- und Hockeyschlägern aufs übelste verdroschen. meine Lehrerin war sehr jung und unerfahren. sie dachte ich sei diehenige welche gegen die anderen hetzt. ich war psychisch total fertig. zum schluss hat mich das alles nur stärker gemacht.

  • Fredy Kramer, Wettingen am 06.03.2013 17:24 Report Diesen Beitrag melden

    Mobbing ist überall

    Leider gibt es keine Hilfe für Mobbing Opfer, alles läuft verdeckt und hintenherum. Wenn es das Mobbingopfer endlich merkt, woher das Mobbing kommt ist bereits alles kaputt, gegen Verleumdungen und üble Nachrede kann sich keiner wehren. Also werden in Zukunft öfters Amokläufe geschehen und alle wundern sich, warum sowas geschehen kann. Auch die Helfer und Mithelfer am Mobbing sehen sich als unschuldige und unbeteiligte. Der nächste Amol kommt zu 100 %.

  • Shinji Schneider am 06.03.2013 16:27 Report Diesen Beitrag melden

    Dankeschön

    Man sollte vielleicht offenen Augens durch die Schulen laufen. Schüler werden nicht nur von anderen Schülern gemobbed sondern teilweise auch gezielt von den Lehrern. Leider stürzt man sich bei Amokläufen und Selbstmorden lieber auf Computerspiele, Filme und Hobbies anstatt sich mit den eigentlichen Ursprüngen wie Mobbing ausseinander zu setzen.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Logo am 06.03.2013 21:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Könnte es daran liegen, dass...

    vielleicht dreimal mehr Menschen eben NICHT in SocialMedias mitmachen???

  • Leser am 06.03.2013 21:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Dämliche, sinnlose Studien!!!

    Sorry, Mobbing im realen Leben lässt sich nicht vergleichen mit Mobbing im Internet! Das Internet vergisst NIE und ist der ganzen Welt zugänglich! Dem Mobbing im realen Leben kann auch real begegnet werden! Mobbim im Netz ist um Welten brutaler, da es keinen realen Kontakt zum Menschen, der verletzt wird benötigt! Diese Studien sind komplett sinnlos und falsch!!

  • haruka san am 06.03.2013 19:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    die gute alte studie, die nix neues zeigt

    also ich wurde in meiner kind - und jugendzeit jeden tag gemobbt.. für das braucht man keine studie, welche zeigt, dass menschen gemobbt werden in ihrem realen leben!

  • Martin am 06.03.2013 17:45 Report Diesen Beitrag melden

    Kommt drauf an

    Mobbing kann unterschiedliche Formen haben. Die einen sind sehr direkt, wie Beleidigungen, Drohungen usw. oder aber eher subtilere, wie Intrigen, was aber nicht besser ist. Mobbing ist schwer zu beweisen. Von daher haben die Täter leichtes Spiel.

  • Elba am 06.03.2013 17:39 Report Diesen Beitrag melden

    So ist es!

    Und am schlimmsten ist es, wenn Mobbing von oben betrieben wird. Da wird sich wehren oft unmöglich. Reisst den Mobbern die schöne Maske von der Fratze!