Verkehrskollaps droht

30. September 2013 11:37; Akt: 30.09.2013 20:07 Print

Mobilität soll massiv teurer werden

Schweizer sind zu viel unterwegs: Egal ob zur Arbeit oder in der Freizeit. Mobilität ist zu billig und darum ein Problem, sagen Verkehrsexperten. Und haben radikale Pläne.

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Der massive Widerstand gegen den Aufschlag der Autobahnvignette von 40 auf 100 Franken zeigt ein grundsätzliches Problem auf: In der Schweiz ist der Verkehr ein umkämpftes Thema, bei dem Veränderungen nur sehr schwer durchzusetzen sind. Wie schwer dürften es dann erst die Pläne von Schweizer Verkehrsexperten haben, die effektiven Kosten auf die Verkehrsteilnehmer abzuwälzen?

Umfrage
Sollte Mobilität auf Strasse und Schiene nach effektiven Kosten verrechnet werden?
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Insgesamt 16654 Teilnehmer

Angesichts der stark steigenden Mobilität fordern die Verkehrsexperten im «Tages-Anzeiger», dass der Benzinpreis auf 10 Franken pro Liter erhöht wird, das Generalabonnement doppelt so viel kostet wie heute und zusätzlich ein Mobility Pricing eingeführt wird, bei dem effektiv gefahrene Kilometer durch Verursacher bezahlt werden.

Hintergrund der provokativen Forderungen: Das starke Wachstum der Schweizer Bevölkerung und die damit verbundene massive Zunahme des Verkehrs. Irgendwann, so die Experten, werde der Verkehr kollabieren. Es werde so viel gefahren, weil Mobilität so billig sei, sagt Verkehrsplaner Patrick Ruggli im Tagi-Artikel.

Stau kostet 1,2 Milliarden im Jahr

Bereits heute läuft der Strassen- und Schienenverkehr mit dem hohen Verkehrsaufkommen am Limit. Täglich stehen Tausende im Stau. Dies belastet die Volkswirtschaft mit rund 1,2 Milliarden Franken im Jahr. Und kommt es bei der Bahn an einem Ort zu einer Störung, lahmt der Bahnverkehr in der halben Schweiz. Die jüngste Pannenserie der SBB hat dies aufgezeigt und die Nerven Tausender Pendler strapaziert.

Um die Engpässe zu beseitigen, investiert der Bund jährlich rund 4,5 Milliarden Franken in die Verkehrsinfrastruktur. Der Unterhalt von Strasse und Schiene kostet weitere 3 Milliarden im Jahr. Und diese Kosten dürften weiter steigen, sagt Klaus Zweibrücken von der Hochschule Rapperswil. «Wer soll das am Ende alles bezahlen?», fragt er. Fakt ist: Verkehrsteilnehmer tragen mit Abgaben auf Benzin, Vignette, Verkehrssteuern und Billettpreis nur einen Teil der Kosten.

Für die Experten ist klar: Nur über massive Preisaufschläge und Kostenwahrheit kann die wachsende Mobilität gebremst werden. Ihre Forderungen dürften auf massiven Widerstand stossen. Denn nur schon die Absicht von Verkehrsministerin Doris Leuthard, Steuerabzüge für Pendler auf 800 Franken zu senken, scheiterte. Jetzt liegt der maximale Abzug bei 3000 Franken im Jahr.

10 Franken pro Liter Benzin

Experte Ruggli sieht hier ein Grundproblem: «Kaum wird am System geschraubt, folgt der Aufschrei.» Das sei falsch, meint ETH-Professor Anton Gunzinger: «Wir müssen das System umkehren und jene belohnen, die Ressourcen schonen.» Damit dies schneller geht, macht er sich neben Mobility Pricing auch für weitere Massnahmen stark. Etwa für die massive Reduktion von Parkplätzen – und einen Benzinpreis von 10 Franken. Dafür würde er die Motorfahrzeugsteuer abschaffen.

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Ausgewählte Leser-Kommentare

Es ist unsinnig zu glauben, die Verkehrsteilnehmer würden bei einem Benzinpreis von Fr. 10 weniger Fahren. Viel besser wäre eine Taxe pro gefahrener Km. Diese würde dann mittels einer Verkehrssteuer verrechnet. Angenommen ich würde dann 50'000 km im Jahr fahren, so könnte das, wenn der Zuschlag 10 Rappen pro km kosten würde Fr. 5000 kosten. Auch müsste ein zusätzlicher Anreiz geschaffen werden, wonach Fahrzeughalter die ihr Fahrzeug länger als 5 Jahre besitzen, eine Art Reduktion oder Bonus erhalten. – Marc Schmidt

Schlimm genug, dass die meisten sich nicht leisten können in der Nähe vom Arbeitsort zu wohnen. Leider sind praktisch alle Arbeitgeber noch zu wenig auf leistungsorientierte und flexible Arbeitsmodelle ausgelegt (z.B. Teil des Arbeitstages zu Hause leisten). Es wird Zeit, dass die Arbeitgeber ihren Beitrag zum ÖV leisten und flexiblere Arbeitsformen anbieten! – Horst B.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • moviefanCH am 02.10.2013 16:25 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht freiwillig viel unterwegs...

    Ich würde noch so gerne zu Fuss oder gegebenenfalls mit dem Velo zur arbeit gehen (mehr Freizeit). Nur leider habe ich in meiner 16 Jährigen Berufstätigkeit noch nie die Möglichkeit dazu gehabt! Es ist wie es ist, meistens findet man nichts in unmittelbarer Nähe und dann die Verwurzelung in der Region auflösen und jedem Job hinterher ziehen kann doch nicht Sinn der Sache sein! Wer kann garantieren das man den Job dann noch lange hat?

  • Fabienne am 02.10.2013 15:09 Report Diesen Beitrag melden

    Lobenswertes Land!

    Ständig mehr zahlen und für was, nur weil unsere Herren Politiker die Einwanderung nicht stoppen können!Wenn wir in der Schweiz heut zu Tage die Miete nicht mehr zahlen können,weil Firmen ihr Personal im Ausland holen und denen hörende Löhne zahlen oder umgekehrt anfangen Löhne zu drücken (SBB lässt auch grüssen).Dann muss ich sagen,daß ich langsam die Nase voll habe von diesem Land.Man ist flexibel,hat einen Job,aber kaum noch ein Privatleben,der Lohn ist bei den ganzen Kosten auch nicht mehr viel Wert,von unserer lieben Gesellschaft (Senioren voran) muss man sich alles bieten lassen!

  • Thomas am 02.10.2013 16:20 Report Diesen Beitrag melden

    Wegg mit "Hire and Fire" Mentalität

    Es ist nun mal nicht für jede Familie möglich den Lebensraum komplett umzustellen, da oft Kinder zur Schule gehen oder eine Lehrstelle haben. Auch der Lebenspartner arbeitet vielleicht und kann auch nicht so ohne weiteres seinen Job wechseln. Wenn wirklich was gegen das Pendeln unternehmen werden soll, muss die Wirtschaft umdenken und aufhören mit den Hire und Fire Strategien. (Arbeiter Einstellen und wieder feuern) Sobald sich Menschen auf einen Lebens/Arbeits-raum langfristig einstellen können, wird sich die Pendlerzahl selbst reduzieren.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Kariny am 03.10.2013 14:07 Report Diesen Beitrag melden

    Ganz einfach

    Wirkliche entwicklungshilfe leisten, indem man die gesamte bevölkerung gleich besteuert und die asylgelder streicht. Stattdessen lieber entwicklungshilfe vor ort und zb aufklärung in indien. Bildungsmangel ist das hauptproblem! Wenn jeder lernt mit seinem vorhandenen boden zu wirtschaften und niemand unfreiwillig 10 kinder haben muss (kirche ist auch in der verantwortung) kommen auch weniger her.

  • Felix B am 02.10.2013 17:18 Report Diesen Beitrag melden

    Lösung suchen, nicht Problem verneinen!

    Das Problem ist, dass die Mobilität zu teuer ist. Die Verkehrsteilnehmer, ob ÖV oder Autofahrer, decken die Kosten, die sie verursachen, nicht. Das heisst, die momentane Lage liegt falsch, und muss geändert werden. Die erste Lösung ist jetzt gekommen, die Kosten welche real existieren auf die Verkehrsteilnehmer abzuwälzen. Andere Lösungsanzätze (kurze Ideen, nicht durchdacht): Kaputte Strassen + Offroader, Wohnungsbevorzugung für nahe Arbeitnehmer, kürzere Arbeitszeiten dafür mit Velo / per Fuss zur Arbeit, Massenschläge beim Arbietgeber.

  • Ralf am 02.10.2013 17:17 Report Diesen Beitrag melden

    Ich besitze kein Eigenheim...

    ...und bin deshalb mobil. Natürlich will jeder ein Haus und das Pendeln kann sogar steuertechnisch Vorteile verschaffen. Das ist völliger Schwachsinn: Steuern sparen auf Kosten Anderer und der Umwelt! Gescheige vom Grenzverkehr der noch mehr sparen will und egoistischer ist als alle anderen. Man muss halt im Kauf nehmen umzuziehen und zu mieten. Dann kann man wie ich: 15 Minuten Fahrt mit dem Velo zur Arbeit. Ok ich mache viel Verlust wegen meiner Miete, aber mir ist Lebensqualität wichtiger als Geld und Haus.

  • Baumi am 02.10.2013 17:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lohn

    Liebe Experten Mit 15000 CHF Monatslohn würde ich auch mehr fürs GA bezahlen. Bitte verdient mal ein paar Jahre etwas weniger, dann reden wir wieder darüber...

  • Moni am 02.10.2013 17:14 Report Diesen Beitrag melden

    Dumm ist wer dummes von sich gibt

    Das ist wieder typisch für... Auch mal überlegt dass es Pendler gibt die nicht über die Autobahn fahren? Ich fahre täglich 2x35 min und habe nie Stau, fahre alles Überland. Eine Wohnung am Arbeitsort zu finden ist auch nicht gerade einfach. Habe ich nämlich schon versucht, aber wenn eine 1.5 Zimmerwohnung bereits schon überrissene 1'500 kostet dann kann man sich das halt nicht leisten. Spart lieber mal beim Gehalt der Politiker die sowieso nix leisten für ihr Geld