Gegen Asylbewerber

15. April 2013 08:38; Akt: 15.04.2013 09:13 Print

Mörgeli und Blocher nutzen falsche Zahlen

50 Prozent der Asylbewerber seien kriminell, behauptete Christoph Mörgeli in einer Kolumne. Jetzt ist klar: Der SVP-Nationalrat hatte die falsche Zahl abgeschrieben.

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Die SVP macht mit falschen Zahlen gegen Ausländer Stimmung: In einer Kolumne in der «Weltwoche» behauptete Nationalrat Christoph Mörgeli Mitte März, dass «jeder zweite Asylsuchende kriminell» sei. Mörgeli belegte seine Behauptung mit Zahlen. Damit konnte auch alt-Bundesrat Christoph Blocher bei «Teleblocher» nachdoppeln: «50 Prozent aller Asylsuchenden sind kriminell. Gewusst haben wir das schon lange, aber es wird nicht gesagt.»

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Nur: Diese Zahlen sind falsch. Christoph Mörgeli hatte in einem Referat des Strafrechtsprofessors Christian Schwarzenegger von der Universität Zürich die falschen Zahlen mitgeschrieben, wie der Professor und dessen Assistent, David Studer, in einem Gastkommentar der «Neuen Zürcher Zeitung» kürzlich schrieben. Mörgeli soll auf der Basis dieser Untersuchung falsch gerechnet haben. So ging der Nationalrat in seiner Kolumne davon aus, dass etwa 70 Prozent der Delikte gegen Leib und Leben bei 18- bis 29-jährigen Männern von Asylbewerbern begangen worden seien. Bei den Drogendelikten seien es etwa 85, bei Gewalt etwa 70 und bei Vermögensdelikten 80 Prozent. Ausserdem sollen von den 36’116 Asylanten im Jahr 2010 17’251 strafrechtlich verurteilt worden sein. Mörgelis Schlussfolgerung: «Die Ausländerkriminalität ist haarsträubend.»

Schwarzenegger und Studer stellten in dem Kommentar klar: «Christoph Mörgeli hat die falsche Zahl abgeschrieben: Bei den 17’251 handelt es sich um die Verurteilungen von Ausländern ohne Wohnsitz in der Schweiz.» Richtig sei vielmehr, dass von diesen 36’116 Asylbewerbern in jenem Jahr 3167 strafrechtlich verurteilt wurden – also weniger als neun Prozent und damit fünfmal weniger, als Mörgeli behauptet hatte.

(jam)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Rüegger P. am 15.04.2013 08:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nicht nur die SVP

    Jede Partei argumentiert mit falschen Zahlen.

  • Andy S. am 15.04.2013 09:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Prozente ...

    Ganz ehrlich mir sind die Prozentzahlen in dem Moment wo ich für mich selber empfinde: es sind deutlich zu viele kriminell, herzlich egal. Hat allerdings nichts mit Ausländer oder Schweizer zu tun. Ich mag generell keine Verbrecher. Kommt mir oft so vor als gäbe es Menschen die dies gutheissen...

  • max fritschi am 15.04.2013 08:56 Report Diesen Beitrag melden

    unschuldig

    nur jeder 10 ein krimineller - nicht so schlimm

Die neusten Leser-Kommentare

  • abendlich-er am 18.04.2013 19:20 Report Diesen Beitrag melden

    ach Mörgeli, ach Mörgeli

    Mörgeli war ja im Abschreiben sicher nicht besonders gut - darum liess er dies auch andere machen für den Doktortitel! Wann haben Mörgeli und Blocher schon fair und ehrlich argumentiert? Wann hören wir endlich nichts mehr von dieser Misere-Partei

  • J. Meyer am 16.04.2013 21:36 Report Diesen Beitrag melden

    Politisches Kalkül

    Das kriminelle Asylanten ein Problem sind, dürfte klar sein. Doch Kriminalität bezieht sich nicht nur auf Asylanten, sondern auf alle Gesellschaftsschichten. Doch damit lässt sich wenig Politik machen, wie mit aktuellen Zahlen. Also "verbessert" man diese Zahlen, um so besser politisieren zu können, was Stimmen einbringt. Genau wie bei der IV oder anderen Sozialwerken, Themen erreichte man hier nur die Durchsetzung einer Ideologie, nicht jedoch die Lösung des Themas u schürt nebenbei noch Hass u Niedertracht.

  • Christian Merz am 15.04.2013 17:07 Report Diesen Beitrag melden

    SVP - Leider neben den Schuhen

    Die SVP ist in bzgl. der Soziabilität eine absolute Schwachnummer, hat aber das heisseste Politik-Eisen sozusagen als Soloprogramm gratis zur Eigenwerbung zur Verfügung. Schade, dass diese Partei-Exponenten beinahe unisono derart neben den Schuhen stehen. Denn, das Verhältnis CH -EU und die ganze Migrations-Ausländerpolitik inkl. Verrohung unserer Sitten und massiver Kriminalität, diese Themen an vordester Sorgenfront, bedürften intelligenter und sozial kompatibler Streiter auf dem Politparkett - und hätten fraglos den grössten, erwünschten Erfolg bei gediegener Bearbeitung. Schade, schade.

  • Xoff Pardey am 15.04.2013 16:57 Report Diesen Beitrag melden

    Schmierentheater!

    Es ist ein himmeltrauriges Schmierentheater, was dieser Herr Mörgeli aufführt. Eigentlich dachte ich, der Peinlichkeiten können nicht mehr kommen, aber ich wurde eines Besseren belehrt. Die Peinlichkeitskreativität dieses Herrn ist schier grenzenlos! Vielleicht würde es sich für ihn auch einmal lohnen, richtig zuzuhören...dann hätte er wohl auch nicht die falschen Zahlen abgeschrieben (unter der hypothetischen Voraussetzung dass er überhaupt versteht, was da wie miteinander verrechnet werden muss...)

  • Patrick Lenhart am 15.04.2013 12:46 Report Diesen Beitrag melden

    Drehen und wenden den Cervelat

    Lustig finde ich auch wie Hr.Mörgeli kürzlich in einem Interview mit dem Tagesanzeiger sagt die SVP wäre eine Minderheit. Sonst ist es doch auch immer eine Mehrheit ? Gerade der Herr dreht sich die Realität oft so wie er es gerade braucht - so zumindest könnte man das meinen.