Cybermobbing

15. November 2018 05:40; Akt: 15.11.2018 10:25 Print

Schweizer Schüler haben Albträume wegen Momo

Die Gruselfigur Momo verängstigt und belästigt seit Monaten Leute per Whatsapp. Es sei wichtig, die Ängste der Schüler ernst zu nehmen, finden Experten.

Unter jungen Passanten ist die Gruselfigur Momo in aller Munde, wie eine Strassenumfrage zeigt. (Video: jk/bz)
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Die kleine Tochter von Leserin S.B.* konnte während der letzten Tage nicht mehr richtig schlafen. Der Grund der Angst der 8-Jährigen: die Gruselfigur Momo. Von dieser hatte sie auf dem Pausenplatz durch ältere Schüler erfahren. «Meine Tochter besitzt noch kein Mobiltelefon, aber Momo wurde derart zum Thema, dass schliesslich die Lehrperson mit der ganzen 2. Klasse über das Problem sprach», sagt die Mutter. Mehrere Schüler der Zürcher Primarschule hätten nicht mehr alleine schlafen wollen und sich sehr vor Momo gefürchtet. «Ich bin froh, dass die Schule reagiert hat», so S.B.*.

Umfrage
Wie gehst du mit solchen drohenden Kettenbriefen um?

Eine nicht repräsentative Umfrage von 20 Minuten zeigt, dass die Furcht vor der Gruselfigur unter Schülern weit verbreitet ist. Mila (10), Ella (11) und Lou (11) sprechen von der «gruseligen Frau mit den grossen Augen». Mila fragt sich, was dahintersteckt: «Die Figur ist unheimlich. Ich habe keine Ahnung, um wen es sich in Wirklichkeit handelt.» Die Schülerin, die anonym bleiben möchte, hat einen Kollegen, der sich einen Spass daraus machte, sich per Whatsapp selber als Momo auszugeben: «Er wählte Momo als Profilbild und schrieb mich und andere an. Das ist eigentlich völliger Blödsinn.»

Kettenbrief kursiert unter Jugendlichen

Soraja (13) hat keine Angst vor Momo: «Ja, ich erhielt eine solche Whatsapp-Nachricht. Einige meiner Freunde fürchten sich vor Momo und konnten deswegen nicht mehr schlafen. Einmal kam ein Kettenbrief, in dem stand, dass Momo in der Ecke stehe und einen umbringe, wenn man die Nachricht nicht an eine bestimmte Anzahl Leute weiterleite.» Sie habe dennoch alles einfach gelöscht.

Im deutschsprachigen Raum kursiert seit einigen Wochen ein Whatsapp-Kettenbrief mit Momo als angeblichem Absender. Darin outet sich die Gruselfigur als Mädchen, das vor 3 Jahren von einem Auto überfahren wurde und ums Leben kam. Momo droht dem Kettenbriefempfänger damit, dass sie um Mitternacht in dessen Zimmer stehen werde, sofern er die Nachricht nicht an 15 Kontakte weiterleite. Zahlreiche Youtuber haben Videos veröffentlicht, in denen sie ebenfalls per Whatsapp Kontakt mit Momo aufnehmen.

Zuletzt sorgte die sogenannte Momo-Challenge für traurige Schlagzeilen. Unter Momos Namen werden weltweit Jugendliche dazu aufgefordert, sich bestimmten Aufgaben zu stellen. Laut internationalen Medienberichten trieben diese Aufgaben einen 14-jährigen Franzosen in den Tod.

Ängste der Schüler ernst nehmen

Franziska Peterhans, Zentralsekretärin des Dachverbands Lehrerinnen und Lehrer Schweiz, sagt, dass die Kettenbriefe und Videos, die unter Momos Namen auftauchen, eine weitere Form von Cybermobbing darstellen würden. «Die Ängste der Kinder müssen unbedingt ernst genommen und besprochen werden. Die Schüler müssen verstehen, dass sie immer mit Erwachsenen
sprechen sollen, wenn sie online auf etwas stossen, was Unbehagen auslöst.» Es sei wichtig, den angemessenen Umgang mit digitalen Geräten sowie deren Inhalten früh zu thematisieren, privat wie auch in der Schule. Dass eine Thematik wie Momo in der Schule angesprochen wird, findet Peterhans richtig.

Alfred Felix, Leiter der Stadtzürcher Fachstelle für Gewaltprävention (FfG), findet die Prävention und Thematisierung von potenziell gefährlichen Kettenbriefen wichtig, aber: «Beim Momo-Phänomen sind wir eher unsicher. Bisher sind wenige Schulanfragen an uns gelangt.» Schüler seien untereinander grundsätzlich gut vernetzt und informiert, was zu einer wichtigen Aufklärung in der Peergroup führe, so Felix.

Was kann man tun?

Laut Felix sollte Prävention in der Schule nicht auf einzelne Phänomene wie Momo reduziert werden. Es müsse allgemein klargestellt werden, dass soziale Netzwerke missbräuchlich genutzt werden können. Aufklärung brauche es zudem auch bei den Eltern. Diese sollten mit ihren Kindern über WhatsApp-Nachrichten und über Kettenbriefe sprechen. «Sollte es zu einer Kontaktaufnahme kommen, nicht antworten, den Kontakt sperren und sich an eine Vertrauensperson oder bei konkreter Drohung direkt an die Polizei wenden.»

(jk/bz)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • MRNICEGUYX7 am 15.11.2018 06:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Eigene Nase fassen

    Beängstigend finde ich ehr das 11 Jährige schon im besitzt eines Smartphones sind, geschweige denn das Internet nutzen können.

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  • Kastrat am 15.11.2018 07:59 Report Diesen Beitrag melden

    Grundsatzfrage

    Es ist schon stossend genug, dass man Kinder mit Handys ausstattet - sorry, für was sollen 10-jährige Kinder mit Mobiltelefonen haben - super Vorbereitung fürs Leben! Arm! Klar gibt es Situationen, in dem das Handy für Kinder Vorteile hat, aber als fester Bestandteil - no way!!

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  • RentABrain am 15.11.2018 12:51 Report Diesen Beitrag melden

    Smartphone ab 18

    Ich bin so froh, durfte ich und meine Generation noch ohne diesen Quatsch von Smartphones aufwachsen. Klar, wir haben auch viel Zeit an Konsolen und PC's verbracht, aber im Gross und Ganzen war das im Schnitt ein Bruchteil dessen, was die heutige Jugend am Smartphone hängt. Nur schon der ganze Social-Stress. Ich beneide niemanden der heute aufwächst! Digitale Zeit ist verlorene Zeit.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Cyber stop am 15.11.2018 20:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Auflösung MOMO

    An die Eltern und Schüler Zur aufklärung MOMO ist ein Karakter aus einem Japanischen Horror Film. Dieser Karakter gibts nicht in echt. Dies es Foto stammt aus dem photo schop eine Japanerin/ japaner lies sich Fotografieren dan wurde das Bild im Foto shop de Formiert deshalb wirk das Bild Realistisch. Also wenn ihr dies bekommt löschen und gut ist es. Die Sprachnachrichten wurden von einem Audio Programm gemacht. Somit konnte die Stimme verstelt werden.

  • Rohmaterial am 15.11.2018 19:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wichtig ist...

    Dass es Alessio gut geht

  • Winnerin am 15.11.2018 19:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Threema, Telegramm und co sind besser

    Daumen hoch wer kein WhatsApp hat :-)

  • Mech am 15.11.2018 18:52 Report Diesen Beitrag melden

    Naja

    Erstens gabs das früher aucg nur hatten nicht so viele angst da sie mit horror aufgewachsen sind film etc. Zweitens vor 12jahreb sollte kein Kind ein handy haben und dan sicher kein Smartphone

  • Nationless am 15.11.2018 18:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Momo ist harmlos

    Was haben alle gegen Momo? Ist doch niedlich, witzig und lustig wie ein Clown. Vielleicht sollte Momo noch Zähne und eine Clownnase zeigen, dann wird es lustig. Vielleicht sollte ich in eine Primarschule eindringen und im WC Momokleber anbringen. Die Kinder getrauen sich dann nie mehr ohne Begleitung aufs Klo und bekommen noch Albträume von Momo.