Vorwürfe prallten ab

15. Dezember 2015 15:23; Akt: 16.12.2015 07:44 Print

Moschee-Chef liess Schawinski auflaufen

Atef Sahnoun, Vorsteher der umstrittenen Winterthurer An'Nur-Moschee, stellte sich den Fragen von Roger Schawinski. Doch Antworten lieferte er kaum.

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In der gestrigen SRF-Talksendung «Schawinski» trat Atef Sahnoun, der Präsident der Winterthurer An'Nur-Moschee als Gast auf – zum ersten Mal stellte er sich in einer Live-TV-Sendung den Vorwürfen rund um die Jihad-Rekrutierungen in seiner Moschee. Roger Schawinski hatte sich gut vorbereitet und verfügte offenbar über Insiderinformationen, deren Quelle nicht bekannt ist. So sagte er, er wisse von zwei 16-Jährigen, die auf dem Sprung nach Syrien seien.

Acht Jihad-Reisende aus Winterthur

Nach einer ersten harmlosen Frage zu Sahnouns Person sprach Schawinski die acht Jihad-Reisenden aus Winterthur an, die angeblich in der An'Nur-Moschee verkehrten. Von Sahnoun wollte er wissen: «Wie viele von ihnen kennen oder kannten Sie persönlich?»

Über diese Frage schien Sahnoun zuerst nachdenken zu müssen. Antwortete dann aber: «Drei.» Schawinski zeigte ein Bild von Jihadist Sandro und fragte: «Ich habe gehört, dass er das für den IS übliche Gebet, das Itikaf, in Ihrer Moschee gemacht hat, dreizehn Tage bevor er gegangen ist. Stimmt das?»

Viele Vorwürfe

Sahnoun verneinte diese Frage zwar, indem er behauptete, in seiner Moschee dürfe man nicht übernachten. Ausser während des Ramadan. Schawinski schien es aber besser zu wissen. Er spielte darauf an, dass solche Übernachtungen auch sonst stattfinden. Später ging er noch weiter und nannte diese Übernachtungen eine ideale Möglichkeit, um Leute zu rekrutieren.

Während der Sendung trug Schawinski weitere Vorwürfe vor. Auf die meisten ging Sahnoun nur flüchtig ein. Beispielsweise fragte Schawinski nach den Sunna-Lektionen in den abgeschlossenen Räumen. «Die finden vor allen Leuten statt, aber ich kann nicht alle hundert Mitglieder überwachen», wehrte sich Sahnoun.

Beschränkte Verantwortung

Weiter fragte Schawinski nach IS-Köpfungsvideos, die angeblich in der An'Nur-Moschee herumgezeigt werden. Auch hier distanzierte sich Sahnoun, indem er die Zahl seiner Mitglieder erwähnte und darauf hinwies, dass es unmöglich sei, jeden Einzelnen zu beobachten.

Schawinski konfrontierte Sahnoun daraufhin mit einer früheren Aussage, dass es nicht seine Aufgabe sei herauszufinden, wie und von wem die Jugendlichen radikalisiert würden. Laut Schawinski ist Sahnoun in der Moschee der Hausherr und sollte im Bilde sein darüber, was dort vorgeht. Sahnoun könne die Verantwortung nicht einfach abgeben. Woraufhin Sahnoun entgegenhielt, seine Zuständigkeit beschränke sich auf die 700 Quadratmeter innerhalb der Moschee.

IS-Lieder in der Tiefgarage

Auch behauptete Schawinski, dass sich jugendliche Mitglieder in der Tiefgarage versammelten und IS-Lieder wie «Bagdad, wir kommen bald» singen würden. Sahnoun ging nicht darauf ein. Er gab nur an, dass die Tiefgarage nicht zur Moschee gehöre und er und seine Mitarbeiter keinen Schlüssel hätten.

Während der Sendung schienen sich die beiden nur in einem Punkt einig zu sein und zwar darin, dass Valdet Gashi für die Rekrutierung der Jihad-Reisenden verantwortlich war.

Wer sich aber von der gestrigen Sendung Antworten erhofft hatte, wurde enttäuscht. Schawinski fasste das am Ende der Sendung so zusammen: «Sie wollen nicht herausfinden, was wirklich bei Ihnen läuft. Gewisse Sachen wollen Sie nicht wissen, können Sie nicht wissen.»

(qll)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Heinz am 15.12.2015 15:28 Report Diesen Beitrag melden

    ein plauderi

    Der Herr wich jeder Frage aus. Immer die gleiche Antwort: Ich weiss es nicht. Einer mehr der eigentlich viel mehr weiss, zuviel akzeptiert und die Schweiz schaut einfach zu, bis es irgendwann knallt.

  • Helvetier am 15.12.2015 15:33 Report Diesen Beitrag melden

    Unwissen?....

    Keine Antworten sind auch Antworten, denn stille Wasser sind gründen tief.

    einklappen einklappen
  • Nanotoe27 am 15.12.2015 16:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Peinlich

    Schawinski hat ein gutes Interview geführt, aber der Präsident von der Al Nur Moschee hat sich immer schön rausgeredet, dass er nicht jeden einzelnen bewachen kann. Er macht einen riesen Gewinn wenn durch seine Moschee Jugendliche radikalisiert werden!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Vöögi am 15.12.2015 18:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nicht geheuer

    Der Herr weichte einfach immer den Fragen aus und stellte sich unwissend. Der scheint mir sehr intelligent, aber der weiss mehr als man denkt.

  • Kral am 15.12.2015 16:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Oje..

    Ich bin selber Moslem und ging einige Zeit in Moschee bis ich das Grundwissen hatte. Meines Wissens nach kann es nicht sein dass der Präsident von Moschee oder wer auch immer nicht wissen kann was alles in der Moschee abläuft. Dass sind Faule ausreden, da stimmt wirklich etwas nicht mit dieser Moschee. Da hilft nur eins, MOSCHEE SCHLIESSEN! Wenn dass nicht weiterhilft dann soll jede Moschee von irgendein Amt wo es noch nicht gibt immer unter kontrolliert werden.

  • Lucie Santschii am 15.12.2015 16:24 Report Diesen Beitrag melden

    Frage...

    Stellt er sich eigentlich immer nur Leuten, gegen die er sowieso keinen Stich hat? Scheint wohl seine Leidenschaft zu sein... Armer Kerl...

  • Knecht Ruprecht am 15.12.2015 16:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Klar

    Ich erinnere mich noch als Nicolas Blancho bei Schawinski war. Er wich den Fragen auch immer aus. Für mich ähnliche Typen.

  • Stephan Meyer am 15.12.2015 16:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mediale Aufmerksamkeit

    Es hat grosse Vorteile zu wissen, welchen Ort man überwachen muss (und kann). Richtet man den medialen Scheinwerfer zu stark auf diesen Ort, dann wird die Radikalisierung komplett im Verborgenen stattfinden und man weiss gar nicht mehr, wer beteiligt ist.