Wegen Aufruf zu Gewalt

16. Oktober 2019 20:55; Akt: 17.10.2019 10:47 Print

Moscheen sollen ab sofort alle Predigten filmen

Ein Imam wird verdächtigt, zu Gewalt gegen Frauen aufgerufen zu haben. Predigten in muslimischen Gebetshäusern sollen daher gefilmt und die Aufnahmen archiviert werden.

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Der Vorwurf wiegt schwer: Der irakische Imam Abdulrahman O. (38) soll in einer Freitagspredigt in der Moschee Dar Assalam in Kriens LU zu Gewalt gegen Frauen aufgerufen haben. Männer sollen «widerspenstige Frauen» mit «leichten Schlägen» disziplinieren, berichtete die «SonntagsZeitung». Die Luzerner Staatsanwaltschaft hat gegen den Imam eine Untersuchung eingeleitet. Es gilt die Unschuldsvermutung (20 Minuten berichtete).

Gestern teilte der Moscheeverein Dar Assalam mit, dass sie den Imam per sofort freistellt. Per Inserat sei man bereits auf der Suche nach einem Nachfolger. Diese gestalte sich aber schwierig, da in der Schweiz keine Imame ausgebildet werden, sagt Petrit Alimi, der Präsident der Islamischen Gemeinde Luzern (IGL).

«Aufnahmen ein Jahr aufbewahren»

Damit sich ein Vorfall wie jener mit dem Imam nicht wiederholt, empfehle man den Moscheen als Sofortmassnahme, die Predigten der Imame zu filmen und die Aufnahmen für mindestens ein Jahr aufzubewahren, sagt Alimi.

Es handle sich um eine Empfehlung, nicht aber um eine Richtlinie. Die Moschee Dar Assalam werde die Massnahme jedoch ab sofort umsetzen. «Besser wäre es, wenn der Imam auf Deutsch predigen würde, dann wäre es nämlich transparent und man bräuchte keine Dolmetscher mehr.»

Einige Moscheen filmen bereits

Die Föderation islamischer Dachorganisationen Schweiz (Fids) unterstützt den Vorschlag, die Predigten zu filmen. «Ja, verschiedene Moscheen machen Ton- und oder Bildaufnahmen ihrer Predigten», sagt Sprecher Pascal Gemperli.

Anschuldigungen würden sich dadurch relativ leicht entkräften lassen. Gemperli: «Die Massnahme können in gewissen Fällen nützlich sein. Die rechtliche Lage müsste geprüft werden und es generiert zusätzliche Kosten.» Durch die Aufnahmen besteht laut Gemperli aber die Gefahr, dass die Imame unter Generalverdacht gestellt werden. Er sagt: «Man muss aufpassen, dass die Imame die Aufnahmen nicht als Dauerüberwachung missverstehen würden.»

(dk)