Untersuchung gefordert

26. Juli 2017 07:45; Akt: 26.07.2017 07:45 Print

Motorsägen-Angriff wird Fall für die Politik

Obwohl Franz Wrousis Menschen mehrfach bedroht hat, sah offenbar niemand Handlungsbedarf. Politiker üben Kritik und fordern Klarheit.

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In den Wochen vor der Tat vom 24. Juli 2017 in Schaffhausen wurde Franz Wrousis mehrfach von der Polizei kontrolliert. So auch am 29. Juni 2017 von der Stadtpolizei Bülach am örtlichen Bahnhof. Grund für diese Kontrolle sei eine «verdächtige Situation» gewesen. Worin der Verdacht bestand, geht aus den Aufzeichnungen der Polizei nicht hervor. Nach dieser «Routinekontrolle» habe man Worusis wieder gehen lassen, heisst es bei der Stapo. Laut einem Leser-Reporter hatte Wrousis während der Kontrolle in Bülach seine Motorsäge bei sich. Umgebung von Schaffhausen: Beamte der Kantonspolizei Zürich machen sich für den Einsatz bereit. Ein Helikopter kreist über dem Einsatzgebiet. Der Täter ist noch flüchtig: Die Polizei hat neue Fahndungsfotos von Franz W. veröffentlicht. Franz W. ist international zur Verhaftung ausgeschrieben. Der Täter ist flüchtig und mit einer Motorsäge bewaffnet. Die Polizei stuft ihn als gefährlich ein und warnt vor dem Mann. Wo ist der Motorsägen-Angreifer von Schaffhausen? Ein Polizeibeamter überquert die Strasse mit einem Spürhund in Uhwiesen ZH. Die Fahndung wird bei strömendem Regen fortgesetzt. Hier hatte der Angreifer offenbar zuletzt gelebt: Einsatzkräfte suchen den Wald in Uhwiesen ZH nach dem mutmasslichen Täter ab. (24. Juli 2017) Einsatzkräfte schleppen den Wagen des mutmasslichen Täters ab. Die Polizei ist teilweise schwer bewaffnet und mit Schutzwesten ausgerüstet. Die Kontrollschilder des Wagens hatte die Polizei entfernt und eine Mitteilung auf der Frontscheibe hinterlassen: «Bitte dringend um Rückruf.» Gezielter Angriff auf eine Krankenkasse: Polizist überwacht abgesperrtes Areal in Schaffhausen. Das Gebiet wurde grossräumig abgesperrt, Läden und Häuser wurden evakuiert. Der Täter hat Mitarbeiter der CSS-Krankenkasse angegriffen: Polizisten tragen eine Absperrung in der Schaffhauser Altstadt. Mitglieder einer Sondereinheit der Polizei im Einsatz in der Vorstadt in Schaffhausen. In unmittelbarer Nähe befinden sich auch ein Büro der Helvetia-Versicherungen und Filialen von McDonald's und der Weltbild-Buchhandlung. Die Fahndung läuft: Schwer bewaffnete Polizisten riegeln die Altstadt ab. Der Täter hat mehrere Menschen mit einer Motorsäge angegriffen. Mediensprecherin Cindy Beer informiert Medienschaffende vor Ort. Die Polizei hat die Altstadt von Schaffhausen grossräumig abgeriegelt. Polizisten hatten einen Mann überwältigt, bei dem es sich aber nicht um den Täter handelte. Der Angriff erfolgte in einem Büro der Krankenversicherung CSS in der Vorstadt. Laut einem Leserreporter waren drei Polizei- und ein Sanitätswagen in der Nähe des Tatorts. Augenzeugen sagen, die Einsatzkräfte hätten eine Person auf einer Bahre weggetragen: Polizei- und Krankenwagen. Die Polizei hat Teile der Altstadt abgesperrt. Die Behörden sprechen von einer Sonderlage. Polizisten bewachen die Absperrungen. Fünf Menschen wurden verletzt, zwei davon schwer: Die Rega hatte zwei Helikopter im Einsatz. Blick über die Schaffhauser Altstadt und auf die Kirche St. Johann.

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Franz Wrousis (51) war auch vor seiner Tat kein unbeschriebenes Blatt. In den Kantonen Bern und Luzern war er wegen Verstössen gegen das Waffengesetz vorbestraft. Ausserdem wurde er in den letzten Wochen von mehreren Personen bei der Kantonspolizei Zürich gemeldet, weil sie von Wrousis im Wald beleidigt und verbal attackiert worden waren.

Auch die Stadtpolizei Bülach hat Wrousis Ende Juni kontrolliert – aufgrund einer «verdächtigen Situation», wie Polizeichef Attila Uysal sagt. Worin der Verdacht bestand, gehe aus den Aufzeichnungen nicht hervor. Laut einem Leser, der die Kontrolle beobachtete, hatte Wrousis seine Motorsäge dabei. Gemäss Uysal gab es jedoch keinen Grund, Wrousis festzuhalten: «Es war eine Routinekontrolle.» Bei der Kapo Zürich heisst es, man habe den Mann mehrfach kontrolliert. Dabei habe man keine Hinweise auf eine Selbst- oder Fremdgefährdung festgestellt und daher keine weiteren Schritte unternommen.

«Der Fall muss untersucht werden»

«Dass die zuständigen Behörden, also die Polizei und die Kinder- und Erwachsenenschutzbehörde Kesb, den offenbar obdachlosen Wrousis so verwahrlost geduldet haben, ist mir unverständlich», sagt Ralph Aschwanden, forensischer Psychiater und Amtsarzt im Kanton St. Gallen. Wenn jemand so lange allein im Wald lebe, dann sollte man ihn zumindest für eine Einschätzung beim Amtsarzt vorstellen.

Für Isabel Bartal, Zürcher SP-Kantonsrätin und Mitglied der Kommission für öffentliche Sicherheit, ist klar: «Der Fall muss intern untersucht werden, um zu prüfen, ob die Polizei korrekt gehandelt hat. Auch in der Kommission werden wir den Fall noch genauer unter die Lupe nehmen.» Man dürfe die Polizei aber nicht vorverurteilen: «Im Nachhinein ist man immer schlauer.» Die Polizei habe die Person kontrolliert und kein Risiko festgestellt. Sie dürfe schliesslich nicht einfach so Leute einsperren.

SVP-Nationalrat Mauro Tuena dagegen findet: Spätestens nach den Drohungen hätte die Polizei Wrousis zumindest für eine Nacht in eine Zelle stecken müssen, um ihm «die Grenzen aufzuzeigen». Es könne doch nicht sein, dass Spaziergänger im Wald bedroht würden und nichts unternommen werde. Ausserdem müssten die Behörden in einem solch krassen Fall die Kesb informieren. CVP-Nationalrat Alois Gmür pflichtet bei: «Hier hat die Polizei die Situation falsch eingeschätzt und zu wenig Voraussicht gezeigt.» Genau für solche Fälle gebe es die Kesb.

Wrousis war der Kesb im Kanton Zürich nicht bekannt

Diese wurde im konkreten Fall aber nicht eingeschaltet. «Franz Wrousis ist uns nicht bekannt», sagt Karin Fischer, Präsidentin der Kesb Winterthur-Andelfingen, die für Uhwiesen ZH zuständig ist. Dort hielt sich Wrousis in den Wochen vor der Tat im Wald auf. Grundsätzlich gelte, dass jede Person gemäss dem Zivilgesetz das Recht habe, einen hilfsbedürftigen Menschen der Kesb zu melden. So auch die Polizei.

Von 2013 bis 2014 lebte Wrousis in Burgdorf BE. Dort wurde er von einem aufmerksamen Nachbarn den Behörden gemeldet. «Der Mann wirkte psychisch angeschlagen», sagt der ehemalige Nachbar zu 20 Minuten. «Er schien sich immer beobachtet zu fühlen. Mir erklärte er, er habe eine Hirnverletzung erlitten.» Weil er sich Sorgen um den Mann gemacht habe, habe er die Behörden informiert und darum gebeten, sich Wrousis einmal anzusehen. Ob dies geschehen ist, ist unklar. Bei der Kesb Emmental, die für Burgdorf zuständig ist, heisst es auf Anfrage, man dürfe dazu aus Gründen des Datenschutzes keine Angaben machen.

Zumindest im Kanton Luzern befassten sich die Behörden im Wrosusis: Das illegale Elektroschockgerät wurde bei ihm im Rahmen einer fürsorgerischen Unterbringung entdeckt, wie der «Tages-Anzeiger» berichtet.

(lüs/jen/asc/dp)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Melvin am 26.07.2017 08:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schwarzer Peter

    Bravo liebe Politiker! Verhaftet die Polizei eine Person zwecks fürsorgerischer Unterbringung, schreits von überall her es sei unverhältnismässig, man könne doch nicht einfach so jemanden einsperren etc. Tut sie es nicht und es passiert wie in diesem (einzel)Fall leider etwas, sind plötzlich alle Politiker Experten, und los geht das Theater...

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  • Pius Kraft am 26.07.2017 07:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    KESB

    Die Kesb war wahrscheinlich gerade damit beschäftigt, "zur Sicherheit" Familien auseinander zu reissen.

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  • Al Z. am 26.07.2017 07:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Seltsam

    Und nun schreien gewisse Politiker wieder nach der KESB, Monate zuvor aber in allen Belangen schwer kritisiert! Was nun eigentlich?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Frauenversteher am 26.07.2017 12:42 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht schön so etwas

    Es wäre nun mal interessant, was eigentlich von Beginn an mit Herr Wrousis passiert ist. Warum er im Wald lebte und ob er schon immer so war. Ganz klar soll er das Verantworten, was er nun angerichtet hat. Aber ich traue unserer Gesellschaft auch nicht mehr so wie früher und könnte vermuten, dass er auch nur ein Opfer unserer Gesellschaft geworden ist. Und da wäre eigentlich Handlungsbedarf um so was zukünftig besser zu verhindern. Wird aber schwierig, die Wahrheit heraus zufinden wenn er keine Angehörigen hat.

  • Was nun am 26.07.2017 12:39 Report Diesen Beitrag melden

    Psychische Krankheit

    Die psychische Krankheit könnte auch eine Folge der Hirnverletzung nach dem Autounfall sein. Offensichtlich hat man in seinem Fall nicht richtig reagiert. Verkehrstote und Verletzte durch den Strassenverkehr sind auch gesellschaftlich akzeptiert. Ist schon ironisch, dass es bei ihm wahrscheinlich von einem Verkehrsunfall kommt. Der hohe Stellenwert der Freiheit in unserer Gesellschaft schliesst auch die Mobilität ein. P.S.: Ich bin trotz mobbenden Arbeitskollegen nicht Amok gelaufen. Es laufen viele Mobber frei herum, die für Selbstmorde verantwortlich sind.

  • V. Denker am 26.07.2017 12:27 Report Diesen Beitrag melden

    Zwischen Stuhl und Bank Gefallene

    Vielleicht sollte man ein bedingungsloses Grundeinkommen für all diejenigen eingeführen, welche nach iv-ärztlicher Beurteilung für den Arbeitsmarkt rein theoretisch zu gesund sind, aber in der Realität trotzdem keinen existenzsichernden Job finden, weil sie aus Sicht der Arbeitgeber zu krank und schwach sind, um sich gegen die Konkurrenz unter den Arbeitssuchenden durchzusetzen.

  • Jessica am 26.07.2017 12:26 Report Diesen Beitrag melden

    Spitalreif

    In der Schweiz muss bei einer Bedrohung halt immer erst jemand im Spital landen, damit etwas in Gang gesetzt wird.

  • Es braucht mehr Gesetze liebe Politiker am 26.07.2017 12:22 Report Diesen Beitrag melden

    Wir brauchen nun unbedingt!

    ein Nationales Motorsägen Register zudem ist jede Motorsäge mit einem GPS-OrtungsSystem auszurüsten und jeder der eine Motorsägen Tragschein erhält muss unbedingt einen einwandfreien Leumund aufweisen und erhält die Bewilligung nur nach vorheriger Psychologischer Begutachtung.