Tot im Park in Yverdon

20. November 2018 12:13; Akt: 20.11.2018 12:21 Print

Musste Alan (21) sterben, weil Gras-Deal misslang?

Der in Yverdon VD erschossene Alan hatte die Matur im Sack und träumte von Indien. Laut Freunden dealte er aber mit Drogen.

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Alan (21) wurde am Samstagabend im Park «4 Marronniers» in Yverdon-les-Bains durch die Kugel einer Schusswaffe tödlich verletzt. Erste Untersuchungen der Polizei deuteten auf einen Zusammenhang mit Drogenkriminalität hin. Mehrere Freunde von Alan bestätigen nun gegenüber «24 heures», dass das Opfer illegale Aktivitäten verfolgte.

Nach dem Auszug aus dem Elternhaus vor acht Monaten habe er finanzielle Probleme bekommen und sich am Gymnasium Yverdon mittags nicht einmal mehr etwas zu essen kaufen können, berichtet ein langjähriger Freund. «Er versteckte es vor fast allen Leuten, aber ungefähr zu diesem Zeitpunkt begann er, mit Cannabis zu dealen.» Er habe es sattgehabt, anderen Leuten auf der Tasche zu liegen.

«Er war ein kleiner Fisch», so einer seiner Freunde aus dem Gymnasium. Er glaubt, dass Alan kurz vor seinem Tod hätte Kunden treffen sollen. «Er dealte mit Gras, weil er keine Wahl hatte. Sicher wollte jemand etwas klauen, was aber schiefging.»

Für andere Menschen, die Alan nahestanden, können trotz der Hinweise auf ein Drogendelikt nicht glauben, dass Alan gedealt haben soll. Doch auch sie können sich vorstellen, dass er angesichts seiner prekären Situation ein Doppelleben führte.

Sozial engagierter Mensch

Alan, der im letzten Sommer die Matur abschloss, war ein engagiertes Mitglied in lokalen Vereinen. Er war für das AlternatYv im Einsatz, ein Festival zugunsten der Umwelt und des Zusammenlebens. Auch war er im Verein Paires aktiv, der sich für die Integration von Flüchtlingen engagiert. Alan setzte sich sich mit Leib und Seele für die Dinge ein, die er für richtig hielt.

«Er war ein sehr ehrlicher, strahlender und rührender Mensch», sagt ein Mitglied des AlternatYv bestürzt. Er habe die Welt geliebt und von einer besseren Welt geträumt. «Sein Geist war immer voller Ideen. Die Momente mit ihm waren reich und wertvoll. Er war eine Quelle der Liebenswürdigkeit und Hoffnung.» Ein anderes Mitglied fügt an: «Er war immer für andere da. Aber am Ende wusste man nur sehr wenig über ihn – nur, dass er mit seiner Familie eine schwere Zeit durchlebte.» Alan sei ursprünglich Kurde gewesen. Seine Lebensweise habe seinen Eltern, zu denen er eine turbulente Beziehung geführt habe, nicht unbedingt gefallen.

«Er dealte mit Gras, weil er keine Wahl hatte»

Noch während des Gymnasiums zog Alan laut seinen Freunden aus dem Elternhaus aus. Der junge Mann habe immer wieder an anderen Orten übernachtet, je nach Verfügbarkeit seiner Freunde. «Er wollte nach Indien reisen», erzählt einer seiner Gastgeber. Alan habe immer grosse Ideen und Träume gehabt. «Er brauchte Menschen, die ihn auf den Boden der Realität zurückholten.»

Er habe ihm gesagt, dass er ein Dach über dem Kopf und eine Arbeit brauche, bevor er ans andere Ende der Welt reise, sagt der Freund. In den nächsten Tagen hätte Alan in der Nähe von Lausanne eine Arbeit begonnen und pro Monat 2500 Franken verdient.

(bz)