01. April 2005 12:18; Akt: 01.04.2005 12:20 Print

NEAT wird teurer und teurer

Die NEAT wird zwar nochmals teurer, ist aber im Urteil der Verantwortlichen auf Kurs.

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Am kommenden 28. April will Bundesrat Leuenberger mit rund 1.000 Gästen den Durchstich am Lötschberg feiern. Die Endkosten belaufen sich nach neusten Schätzungen auf 16,3 Milliarden Franken, 440 Millionen mehr als zuletzt ausgewiesen.

Der jüngste Standbericht zur NEAT bestätigt, was das Bundesamt für Verkehr (BAV) bereits im vergangenen Januar angekündigt hatte. Die mutmasslichen NEAT-Baukosten sind seit der letzten Berichterstattung nochmals um 440 Millionen Franken gestiegen und werden nun auf 16,3 Milliarden Franken geschätzt. Da vom Parlament bislang erst 15,6 Milliarden bewilligt wurden, besteht nach aktuellem Stand eine Lücke von 742 Millionen Franken.

Gründe für die erneute Korrektur sind vorab schwierige geologische Verhältnisse und die Bahntechnik. Am Gotthard, wo die geschätzten Kosten um 375 Millionen Franken stiegen, fallen vor allem das deutlich teurere Bauprojekt für die Bahnkosten und der schwierige Fels bei Faido und Bodio ins Gewicht. Im Lötschbergtunnel, der im Vergleich zur letzten Prognose um 75 Millionen teurer wird, wirkte unter anderem die Karbonzone Mitholz kostentreibend.

Die Verantwortlichen von BAV und Bauherrschaft beteuerten vor den Medien, die Kosten im Griff zu haben. «Die Kosten und Termine sind unter Kontrolle», sagte BAV-Vizedirektor Peter Testoni. Die Mehrkosten von nunmehr total 3,6 Milliarden Franken gegenüber dem Ausgangsprojekt seien erklärbar und zum grössten Teil auf Projektänderungen zurückzuführen.

Optimistisch zeigten sich BAV und Bauherren auch bezüglich der Terminplanung. Im Lötschberg fehlen laut Peter Teuscher von der BLS AlpTransit AG noch vier Meter bis zum Durchstich. Dieser wird am kommenden 28. April in Anwesenheit von Verkehrsminister Moritz Leuenberger und rund 1.000 geladenen Gästen gefeiert. Der Lötschbergtunnel soll dann plangemäss auf den Fahrplanwechsel 2007 den kommerziellen Betrieb aufnehmen. Im Gotthardbasistunnel stehen die Mineure kurz vor Halbzeit, Ende März waren 44 Prozent ausgehoben, die Eröffnung ist unverändert für 2015/2016 geplant.

Sowohl bezüglich Kosten wie auch bezüglich Termine bestehen indes Risiken, wie Testoni sagte. Das BAV geht derzeit davon aus, dass sich die Endkosten noch maximal um weitere 1,1 Milliarden erhöhen könnten, womit sie dann bei 17,4 Milliarden lägen. Für den kommerziellen Betrieb stellt unter anderem das automatische Zugsicherungssystem ECTS ein Risiko dar. Der Einbau der Technik in den Lötschbergtunnel sei auf Kurs, noch nicht sicher ist aber, ob die Lokomotiven rechtzeitig mit der neuen Technik ausgerüstet werden können.

BAV-Vizedirektor Testoni appellierte zum Schluss an die Beharrlichkeit, die für Grossprojekte wie die NEAT eine Kardinaltugend sei. Sie bestehe darin, Schwierigkeiten mit Ausdauer zu überwinden.

(ap)