Lebensmittelvergiftungen

09. August 2019 12:02; Akt: 09.08.2019 12:37 Print

Nach Massen-Durchfall trifft Armee Massnahmen

Die Schweizer Armee hatte in der letzten Zeit mit Durchfall-Problemen zu kämpfen. Nun wurden Sofortmassnahmen getroffen.

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In Jassbach im Emmental kommen Anfang Juli 43 Soldaten per Ambulanz oder Helikopter ins Spital. Der Grund: Schwerer Durchfall und Erbrechen. Vier befinden sich in kritischem Zustand. Es wird eine Quarantäne verhängt. In Sion VS haben 90 Soldaten Durchfallprobleme. Sie machen gerade die Militärpolizeischule. Der Grund für die Beschwerden ist nicht bekannt. Ein Virus als Ursache wird ausgeschlossen, dafür wird über verdorbenes Poulet als Auslöser spekuliert. Ein ehemaliger Rekrut kritisierte die Zustände in der dortigen Küche. «Dasselbe Poulet wurde uns dreimal hintereinander aufgetischt.» In Bière VD leiden 30 Soldaten unter Durchfall. Ursache ist offenbar ein kalter Salat, der zu warm geworden war. 73 Rekruten der Infanterie-Kompanie in Chur liegen flach. Sie leiden unter Magen-Darm-Beschwerden, Durchfall und Erbrechen. Die Rekruten werden unter Quarantäne gestellt, das Norovirus als Ursache ausgeschlossen. Der Truppenarzt geht aber von einem Infekt aus. In Zuchwil SO klagen 40 Rekruten über Magen-Darm-Beschwerden. Ein Armeeangehöriger muss ins Spital. Er hat das Norovirus. Die Magen-Darm-Grippe grassiert in der Rekrutenschule der Sanitäter in Airolo TI. Mindestens 50 Personen erkranken daran. 39 Angehörige der Flab-Rekrutenschule in Emmen leiden unter Brechdurchfall und Fieber. Ausgelöst wurden die Magen-Darm-Probleme durch Rotaviren. In der Kaserne Birmensdorf leiden 70 Angehörige der Infanterie-Durchdiener-RS unter Brechdurchfall. 15 Angehörige der ABC-Abwehrschule leiden an Durchfall und Erbrechen. Die Armee geht vom Norovirus als Ursache aus. Für die Hygiene in den Kasernenküchen sind die kantonalen Lebensmittelinspektoren zuständig. Sie können jederzeit während der Betriebszeiten der Küche Kontrollen durchführen. «Die Kontrollen erfolgen in der Regel unangemeldet», heisst es im Reglement «Lebensmittelhygiene in der Armee». Zusätzlich überwacht das Lebensmittel-Hygieneinspektorat der Armee die Küchen. Armee-Sprecherin Delphine Allemand erklärte 20 Minuten nach dem Vorfall in Jassbach, dass Mängel sofort behoben würden. «Fehlbare Personen können diszipliniarisch bestraft werden.»

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Im Juli 2019 waren in den Kasernen von Jassbach, Bière und Sion Armeeangehörige von Durchfall und Erbrechen betroffen. Die Militärjustiz hat daraufhin Untersuchungen eingeleitet. Diese sind noch im Gange.

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Wie es in einer Mitteilung vom Freitag heisst, hat die Armee zur Vermeidung weiterer Fälle bereits jetzt Massnahmen getroffen. Bei hohen äusseren Temperaturen bestehe Handlungsbedarf. Ab sofort sollen deshalb Speisen bei Hitze nicht mehr aufgewärmt werden. Zudem wurden Desinfektionsmassnahmen und vermehrte Kontrollen angeordnet.

Zusätzlich werde im Grundausbildungsdienst ein vertiefter Fokus auf die Kenntnisse im Bereich der Wareneingangskontrollen, der Kochtemperaturen und des Abkühlungsprozesses gelegt. Grundsätzlich sei die Hygiene in den Truppenküchen jedoch gut bis sehr gut, hält der Leiter Lebensmittelsicherheit der Armee fest.

Ungewöhnliche Häufung

Im Juli kam es zu einer ungewöhnlichen Häufung von Magen-Darm-Fällen bei der Schweizer Armee. So kamen Anfang des Monats 43 Soldaten in Jassbach im Emmental mit schwerem Durchfall und Erbrechen ins Spital. Vier befanden sich zeitweise in kritischem Zustand. Schuld war ein mit Bakterien belasteter Nudelsalat.

Und auch in Bière VD litten 30 Soldaten unter Durchfall. Dort war ein verdorbener, fertig eingekaufter Salat der Auslöser für die Krankheit. Der Lieferant habe seine Hygieneprozesse nun überprüft und korrigiert, heisst es in der Mitteilung vom Freitag. In Sion war die Verkeimung des Wassers in einem Reinigungsschlauch der Küche die Ursache für den Massendurchfall.

(mon)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Gratis Arzt-Tipp am 09.08.2019 12:24 Report Diesen Beitrag melden

    Geister Durchfall gibts auch

    Nicht nur die Armee sollte Massnahmen treffen... sondern im Sommer auch Newsportale. Sonst haben wir nächstes Jahr nur noch Durchfall mit Krokodilen, Fabelwesen und weiteren Fantasien von leicht gestörten Schreibern.

  • LikeZone am 09.08.2019 12:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unnötig.

    Sobald es um die Armee geht ist alles Negative gross in den Schlagzeilen. Aber wenn rauskommt, dass die Armee keine Schuld trifft (wie bei dem Fall in Bière), so wird dies mit einem kleinen Satz am Ende eines Artikels abgefertigt. Wo bleiben die Headlines? ... Stimmt, gibt ja zu wenig Klicks.

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  • Soldat scheisst sich in die Hosen am 09.08.2019 12:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bure Inf mont 7

    Bin gerade im Wk. in Bure bei der 7/3 und wir haben das selbe Problem. Ich denke es liegt eher an der Hygiene in der Küche und des Personals. Augen zu und durch!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Andreas Amport am 09.08.2019 22:54 Report Diesen Beitrag melden

    Unhygienisch!!

    Ja das Problem ist eigentlich ganz einfach! Händewaschen und Hygiene in der Küche!!! Es gibt halt immer noch eine Menge Leute die Söiniggle sind! Ich selbst war Kanonier- Wachtmeister, wir hatten im WK einen gelernter Koch in der Küche, was man aber sehr gut merkte! Heute hat ja jeder das Gefühl in jeder Ecke überfordert zu sein! Beim zubereiten von Mahlzeiten braucht man halt nicht nur unmotivierte Leute sondern Verantwortungsvolle gut Ausgebildete mit EFZ als Küchenchef!!

  • Reo am 09.08.2019 20:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verschwendung

    Reine verschwendung von Nahrungsmittel. Wir haben im Militär (Kloten) auch paarmal/immer Reste gegessen, das ist auch gut so. Lieber essen als wegschmeissen. Auf die Aufbehwarung und die Hygiene kommt es drauf an!

  • K0chenchef Wm Retired am 09.08.2019 19:37 Report Diesen Beitrag melden

    War immer Pouletfleisch die Ursache?

    Jeder gelernte Koch weiss, dass Pouletfleisch besonders heikel ist. Kühlkette einhalten! In den 70er und 80er Jahren mussten wir laut OKK vom totalen Fleischangebot 90% Kuhfleisch verwenden. Kochzeit 2-4 Std. Keine gesundheitlichen Probleme bekannt!

  • Chris SG am 09.08.2019 18:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Jommeris

    Das gab es auch schon in den 80er. Nur...damals gab es noch nicht gross Internet, wo man es an die grosse Glocke hätte hängen können. Wir hatten auch Durchfall und assen rückwärts und haben überlebt...ohne Medien. ;)

  • Küsche am 09.08.2019 18:14 Report Diesen Beitrag melden

    Kann passieren, zum Glück nur Durchfall

    Salat ist immer problematisch bei der Hitze. Ein Problem ist sicher auch, dass früher eigentlich ausschliesslich Profis aus dem Gastrobereich in der Truppenküche Dienst taten, was heute leider nicht mehr so ist. Die Truppe hat eigentlich in der Küche nichts verloren. Oft fehlt auch die Infrastruktur (z. B. Kühlräume) um die Speisen fachgerecht zu lagern.