Online-Tool Snow Control

01. Januar 2016 17:20; Akt: 01.01.2016 17:20 Print

Nach den Festtagen wollen viele Kokser aufhören

Ein Schweizer Online-Tool hilft Kokainkonsumenten, weniger zur Droge zu greifen. Anfang Jahr wollen besonders viele diesen Vorsatz umsetzen.

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Das Online-Angebot Snow Control hilft Konsumenten, ihren Kokainkonsum zu reduzieren. Die Zahl der Neuanmeldungen für das Tool steigt jeweils Anfang des Jahres deutlich an. Michael Schaub vom Schweizer Institut für Sucht- und Gesundheitsforschung in Zürich, das Snow Control entwickelt hat: «Es ist ähnlich wie beim Rauchen – viele Kokainkonsumenten nehmen sich fürs neue Jahr den Vorsatz, endlich aufzuhören.» Manche würden darin auch durch Ereignisse während der Festtage bestärkt: «Sie erkennen an den Feiern rund um Weihnachten, dass ihr Drogenkonsum nicht familienverträglich ist – da kann man ja nicht ständig auf die Toilette verschwinden.»

Umfrage
Haben Sie sich für das neue Jahr vorgenommen, Ihren Drogenkonsum zu reduzieren?
15 %
10 %
58 %
17 %
Insgesamt 5904 Teilnehmer

Rund 400 Personen haben das Online-Tool in den letzten fünf Jahren genutzt, die meisten davon mit Erfolg: Ihnen gelang es, die Konsumziele zu erreichen, die sie sich mit Hilfe des Tools setzen können. Bevor sie Snow Control nutzten, hatten die im Schnitt 34 Jahre alten Teilnehmer an zwei bis drei Tagen der Woche Kokain konsumiert, im Schnitt ein halbes bis ein ganzes Gramm pro Konsumtag – und dies durchschnittlich seit sieben Jahren. «Es gab aber auch solche mit einem Konsum von 10 Gramm oder mehr in der Woche», so Schaub. Mehr als zwei Drittel der Teilnehmer sind männlich. Schaub: «Das widerspiegelt die Realität – Männer konsumieren öfter Kokain als Frauen.»

Private und berufliche Probleme

Von den bisherigen Teilnehmern weiss der Experte auch, was die Gründe sind, die die Betroffenen bewegen, etwas an ihrem Verhalten ändern zu wollen. Ein Teil kämpft mit Problemen im Job: Der Kater nach durchgefeierten Nächten hindert sie daran, ihren beruflichen Pflichten nachzukommen. Bei anderen sind die Gründe privat. Schaub: «Oft führt der Kokainkonsum zu Problemen in der Partnerschaft.»

Und viele jüngere Hilfesuchende können sich den Konsum schlicht finanziell nicht leisten: «Sie merken, dass sie Schulden anhäufen, wenn sie jedes Wochenende mehrere hundert Franken für Kokain ausgeben – wer etwa von einem Lehrlingslohn lebt oder noch studiert, bekommt rasch Geldprobleme.» Bei den älteren Konsumenten spielen zunehmend auch gesundheitliche Gründe eine Rolle. Schaub: «Der chronische Konsum geht am Körper nicht spurlos vorbei, irgendwann kann es beispielsweise zu Herzproblemen kommen, und das Risiko für einen Infarkt steigt.» Ein Teil der Betroffenen sieht sich durch die Behörden dazu gezwungen, den Kokainkonsum zu beenden: «Wer im Strassenverkehr positiv auf Drogen getestet wurde, muss aufpassen, dass er nicht zum ‹Wiederholungstäter› wird und den Führerschein für lange Zeit los ist.»

Rückfallgefahr ist gross

Obwohl Snow Control hilft, sind viele damit nicht endgültig von der Sucht befreit. Schaub: «Es kommt häufig vor, dass jemand es eine Zeitlang oder gar während Jahren schafft, den Kokainkonsum stark zu reduzieren oder ganz aufzugeben – doch sobald er in eine schwierige Lebensphase gerät, ist das Drogenproblem rasch zurück.»

Das Online-Tool erreicht eine andere Personenschicht als klassische Angebote, wie die Daten der Teilnehmer zeigen. Schaub: «Viele verfügen über eine gute Ausbildung und sind wahrscheinlich eher gezwungen, ihr Problem geheim zu halten.» Deshalb sei ein Internet-Angebot, das ihnen Anonymität garantiert, für sie besonders geeignet. Snow Control wurde kürzlich im Rahmen einer Studie überarbeitet – und verfügt neu über eine Chat-Funktion, mit der sich die Nutzer beraten lassen können.

(lüs)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Exdrögeler am 01.01.2016 17:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Drogenfreiheit heisst freies Leben

    Ich wünsche jedem Drogenabhängigen den Weg aus den Drogen. Sie sind nur weitere Fesseln, um aus der Realität zu fliehen. Ich habe vor 25 Jahren nach einer exzessiven Zeit aufgehört. Dabei habe ich nichts ausgelassen. Doch einmal muss Schluss sein und so habe ich einen Tag auf den anderen aufgehört. Sucht euch Drogenfreie Freunde und schon wird das Leben ohne Drogen Lebenswert. Alkohol ist in meinen Augen die schlimmste Droge gefolgt von Tabak. Synthetische Drogen sind schädlich und wer das Mass bei der Botanik nicht hat schadet sich auch. Die schönste Droge ist die Liebe!

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  • James am 01.01.2016 20:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ehemaliger.......

    Ich bin 48 und war 25 Jahre schwer Drogenabhängig, nichts hab ich ausgelassen. Vor sechs Jahren hab ich die letzte Ration Methadon abgebaut. Ich rauche nicht, trinke keinen Alkohol, ernähre mich gesund und treibe viel Sport. Das leben ist schön, spannend und extrem herausfordernd und das alles zu erleben ist das Beste was ich je gemacht habe. Ich wünsche jedem der Drogenprobleme hat das er das selbe erlebt, kein Rausch kann da mithalten. Die Abstinenz beginnt im Kopf und dann spielt es keine Rolle wann ich entscheide clean zu leben.

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  • Dave am 01.01.2016 18:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Also bitte..

    Egal ob Alkohol, Tabak, Grass oder sonstige Drogen.. Wer aufhören will braucht kein Silvester!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Valentin Marklushaj am 02.01.2016 21:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Drogenwelt

    Nach den Festtagen wollen viele "Aufhören" und noch viel vielmehr werden "Anfangen"

  • Ohne Drogen am 02.01.2016 20:23 Report Diesen Beitrag melden

    Gebt den Drögeler...,

    so viel sie wollen und auch was sie wollen. Lasst sie mit ihrem Problem in Ruhe. Das Ende war frei gewählt. Es ist ein Suizid auf Raten.

  • Kurt am 02.01.2016 19:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Konsument

    Also mal langsam, ich habe dieses Jahr erst 20 Gramm Koks konsumiert! 10 pro Tag. Und es geht mir super gut. Was soll jetzt diese Aufregung? Soll jeder selber wissen was er konsumiert.

  • psylognom am 02.01.2016 17:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Leben und leben lassen..

    Ich gönne mir mein Bier. Ab und zu einen joint! ca viermal im Jahr lsd, mushrooms und mdma. Die einzigen Substanzen, mit denen ich Mühe habe von heute auf morgen aufzuhören, ist der Tabak und das Bier (Alkohol)! Für diese zwei würde ich über Leichen gehen;-)

    • Toni A am 02.01.2016 19:02 Report Diesen Beitrag melden

      Recht hast du

      Du fährst auch die Hippieschiene ? Name lässt auf einen Goaner schliessen ;) An alle Downvoter: Bitte informiert Euch ein bisschen, Droge =/= Droge. Pilze / LSD, teils MDMA können bei Depressionen/Angststörungen helfen (nicht unterdrücken!) Diese Drogen können bei richtigem Umgang (Set und Setting!) eine richtige Reinigung der Seele sein. Und sie erzeugen keinerlei Suchtdruck. Können übrigens auch für MDMA nehme ich jetzt mal aussen vor, ich kann verstehen wenn man es übertreibt weil es sich so gut anfühlt. Deshalb schränke ich mich strikt ein, max alle 2 Monate, nicht mehr als 4 mal im Jahr

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  • D.C. am 02.01.2016 17:05 Report Diesen Beitrag melden

    Jeglicher massloser Konsum...

    von Drogen führt zuerst zu Realitätsverlust gleichzeitig zu Geldverschwendung begleitet mit Isolierung der eigenen Person mit folgenden Mangel an Arbeitsleistung bis zur Stellenverlust und nicht zuletzt den Verlust der eigenen Würde.