Reiseverkehr

22. Juli 2011 14:46; Akt: 22.07.2011 16:25 Print

Nächste Runde in Knatsch um Führerausweis

von Antonio Fumagalli - Laut einem österreichischen Verkehrsexperten werden Ferienreisende an der serbischen Grenze schikaniert. Der Vize-Botschafter Serbiens will davon nichts wissen.

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Offiziell sollten für Inhaber des Schweizer Führerausweises an der serbischen Grenze keine Probleme auftreten - viele Autofahrer scheinen dem aber keinen Glauben zu schenken und lassen sich vor der Abreise einen internationalen Ausweis ausstellen. (Bild: Keystone)

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Offiziell brauchen europäische Autolenker in Serbien keinen internationalen Führerausweis, das nationale «Billet» genügt. Offiziell. Die Realität sieht offenbar anders aus: «Seit Anfang Juni kriegen wir am Laufmeter Meldungen von Personen, die trotz gültigem Führerschein an der serbischen Grenze mit bis zu 250 Euro gebüsst wurden», sagt Thomas Haider, Verkehrsexperte beim Auto-, Motorrad- und Radfahrerbund (ARBÖ), dem zweitgrössten österreichischen Verkehrsclub. Wer nicht bezahlen wollte, habe zurückkehren oder zumindest sein Glück an einem anderen Grenzübergang versuchen müssen.

Nachdem sich die Mitteilungen von den Bussen an der Grenze gehäuft hatten, intervenierte der ARBÖ bei der österreichischen Botschaft in Serbien. Das Schweizerische Bundesamt für Strassen (ASTRA), welches via die kantonalen Strassenverkehrsämter ähnliche Meldungen kriegte, tat das gleiche bei der Schweizer Vertretung in Belgrad. Sowohl ASTRA wie ARBÖ kriegten von der serbischen Verkehrspolizei dieselbe Antwort: Der nationale Führerausweis im Kreditkartenformat sei absolut ausreichend. Die gleiche Version lässt auch der stellvertretende serbische Botschafter in der Schweiz verlauten: «Inhaber des Schweizer Führerausweises haben an den Grenzen zu Serbien keine Probleme», sagt Vladimir Nesic gegenüber 20 Minuten Online.

Offensichtlich gibt es zwischen den Beteuerungen der serbischen Behörden und der Praxis am Zoll eine grosse Diskrepanz: «Ob die Grenzbeamten aufgrund von Weisungen von oben handeln, kann ich nicht beurteilen. Es ist allerdings klar, dass offizielle Stellen eine solche Praxis nie zugeben würden», so Haider. Er geht von insgesamt mehreren Tausend Automobilisten aus, die bis anhin schikaniert wurden. Vize-Botschafter Nesic entgegnet: «Das ist schlicht nicht möglich, ich hätte sonst sicher davon gehört.» Er habe keinerlei Hinweise auf missbräuchliche Machenschaften an der Grenze erhalten.

Run auf die Strassenverkehrsämter

Leidtragende der Kontrollen sind in erster Linie die Automobilisten selbst, sie hatten sich den Urlaubsbeginn sicherlich anders vorgestellt. Betroffen sind aber auch die Stellen, die internationale Führerscheine ausstellen; in der Schweiz sind dies die kantonalen Strassenverkehrsämter. Diese wurden in den vergangenen Tagen vom Ansturm aufs internationale «Billet» richtiggehend überrannt, die Zuwachsraten im Vergleich zu Normaltagen betrugen teils über 4000 Prozent. Das Buschtelefon unter den Balkanreisenden hat offensichtlich funktioniert, den offiziellen Stellungnahmen der serbischen Behörden schenkten sie wenig Glauben.

Offenbar zu Recht: «Zwischenzeitlich haben die Meldungen von den Grenzbussen abgenommen. Alleine seit Beginn dieser Woche sind uns aber wieder mindestens 50 Fälle von willkürlichen Bussen bekannt», sagt Thomas Haider vom ARBÖ. Sein Verband hat deshalb gestern wiederum bei der österreichischen Botschaft in Belgrad interveniert – eine Antwort steht bislang noch aus.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Tose Diasz am 22.07.2011 15:11 Report Diesen Beitrag melden

    war ja klar... typisch...

    das ist wieder mal typisch... schon seit X-Jahren, zocken die serbischen Grenzwächter alle Touristen ab. Alles ins eigene Portmonee!! Unglaublich das immer noch nichts getan wird!!

  • Hans Dampf am 23.07.2011 07:12 Report Diesen Beitrag melden

    geht woanders hin

    meine güte, wer geht denn schon nach serbien? es git tausend andere möglichkeiten ohne sich schikanieren lassen zu müssen....

  • Leon Daz am 22.07.2011 15:12 Report Diesen Beitrag melden

    Korrupte Beamte

    Dass die Beamten an der Serbischen Grenze korrupt sind, ist ja nun wirklich nichts neues. Da Kaffee heutzutage nicht mehr ausreichend ist, haben sie sich eben neue Geldquellen erschlossen. Und da die Serbische Regierung nicht viel gegen die Korruption tut, wird sich dahingehend auch nicht viel ändern.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Mihajlo, Novi Sad am 24.07.2011 08:48 Report Diesen Beitrag melden

    Reziprozität

    In der Schweiz wird auch der neue serbische Führerschein im Kreditkartenformat nicht akzeptiert!

    • Amtsschimmel am 28.07.2011 07:48 Report Diesen Beitrag melden

      Ja, nach 12 Monaten verfällt er

      Wenn der Inhaber in der Schweiz wohnt. Aber hier gilt unserer recht und das ist für alle gleich. Nicht nur für Serben.

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  • Zeljko am 23.07.2011 18:46 Report Diesen Beitrag melden

    Schwach

    Ich bin Serbe. Ich habe was ähnliches erlebt auf Kroatische oder Ungarische Grenze. Ich würde das nie in Zeitung schreiben oder Kroaten oder Ungarn als Böse bezeichnen. Wenn mir das nicht passt gehe ich einfach mit Flugzeug oder wo anders und Problem ist erledigt. Keine Ahnung was das ganze soll!!! Mein Kolegge geburtige Schweizer und nicht eingekaufte wie viele sich da presentieren als Schweizer hat in Serbien betrunken Auto gefahren und kam in Kontrolle. Ich möchte nicht erinnern was mich in Schweiz erwarten würde. Er bekam nur verwarnung.

    • Johann am 24.07.2011 08:29 Report Diesen Beitrag melden

      Serbien könnte das besser machen

      Dieser betrunkene "Schweizer" müsste hart bestraft werden, wenn er in diesem Zustand ein Auto fährt. Da finde ich die CH-Vorgehensweise schon fortschrittlicher.

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  • Romario am 23.07.2011 14:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zeit haben

    So bessern die Zollbeamten ihre Löhne auf. Ich kann es mir nur so erklären. Mit dem Motorrad unterwegs habe ich mich geweigert zu zahlen, hab mich hingesetzt und mich gemütlich verpflegt, nach etwa einer Stunde Picknick ist es denen verleidet und sie liessen mich weiter.

    • Johann am 24.07.2011 08:31 Report Diesen Beitrag melden

      Zollbeamten in Serbien

      das glaube ich auch

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  • Eric Land. am 23.07.2011 12:44 Report Diesen Beitrag melden

    Danke 20 Min

    Danke 20 Minuten ,das ihr das Thema Public macht . Das ist nicht etwas neues ,da werden normale Bürger/Leute mit Familien seit 10 Jahren an der Serbischen Grenze strapaziert .

  • Urs Stadler am 23.07.2011 11:56 Report Diesen Beitrag melden

    Richtig so

    Die Beamten und erst recht die Einheimischen in Serbien sind sehr freundlich zu Touristen,war letztes Jahr dort.Das Ganze Land jetzt wieder an den pranger zu stellen passt zu 20 Minuten, ihr macht das ohnehin ja täglich. Ein bisschen Geld abzuzocken ist ja noch harmlos vergleich zu dem was man mit den Serben die letzten Jahre angestellt hat...

    • Ivan Bogdanovic am 23.07.2011 20:33 Report Diesen Beitrag melden

      Wie lange noch...?

      Du hast völlig Recht Urs!! Ich Frage mich nur noch wie lange wir Serben in Europa so behandelt werden obwohl wir selber Christen sind...

    • Ueli Malter am 24.07.2011 11:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Religion

      Das hat aber überhaupt NICHTS mit Religion zu tun. Ihr könnt auch Budisten sein und würdet trotzdem so behandelt wie es die Westliche Gesellschaft für richtig hält.

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