Erdbeben im Wallis

06. November 2019 08:45; Akt: 06.11.2019 12:56 Print

«Die Gläser haben gezittert»

Im Kanton Wallis wurden seit Dienstagnacht mehrere Erdbeben registriert. Schäden wurden bislang keine gemeldet.

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Am Dienstagabend hat im Wallis die Erde gebebt. Dies, nachdem es in der Nacht zum Dienstag und am Morgen bereits sieben leichte Erdbeben gegeben hatte. Und auch am Mittwochmorgen gab es erneut ein Beben, wie der Schweizerische Erdbebendienst (SED) meldete. Dieses war jedoch mit einer Stärke von 1,9 eher leicht.

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Die Erdstösse vom Dienstagabend waren hingegen auch noch im Berner Oberland spürbar. Dutzende Menschen wurden aufgeweckt, Schäden gab es bislang keine. Der SED hat die Erschütterung vom Dienstagabend etwa 8 Kilometer südöstlich vom Sanetschpass registriert, wie der automatischen Alarmmitteilung der ETH vom Dienstagabend zu entnehmen ist. Demnach ereignete sich das Erdbeben um 20.51 Uhr mit einer Stärke von etwa 3,2 auf der Richterskala.

Damit dürfte das Erdbeben gemäss der Mitteilung in der Nähe des Epizentrums deutlich zu spüren gewesen sein. Die Angaben wurden gemäss Mitteilung automatisch berechnet und sind noch nicht von Seismologen überprüft worden.

Bevölkerung aufgewacht

Zwei der Erdbeben in der Nacht auf Dienstag haben sich im Zentralwallis um 1.54 und 4.36 Uhr ereignet. Beide erreichten eine Magnitude von 3,3 auf der Richterskala und haben vor allem zwischen Sitten und Siders viele Menschen aufgeweckt, wie SED mitteilte.

Die Epizentren befanden nördlich von Sitten in Richtung des Wildhorns in den westlichen Berner Alpen und unweit des Sanetschpasses, der den Kanton Bern mit dem Wallis verbindet. Die Erdstösse wiederholten sich in regelmässigen Abständen bis weit in den Morgen hinein.

Zwei von ihnen wurden um 6.55 respektive 7.00 Uhr in der Nähe des Arpelistocks registriert, einem weiteren Gipfel an der Grenze zwischen den Kantonen Wallis und Bern. Diese zwei Beben hatten Stärken zwischen 2,5 und 2,9 auf der Richterskala.

Über 100 Beben

Um 8.18 Uhr erschütterte ein weiteres Beben der Stärke 3,0 die Region Wildhorn. Ein neuerlicher Erdstoss der Stärke 2,7 folgte um 8.47 Uhr in der Nähe von Anzère VS. Das letzte Beben mit der gleichen Stärke wurde um 9.54 Uhr in Richtung Arpelistock registriert. Zwischen den verschiedenen Beben zeichnete der SED bisher über 50 Nachbeben auf, von denen einzelne ebenfalls spürbar waren.

SED-Seismologe Philipp Kästli spricht von einem «aussergewöhnlich aktiven Erdbebenschwarm», der derzeit bei Savièse VS im Gang sei. «Eine derartige Häufung von Erdbeben ist eher ungewöhnlich für die Schweiz», schreibt Kästli in einer Mitteilung. Bis am Mittwochmorgen seien über 100 Beben aufgezeichnet worden. Zwölf davon wiesen eine Magnitude von mindestens 2,5 auf und seien vornehmlich von der Bevölkerung in der Region Sion bis Sierre verspürt worden. Die stärksten Beben erreichten Magnituden zwischen 3,0 und 3,3. Auf der Website des SED seien mehrere hundert Verspürtmeldungen eingegangen.

Stärkeres Erdbeben ist in den nächsten Tagen möglich

Eine Leser-Reporterin aus dem Wallis berichtet, dass die Gläser in ihrer Wohnwand gezittert hätten. «Mich schüttelte es auf meinem Sofa, danach fühlte ich mich nicht so gut.»

Normalerweise klingt die Erdbebenaktivität mit der Zeit ab. Dass so viele spürbare Beben zeitlich und räumlich eng konzentriert auftreten, sei selten, erklärt Kästli. Eine Prognose über den weiteren Verlauf kann Kästli jedoch noch nicht machen. Mit einer Wahrscheinlichkeit von 5 bis 10 Prozent könnte es in den nächsten Tagen auch zu einem deutlich stärkeren Erdbeben kommen.

Gefahrenstufe 2 ausgerufen

Bei der Walliser Kantonspolizei gingen zunächst keine Hinweise auf Schäden ein, wie Sprecher Mathias Volken auf Anfrage sagte. Lediglich ein, zwei Personen hätten bei der Kantonspolizei angerufen und die Beben gemeldet. Es seien keine speziellen Massnahmen getroffen worden, die Lage werde aber weiterhin beobachtet.

Der Bund hat bereits am Dienstag für die Region die Gefahrenstufe auf «mässig» erhöht. Er empfiehlt, sich in Deckung zu begeben und auf weitere Beben gefasst zu sein.

Bereits in der Nacht auf Montag war in Teilen der Schweiz ein Erdbeben spürbar gewesen. Dieses ereignete sich im deutschen Albstadt gut 50 Kilometer nordöstlich von Schaffhausen und hatte eine Stärke von 3,9.

Region mit höchster Gefährdung

In der Schweiz kommt es immer wieder zu meist kleineren Erdbeben. Für das laufende Jahr zählte der SED bisher gut 1200 Erdstösse. Von der Bevölkerung tatsächlich verspürt werden pro Jahr etwa zehn bis zwanzig Beben mit Magnituden ab etwa 2,5.
Insgesamt liegt die Erdbebengefährdung der Schweiz im europäischen Vergleich auf mittlerem Niveau. Starke Erdbeben bis zu einer Magnitude 7 sind möglich, aber deutlich seltener als in hoch gefährdeten Gebieten wie Italien oder der Türkei.

Das Wallis ist die Region mit der höchsten Gefährdung, gefolgt von Basel, Graubünden, dem St. Galler Rheintal, der Zentralschweiz und der übrigen Schweiz. Die Beben der letzten Tage im Wallis fanden auf einer der prominentesten Aktivitätszone statt, schreibt Kästli. Sie verläuft südlich der Diablerets und des Wildhorns parallel zum Rhonetal. Vor der aktuellen Serie gab es letztmals am 14. Januar 2018 ein spürbares Beben in dieser Region. Allerdings würden fast wöchentlich nur instrumentell messbare Beben gemessen.

Zu einem grossen Schadensbeben in der Schweiz kam es letztmals am 25. Januar 1946 nördlich von Sion, wo auch derzeit die Erde bebt. Es erreichte eine Magnitude von 5,8 und richtete in einem beträchtlichen Umkreis grosse Schäden an.

(kat/chk/vro/sda)