Fehlendes Sonderzeichen

03. September 2016 16:35; Akt: 03.09.2016 20:27 Print

Namen bei Einbürgerung «verwestlicht»

Weil ein veraltetes IT-System nicht alle osteuropäischen Zeichen erkennt, steht der Name von mehr als 100'000 Schweizern nicht korrekt in deren Pass. Eine Anpassung ist aber nicht in Sicht.

storybild

Eine Änderung des Zeichensatzes ist vonnöten: Ein Muster des biometrischen Schweizer Pass. (Bild: Keystone/Christian Beutler)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Das eidgenössische Personenstandsregister basiert auf einem veralteten IT-System, das in Osteuropa gebräuchliche Sonderzeichen nicht erfassen kann. Deshalb können osteuropäische Namen nicht korrekt in den Schweizer Pass übernommen werden. Dies berichtete «Das Magazin» in seiner heutigen Ausgabe.

Umfrage
Steht Ihr Name korrekt im Pass?
61 %
13 %
15 %
11 %
Insgesamt 7209 Teilnehmer

Aus diesem Grund seien bei der Einbürgerung in die Schweiz zwischen 1990 und 2014 die Namen von mehr als 100'000 Osteuropäerinnen und Osteuropäern «verwestlicht» worden, schreibt die Autorin unter Verweis auf das Bundesamt für Statistik.

Schuld ist IT-System Infostar

Betroffen sind demnach vor allem Personen aus dem ehemaligen Jugoslawien, deren Name auf -ic mit einem Akut (kurzer Strich von links unten nach rechts oben) über dem «c» endet und «-itsch» ausgesprochen wird. In der Schweiz erscheint das «c» dann aber ohne Akut, ausgesprochen endet der Name so auf «-ic» anstatt «-itsch».

Aber auch Schweizerinnen und Schweizer mit Namen aus Tschechien, Polen, Rumänien, Ungarn, Lettland, Litauen und der Türkei kennen das Problem.

Das eidgenössische Personenstandsregister basiert auf dem IT-System Infostar und einem Standardzeichensatz nach der ISO-zertifizierten Norm ISO 8859-15. Diese umfasst per Definition das westeuropäische Alphabet. Westeuropäische Sonderzeichen werden daher korrekt abgebildet: beispielsweise das spanische ñ, das dänische ø, das schwedische å.

Aufwendige Umstellung

In einem Brief an einen Betroffenen, welcher der Nachrichtenagentur sda vorliegt, bestätigt das Bundesamt für Justiz die uneinheitliche Praxis. «Dass es in der Schweiz mehr und mehr Vor- und Familiennamen gibt, deren ‹richtige› Darstellung durch die rechtliche Massgeblichkeit jenes Zeichensatzes verunmöglicht wird, ist bekannt», heisst es darin.

Anpassen lässt sich die Praxis allerdings nicht so schnell. Denn dafür müsste «nicht nur das Personenstandsregister des EJPD angepasst werden, sondern auch sämtliche Personendatenbanken auf allen Verwaltungsebenen der Schweiz - beim Bund, den Kantonen und den Gemeinden.» Wann die nächste Änderung des Zeichensatzes anstehe, sei offen.

Gleichzeitig äussert das Bundesamt, dass es das «Unverständnis» des Betroffenen «gut nachvollziehen» könne und dankt dem Mann: «Ihr Schreiben hilft uns freilich, die Notwendigkeit von Massnahmen mit konkreten Bedürfnissen unserer Bürgerinnen und Bürger zu belegen und mit diesen abzustimmen.»

(nag/sda)