Forschung unter der Lupe

12. Dezember 2011 14:32; Akt: 12.12.2011 14:54 Print

Nationalfonds-Software deckt Plagiate auf

Die Guttenbergsche Arbeitsmethode greift offenbar um sich: Der Schweizerische Nationalfonds hat zwei Plagiatsfälle publik gemacht - anhand einer speziellen Software.

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Der Schweizerische Nationalfonds (SNF) hat unter den bei ihm eingereichten Forschungsgesuchen zwei Plagiate entdeckt. Die betreffenden Forscher dürfen nun für sechs respektive zwölf Monate kein Gesuch mehr einreichen beim grössten Geldgeber für die hiesige Wissenschaft.

Die beiden Plagiate fallen in die Periode vom Oktober 2010 bis September 2011, wie der SNF auf seiner Webseite schreibt. Im einen Fall kopierte ein Gesuchsteller etwa einen Fünftel seines Forschungsplans aus fünf verschiedenen Quellen, ohne diese Passagen korrekt als Zitate kenntlich zu machen.

Im zweiten Fall stammen die nicht korrekt gekennzeichneten Textteile aus drei unterschiedlichen Quellen, darunter Wikipedia. Die kopierten Passagen machen fast 12 Prozent des Forschungsplans aus. Beide fehlbaren Forscher sind erfahrene Wissenschaftler, wie es im ersten Bericht des SNF zu Plagiaten in Gesuchen heisst.

Software vergleicht Texte

Der SNF setzt seit Oktober 2010 eine Software für die Plagiatssuche ein. Das Programm vergleicht Texte von Gesuchstellern mit Inhalten im Internet und mit Datenbanken wissenschaftlicher Literatur. Im ersten Jahr seit der Anschaffung setzte der SNF die Software bei 155 zufällig ausgewählten Gesuchen ein, also bei 5 Prozent der eingereichten Gesuche.

Dabei stiess die Software auf fünf verdächtige Gesuche, die sich allerdings bei näherer Betrachtung als geringfügige Verfehlungen entpuppten und keine Konsequenzen für die Verfasser nach sich ziehen. Eine geringfügige Verfehlungen gelten zum Beispiel kleine Versäumnisse und Ungenauigkeiten bei der Quellenangabe.

Experten finden Plagiate

Fünf weitere plagiatsverdächtige Texte wurden von Experten gemeldet, die die Gesuche im Auftrag des SNF evaluieren. Drei dieser Fälle wurden nach vertieften Untersuchungen, die zum Teil mit Hilfe der Software vorgenommen wurden, ebenfalls als geringfügig eingestuft, zwei erwiesen sich tatsächlich als Plagiate.

Die Software habe sich als nützliches Instrument zur Analyse von Plagiaten in den Gesuchen erwiesen, schreibt der SNF. Die Pilotphase werde deshalb um ein Jahr verlängert.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Peschä am 12.12.2011 15:37 Report Diesen Beitrag melden

    Software veröffentlichen

    Diese Software sollte allen zur Verfügung gestellt werden. Dann können Forscher und Studenten gleich selber ihre Arbeiten auf allfällige Mängel untersuchen und diese korrigieren, bevor sie Arbeiten einreichen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Peschä am 12.12.2011 15:37 Report Diesen Beitrag melden

    Software veröffentlichen

    Diese Software sollte allen zur Verfügung gestellt werden. Dann können Forscher und Studenten gleich selber ihre Arbeiten auf allfällige Mängel untersuchen und diese korrigieren, bevor sie Arbeiten einreichen.

    • Tinu am 12.12.2011 17:12 Report Diesen Beitrag melden

      Alles hat zwei Seiten

      Eigentlich sollten die, die abschreiben doch wissen, wo sie abgeschrieben haben. Die Software könnte dann nur noch dazu dienen, diese Texte solange umzuformen, bis sie nicht mehr gefunden werden.

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