Von Bern nach Zürich

18. Juni 2019 11:17; Akt: 18.06.2019 13:46 Print

Nationalrat will Studio-Umzug der SRG verhindern

Die SRG will grosse Teile der Radioredaktion von Bern nach Zürich verlegen. Der Nationalrat will das verhindern. Er stimmt entsprechenden Initiativen zu.

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Die SRG plant einen Umzug. Die Inland-Redaktion des Radio SRF soll von Bern nach Zürich umziehen. Davon betroffen wären etwa 170 Mitarbeiter. Davon verspricht sich die SRG einen Spareffekt. Wegen der Plafonierung der Gebühren und sinkender Werbeeinnahmen müsse sie Geld einsparen, argumentiert sie – und das tue sie lieber bei den Gebäuden als dem Personal.

Diese Argumentation verfing heute im Nationalrat nicht. Er hat entsprechende, gleichlautende parlamentarische Initiativen, die von den Parteipräsidenten der CVP, BDP, SVP, der Grünen und von SP-Parlamentarier Beat Jans eingereicht wurden, mit 120 Ja- zu 54 Nein-Stimmen angenommen. Diese fordern eine «dezentrale Programmproduktion» der SRG.

«Umzug zerstört Idée Suisse»

Das audiovisuelle Angebot, also das Fernsehen, muss die SRG demnach schwergewichtig am Standort Zürich produzieren, die Audio-Angebote, also das Radio, hauptsächlich in Bern. Die gleiche Aufgabenteilung soll der SRG in der Westschweiz vorgeschrieben werden: Die TV-Produktion soll in Genf stattfinden, die Radio-Produktion in Lausanne.

In der parlamentarischen Debatte machten die Unterstützer der Vorstösse klar, dass es um ein Signal gehe. «Wir sind dagegen, dass die SRG ihre Info-Berichterstattung in Zürich zentralisiert», sagte SP-Nationalrat Beat Jans. «Das zerstört die Idée Suisse.» Selbstverständlich müssten in Zürich wichtige Medienstandorte sein: «Aber nicht alle.» Schon die privaten Medien seien in Zürich zentralisiert.

«Seltene Arroganz»

SVP-Präsident Albert Rösti sagte, «No Billag» sei gegen den Willen der SVP klar abgelehnt worden. Dass nun ein Umzug geplant werde, sei «von einer Arroganz gegenüber politischen Behörden, die mir selten untergekommen ist».

CVP-Nationalrat Martin Candinas, der die ablehnende Position der Kommission vertrat, fragte: «Ist es wirklich relevant, wo eine Sendung des SRF produziert wird? Und wer wusste das vorher überhaupt?» Es gehe mit den Vorstössen um einen Machtkampf zwischen politischen Vertretern vor allem aus der Region Bern und der SRG. Auch nach dem Umzug bleibe die SRG mit 550 Mitarbeitern in Bern. «Wir müssen der SRG eine gewisse unternehmerische Freiheit gewähren», sagte Candinas.

Ständerat gegen Vorstoss

Kritik am Entscheid der SRG kam zuvor vom Schweizer Syndikat Medienschaffender (SSM). Mit dem Entscheid schwäche der SRG-Verwaltungsrat die regionale Verankerung und gefährde die inhaltliche Vielfalt in der Berichterstattung. Auch der Kanton und die Stadt Bern wehrten sich gegen den Studioumzug, eine überparteiliche Vereinigung namens «Pro Idée Suisse» setzt sich ebenfalls gegen den Umzug ein.

Mit dem Entscheid des Parlaments ist der Umzug allerdings noch nicht beerdigt. Im Ständerat hatten ähnlich lautende Vorstösse bisher keine Chance. Die vorberatende Kommission hat einen entsprechenden Vorstoss zur Ablehnung empfohlen, zur Abstimmung kam es erst gar nicht, weil der Initiant den Vorstoss zurückgezogen hatte. Auch ist die Zustimmung zu den parlamentarischen Initiativen für die SRG nicht rechtlich bindend.

(ehs)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • K. Nuschti am 18.06.2019 13:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Macht mal euren Job

    Bei so unwichtigsten Geschäften legen sie sich aber mächtig ins Zeug. Klima und Gleichstellung sind auch so elitäre Modethemen. Bei den Krankenkassenprämien dagegen herrscht Funkstlle.

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  • EmanuelX am 18.06.2019 13:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    SRG Studio Bern

    Was machen in Bern 720 SRG-Mitarbeiter ?

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  • Pro No Billag am 18.06.2019 13:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    No Billag

    Jetzt haben wir ein weiterer Salat! Hätten wir damals einstimmig Ja gestimmt, hätten wir die Probleme jetzt nicht!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Paul am 19.06.2019 17:40 Report Diesen Beitrag melden

    Arbeitsplatz

    Und der Umzug von Amcor Rickenbach nach Polen? Da sind im Moment 70 Arbeitsplätze für immer weg! Wir habens ermöglicht mit unseren Zahlungen an die EU.

  • Ronny C. am 19.06.2019 07:09 Report Diesen Beitrag melden

    Schliessen

    Ich denke es ist grundsätzlich irrelevant, wo das staatliche Propaganda-Programm produziert wird. Bern ist sicher näher am politischen Geschehen, von dem her sind die Wege kurz. Die Regierung gibt den links-grünen Inhalt vor, die Berner produzieren das Geschwurbel gleich vor Ort. Man könnte eigentlich das Studio in Bern schliessen und in Zürich auch gleich. Das wäre gut für die Um- und Medienwelt.

  • Radiohörer am 19.06.2019 06:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Viel Lärm um nichts?

    Ausser den Betroffenen Journalisten stört der geplante Umzug nach Zürich eigentlich niemand...

  • Hopper am 19.06.2019 05:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    @Anliker Raus

    Was wird hier...nicht von Rahmenabkommen geredet.. Haut endlich den Artikel rein: Die Schweiz pfeift auf Junker!!!!!!!

  • metoo ZH am 19.06.2019 01:47 Report Diesen Beitrag melden

    Geldvernichtungsmaschine SRG

    Schade. Wir hätten es in der Hand gehabt, diesen SRG Moloch zu beseitigen. Aber die Schweizer sind einfach nicht urteilsfähig. Die nächste SRG Abschaffungsinitiative kommt. Sicher. Wir brauchen keine Geldverbrenner mit einem Werbeanteil der alle anderen Sender in den Schatten stellt und mit Sondersteuern finanziert wird. Die Schweizer Sender sind längst aus meiner Liste gekippt. Nutzlos, langweilig und nicht auf einem vernünftigen Niveau. Ob der Müll in Bern, Genf oder Zürich produziert wird ist irrelevant. Müll ist Müll. Und die "Nachtwach" die mir Schlaftabletten erspart hat ist weg.

    • Xeno72 am 19.06.2019 08:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      macht nur!@metoo ZH

      Genau, seid ehrlich und verlangt direkt die Abschaffung der SRG. Und bitte wieder Kessler als Präsident des Komitees. Dann zerdonnern wir Eure VI 2024 mit 80 Prozent Nein.

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