Sturmgewehr-Imitat

04. Oktober 2016 11:19; Akt: 04.10.2016 11:28 Print

Neo-Nazi droht mit Attentat auf Asylbewerber

von Laly Zanchi - Ein niederländischer Neo-Nazi kündigt mit einem Schweizer Armeewaffen-Imitat ein Attentat auf Asylsuchende an. Die GSoA ist alarmiert.

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Die Posts des niederländischen Baggerfahrers Michael L. Anfang September versetzten die Twitter-Gemeinde in Aufruhr. Er postete er ein Bild, auf dem er ein Sturmgewehr mit dem Finger am Abzug in die Luft reckt. «Die Vorbereitungen sind in vollem Gange und laufen gut», schrieb er dazu. Hintergrund der Drohungen soll die angebliche Vergewaltigung seiner Nichte durch einen Asylbewerber sein. Er wolle nun Rache nehmen. Ein paar Tage zuvor hiess es: «Es ist Zeit, gegen das Terror-Asylheim vorzugehen. [...] Es muss aufhören, jetzt und für immer» schrieb der Rechtsradikale mit dem Usernamen «Waffen SS 88» (siehe Box). Michael L. wurde nach Publikwerden der Tweets in Polizeigewahrsam genommen, ist nun aber wieder auf freiem Fuss. Beim Sturmgewehr handelt es sich um eine Airsoftpistole, die der in der Schweiz hergestellten Waffe SG552 - die in der Schweizer Armee verwendet wird - verblüffend ähnlich sieht. Mit einer Airsoftpistole können lediglich Plastikkügelchen verschossen werden. Dass es sich bei der Waffe bloss um ein Imitat handelt, findet Lewin Lempert von der Gruppe für eine Schweiz ohne Armee (GSoA) nicht minder schlimm: «Auch mit einem Imitat kann man Angst und Schrecken verbreiten. Hier wird Menschen mit dem Tod gedroht.» Lempert würde es deshalb auch begrüssen, wenn man keine Originalnachbildungen von Waffen im Airsoftmarkt verkaufen würde. Zumindest aber sollten die Waffenspitzen markiert werden, wie es bereits in vielen Ländern vorgeschrieben ist. Auch Dominik Riner, der Sprecher der ProTell-Gesellschaft für freiheitliches Waffenrecht, wendet ein: «Mir ist noch kein Fall bekannt, wo jemand mit einer Airsoftwaffe ein Verbrechen begangen hat.» Er hält die Sicherheitsbedenken der GSoA für unbegründet: «Mit Ausnahme des Erwerbs gelten für Airsofts die gleichen strengen Bedingungen wie für normale Waffen.» Man könne also nicht einfach mit Airsofts in der Öffentlichkeit Unsicherheit verbreiten. Michael L. hat gemäss der niederländischen Website «Crimesite» Verbindungen zur angelsächsischen Neo-Nazi Bewegung Blood and Honour und war Mitglied der rechtsradikalen Partei CP'86. Gegenüber der niederländischen Tageszeitung «Telegraaf» gab Michael L. an, dass sein Twitter-Account gehackt worden sei und der Hacker ein altes Foto von ihm hochgeladen habe. Ausserdem gab L. an, dass seine Verbindung zu CP'86 der Vergangenheit angehöre. «Ich war jung und dachte noch nicht so richtig nach, aber man wird erwachsen.» Sein Facebook-Profil wirkt im Gegensatz zu seinem Twitter Account auf den ersten Blick unscheinbar. L. postet Bilder mit Haustieren und Freuden. Aber ein Blick auf die gelikten Seiten offenbart seine politische Gesinnung. L. mag rechte politische Gruppierungen wie Pegida Netherlands, Nationaler Widerstand und Fuck Antifa, aber auch Waffen- und Airsoftzubehörläden.

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Die Posts des niederländischen Baggerfahrers Michael L. Anfang September versetzten die Twitter-Gemeinde in Aufruhr. «Es ist Zeit, gegen das Terror-Asylheim vorzugehen. [...] Es muss aufhören, jetzt und für immer» schrieb der Rechtsradikale mit dem Usernamen «Waffen SS 88» (siehe Box). Hintergrund der Drohungen soll die angebliche Vergewaltigung seiner Nichte durch einen Asylbewerber sein. Er wolle nun Rache nehmen. Wenige Tage später postete er ein Bild, auf dem er ein Sturmgewehr mit dem Finger am Abzug in die Luft reckt. «Die Vorbereitungen sind in vollem Gange und laufen gut», schrieb er dazu. Michael L. wurde nach Publikwerden des Tweets in Polizeigewahrsam genommen, ist nun aber wieder auf freiem Fuss.

Umfrage
Wie soll der Verkauf von Airsoft-Guns in der Schweiz geregelt werden?
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Insgesamt 2367 Teilnehmer

Beim Sturmgewehr handelt es sich um eine Airsoftpistole, die der in der Schweiz hergestellten Waffe SG552 – die in der Schweizer Armee verwendet wird – verblüffend ähnlich sieht. Mit einer Airsoftpistole können lediglich Plastikkügelchen verschossen werden.

Originalnachbildungen verbieten

Lewin Lempert von der Gruppe für eine Schweiz ohne Armee (GSoA) ist besorgt darüber, dass sich der niederländische Neonazi ausgerechnet mit einem Imitat eines Schweizer Sturmgewehrs brüstet: «Viele rechtsradikale Gruppierungen haben eine Affinität zum Militarismus. Da entspricht eine Milizarmee, wie wir sie in der Schweiz haben, ihrem Idealbild.» Dass es sich bei der Waffe bloss um ein Imitat handelt, findet Lempert nicht minder schlimm: «Auch mit einem Imitat kann man Angst und Schrecken verbreiten. Hier wird Menschen mit dem Tod gedroht.»

Lempert würde es deshalb auch begrüssen, wenn man keine Originalnachbildungen von Waffen im Airsoftmarkt verkaufen würde. Zumindest aber sollten die Waffenspitzen markiert werden, wie das bereits in vielen Ländern vorgeschrieben ist. Weiter fordert Lempert höhere Hürden für den Kauf: «Man sollte auch bei einer Airsoft begründen müssen, wozu man sie sich zulegt.» Zurzeit benötigt man für den Kauf einer Airsoft lediglich einen Vertrag zwischen Händler und Käufer.

Sicherheitsbedenken «unbegründet»

Auch für Dominik Riner, den Sprecher der ProTell-Gesellschaft für freiheitliches Waffenrecht, ist dieses Bild ein unverständlicher Anblick. «Für uns Waffenfreunde ist es ebenfalls störend, eine Waffe in den Händen von Extremisten zu sehen.» Man dürfe aber nicht vergessen, dass es sich um ein Imitat handle. Riner: «Mir ist noch kein Fall bekannt, wo jemand mit einer Airsoftwaffe ein Verbrechen begangen hat.»

Auch wenn Riner einräumt, dass Airsoftwaffen für den Laien nicht von echten Waffen zu unterscheiden sind, hält er die Sicherheitsbedenken der GSoA für unbegründet: «Mit Ausnahme des Erwerbs gelten für Airsofts die gleichen strengen Bedingungen wie für normale Waffen.» Man dürfe sie also nicht ohne Waffentragschein in der Öffentlichkeit auf sich haben und müsse sie gesondert von der Munition in einem geschlossenen Behälter transportieren. Man könne also nicht einfach mit Airsofts in der Öffentlichkeit Unsicherheit verbreiten. Der rechtliche Rahmen ist klar geregelt nach aktueller Waffengesetzgebung.

Ein Verbot von originalgetreuen Airsoft-Imitationen lehnt Riner ebenfalls ab. «Man will ja etwas, was aussieht wie eine originale Waffe und nicht wie ein Klavier.» Die Leute, die solche Nachbildungen erwerben, würden dies aus der Freude an dem bestimmten Gerät tun und könnten so auf den Kauf einer scharfen Waffe verzichten. «Man muss jetzt nicht wegen ein paar Einzelfällen den Sammlern diese Freude verwehren.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Dani D am 04.10.2016 11:25 Report Diesen Beitrag melden

    Doppelmoral vom feinsten

    Wir verkaufen Waffen an Saudi-Arabien und an andere Terroristenstaaten. Die sie täglich gegen die eigene Bevölkerung einsetzen. Aber ein Holländer der mit einer Plastikknarre posiert ist ein Problem. Eure Doppelmoral ist erbärmlich.

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  • Phil am 04.10.2016 11:33 Report Diesen Beitrag melden

    Die Gsoa ist alarmiert - das ist neu

    Die Gsoa ist alarmiert....und was hat das genau mit der Armee zu tun?

  • HomerJ am 04.10.2016 12:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Und?

    Nur weil sich irgendsoein Idiot Tausende von Kilometern sich falsch verhält, sollen wir etwas ändern? Die Waffengegner sind irgendwie sehr extremistisch, denn sie wollen unnötige Verbote schaffen. Wenn man nach deren Logik denken würde, dann müsste man ja sagen, dass jeder Autofahrer ein fahrverbot bekommen soll, denn er könnte ja einen Unfall verursachen und/oder rasen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Jimmy Neutral am 04.10.2016 18:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hört doch auf

    Was hat die GSoA mit Waffen zu tun-nichts. Die wollen sich nur wieder einmal die Gelegenheit nutzen, um gegen jeden rechten Bestandteil zu poltern. PS: Nur weil die Armee diese Waffe hat, heisst das nicht, dass sie die einzigen sind.

  • Wiederkehr am 04.10.2016 18:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gerne

    dürfen die Schreiberlinge über die Vergewaltigung der Nichte des Baggerfahrers berichten. Oder ist es ein falscher Täter?

  • Hans im Glück am 04.10.2016 16:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Freude erzeugen ?

    Eine Waffe kaufen aus Freude an diesem Gerät? Das klingt sehr krank. Wie können Tötungsgeräte Freude erzeugen.

    • Buckweed am 04.10.2016 18:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Hans im Glück

      Tötungswerkzeug? so wie das Kreuz, das viele an einer Kette um den Hals tragen oder im Schlafzimmer über dem Bett hängen haben? back to topic: Airsoft-Waffen können zB auch für (Amateur-)Filmproduktionen verwendet werden oder um mit Kollegen im Wald "Räuber und Polizei" zu spielen (Schutzbrille ist dabei Pflicht) oder um Ungeübten/Unerfahrenen den richtigen/sicheren Umgang mit Waffen beizubringen. es geht nicht immer um's "Töten simulieren" oder Gewalt zu befürworten/auszuüben. es gibt auch 'sinnvolle' Beschäftigungen und Verwendungszwecke für Airsoft-Waffen. #PeaceOut

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  • National Rifle am 04.10.2016 13:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nope

    Es sind nicht die Waffen die töten,sondern die Menschen.

  • ML am 04.10.2016 13:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verboten bei uns..

    Airsoftwaffen gehören in der Schweiz zu den Verbotenen Waffen im Gegensatz zu den echten Waffen. Nachbildungen sind Täuschungen und das ist ein Tabu bei Feuerwaffen.