Unglück am Gotthard

29. September 2016 10:14; Akt: 29.09.2016 21:01 Print

Neue Bilder zeigen Heli kurz nach Absturz

Rund 70 Einsatzkräfte von Armee, Polizei und Feuerwehr haben die Arbeiten an der Unglücksstelle fortgesetzt. Bei den beiden Todesopfern handelt es sich um Milizpiloten.

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Retter konnten die Piloten und den Flughelfer noch aus dem Wrack ziehen, bevor es in Flammen aufging: Der brennende Super Puma der Schweizer Armee beim Gotthardpass. (28. September 2016) Die Unfälle der Luftwaffe in den letzten Wochen haben Konsequenzen: Die Flugshow in Luzern ist vom VBS abesagt worden. (10. Oktober 2015) Am Unglücksort sind die Räumungsarbeiten in vollem Gang. (29. September 2016) Zahlreiche Spezialisten des Militärs waren am Gotthardpass an der Arbeit. Mehrere Passanten wurden Zeugen des Unglücks, das sich im Rahmen einer OSZE-Inspektion ereignete. Die Unglücksstelle befindet sich in unmittelbarer Nähe zur Gotthard-Passstrasse: Spezialisten des Militärs bei der Unglücksstelle. (29. September 2016) Die Gotthard-Passstrasse war am Tag darauf bereits wieder geöffnet: Velofahrer vor Arbeitern beim Wrack. (29. September 2016) Zahlreiche Mitarbeiter waren mit der Räumung des Unglücksorts beschäftigt. Die Armee koordinierte die Räumung mit dem Kanton Tessin. Für einzelne Aufgaben bei der Räumung und Säuberung könnten später auch zivile Stellen zum Einsatz kommen: Spezialisten des Militärs bei der Arbeit. Mit dem Super Puma abgestürzt: Bei einem der verunglückten Piloten handelt es sich um den 50-jährigen FDP-Stadtrat von Illnau-Effretikon, André Bättig. Bättig war wie sein ebenfalls beim Unglück verstorbener Kollege Milizpilot der Schweizer Armee. Aufnahmen am Unglücksort: Ein Fotograf macht Bilder des abgestürzten Helikopters beim Gotthard-Hospiz. (28. September 2016) Die Schweizer Luftwaffe hat unterdessen den Flugbetrieb mit den Super Pumas wieder aufgenommen. Der verunglückte Helikopter hat sich offenbar in den Kabeln eines Strommastes verheddert. Bundesrat Guy Parmelin trifft am Gotthard ein. Armeechef André Blattmann beim Eintreffen an der Unglücksstelle beim Gotthard-Hospiz. André Blattmann und Guy Parmelin neben der Unfallstelle. Armeechef André Blattmann spricht mit Medienvertretern nahe der Unglücksstelle. Die Militärjustiz nahm eine Untersuchung auf: Ein Polizist neben einem Wrackteil des Super Pumas. Ein Feuerwehrmann löscht die letzten entflammten Helikopterteile. Zwei Leichenwagen gaben traurige Gewissheit darüber, dass für zwei Menschen jede Hilfe zu spät kam. Unfall bei der Luftwaffe: Am Gotthardpass ist ein Super Puma der Schweizer Armee abgestürzt. (28. September 2016) Zum Absturz gegen Mittag kam es kurz nach dem Start. Die beiden Piloten starben. Ein Flughelfer wurde verletzt. Luftwaffenchef Aldo Schellenberg zeigte sich an der Medienkonferenz am Nachmittag «tief erschüttert». Es falle ihm unglaublich schwer, knapp einen Monat nach dem letzten Unglück schon wieder vor die Medien treten zu müssen, sagte er. Augenzeugen zufolge flog der Helikopter nur knapp über dem Boden, um Material oder Personen aufzuladen, als es zum Unfall kam. Dabei habe der Helikopter einen Strommast touchiert. Der Flug habe im Rahmen einer OSZE-Inspektion stattgefunden. Der Helikopter habe vier französische Offiziere und Begleitpersonen beim Gotthard-Hospiz abgesetzt. Schwarzer Rauch steigt über dem Wrack auf. Die Absturzstelle befindet sich nur rund 50 Meter vom Gotthard-Hospiz und rund 200 Meter von der Gotthard-Passstrasse entfernt, direkt an der Tremola. Über die Ursache des Absturzes liegen noch keine bestätigten Erkenntnisse vor. Die Schweizerische Rettungsflugwacht ist mit drei eigenen Helikoptern zur Absturzstelle ausgerückt. Zum Einsatz sind Rega-Maschinen aus Locarno, Erstfeld UR und Wilderswil BE losgeschickt worden. Rettungskräfte bei den Trümmern des verunglückten Militärhelikopters. Alle Trainingsflüge mit der Super-Puma-Flotte wurden eingestellt. Gemäss einer Nachricht des Bundesamtes für Zivilluftfahrt (Bazl) auf dem Kurznachrichtendienst Twitter ist der Luftraum über der Absturzstelle gesperrt, auch für Drohnen. Die Absturzstelle ist von weitem sichtbar. Ein Super-Puma-Helikopter der Schweizer Armee an einer Helikopter-Vorführung. (24. Juli 2016) Flugshow eines Super-Puma-Helikopters und dem PC-7 TEAM an den Air Days 2015 im Verkehrshaus der Schweiz in Luzern, Samstag 10. Oktober 2015, (PHOTOPRESS/Pius Koller)

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Nach dem Helikopter-Absturz auf dem Gottard werden immer mehr Informationen zu den Opfern bekannt. Bei den zwei Todesopfern handelt es sich um Milizpiloten der Armee.

Die Ausbildung von Miliz- und Berufsmilitärpiloten sei genau dieselbe, betonte Luftwaffensprecher Jürg Nussbaum an einer Medienkonferenz in Bern. Piloten der Schweizer Luftwaffe seien für Gebirgsflüge speziell ausgebildet, betonte das Verteidigungsdepartement (VBS) in einer Mitteilung. Auch nach Abschluss der Grundausbildung würden solche Flüge regelmässig trainiert.

Die Armee machte vorerst keine weiteren Angaben zu den zwei Piloten. Bei einem von ihnen handelt es sich aber um einen 50-jährigen Stadtrat aus Illnau-Effretikon ZH, wie die dortigen Behörden mitteilten. Zum beim Absturz schwer verletzten Flughelfer sagte Nussbaum, diesem gehe es «den Umständen entsprechend körperlich und psychisch sehr gut».

Flugbetrieb wieder aufgenommen

Bereits am Donnerstagmorgen, einen Tag nach dem Absturz, hat die Luftwaffe den regulären Flugbetrieb mit der Super-Puma-Flotte wieder aufgenommen. Dies, weil es keine Hinweise auf eine technische Ursache oder systemische Probleme gebe, wie Vertreter der Luftwaffe ausführten. Ob ein menschliches Versagen zum Unfall geführt habe, müsse die Untersuchung zeigen.

Fest steht, dass der Helikopter ein Kabel berührt hat. Ob dies zum Unfall geführt hat oder erst aufgrund des Unfalls geschah, ist noch offen. «Ursache und Wirkung sind Gegenstand der Untersuchung», sagte Nussbaum.

Die Super-Puma-Helikopter sind mit einem Kabelschneider ausgestattet, mit dem im Notfall zum Beispiel eine Stromleitung durchschnitten werden könnte. Allerdings ist der Kabelschneider vorne an der Nase des Helikopters angebracht, wie Super-Puma-Fluglehrer Lukas Rechsteiner erklärte. Er komme somit nur bei horizontalen Flügen zum Einsatz.

Aus brennendem Wrack geholt

Der Unfall ereignete es sich am Mittwochmittag in unmittelbarer Nähe des Gotthard-Hospizes. Im Rahmen einer OSZE-Inspektion brachte der Helikopter eine Delegation von vier französischen Offizieren und vier Schweizer Begleitern zu einer militärischen Anlage. Kurz nachdem die Passagiere ausgestiegen waren, geriet der Helikopter in Schwierigkeiten und stürzte ab.

Unter Lebensgefahr hätten Mitglieder der Delegation die beiden Piloten aus dem brennenden Wrack geholt, bevor es vom Brand zerstört worden sei. Als Vertreter der Luftwaffe bedanke er sich bei den Helfern, sagte Pierre de Goumoëns an der Medienkonferenz.

Bach wird gesäubert

Seit Donnerstagmorgen sind an der Unfallstelle umfangreiche Bergungsarbeiten im Gang. Unter anderem muss ein Bach in der Nähe der Unfallstelle gereinigt werden, der durch Löschwasser verschmutzt worden war.

Feuerwehrleute und viele Militärangehörige stehen im Einsatz, wie ein sda-Korrespondent vor Ort beobachtete. Eine mobile Militärunterkunft und Generatoren wurde aufgestellt und Schläuche verlegt. Das Gebiet ist weiterhin grossräumig abgesperrt. Die Gotthard-Passstrasse ist aber bereits seit Mittwochnachmittag wieder befahrbar.

Jürg Nussbaum informierte auch zu zwei weiteren Unfällen der Luftwaffe von diesem Jahr. Der im Juni in den Niederlanden verunfallte Pilot der Patrouille Suisse sei wieder im Flugdienst. Die Unfallstelle im Sustengebiet, wo Ende August eine F/A-18 abgestürzt war, sei geräumt. Im kommenden Jahr soll eine Nachräumung stattfinden.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Christian Frei am 28.09.2016 12:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    :0

    Bevor jeder anfängt mit Schuldfragen. Hoffentlich geht es allen gut!

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  • Zivilist am 28.09.2016 12:40 Report Diesen Beitrag melden

    Traurige Nachricht

    Gute Besserung den Betroffenen!!!

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  • Alex96 am 28.09.2016 12:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mein Beileid

    Mein Beileid an die Angehörigen. Hoffentlich gab es keine Tode.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Nico Ritter am 29.09.2016 23:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    und der zweite?

    man hört immer nur dass dieser stadtrat oder was "und ein weiterer miliz-pilot" ums leben gekommen sind... wer ist dieser zweite? ich würde es gerne wissen, ein bekannter von mir fliegt super puma bei der armee, bei mir herrscht unsicherheit. hab bisher nichts von ihm gehört

    • Go for all am 30.09.2016 09:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Nico Ritter

      Aus dem ZO Region Grüningen. Copilot bei CH Fluggesellschaft

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  • Go for all am 29.09.2016 23:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Beide Miliz

    Es waren beide Miliz Piloten. Deshalb wollte man keine Angaben abgeben, da man sich vor dem Hinterfragen der Miliz in der Luftwaffe nicht stellen wollte.

  • Guido am 28.09.2016 21:40 Report Diesen Beitrag melden

    Saftladen schweizer Armee

    Unglaublich .... aber passt irgendwie zur verkrusteten Armee. Alles bleibt so wie es schon immer war: Laien anHightechgeräten und die Frauen zu Hause am Herd ...

  • Anonymus am 28.09.2016 20:52 Report Diesen Beitrag melden

    Absolut aufrichtiges Beileid!

    Es tut mir sehr leid um die verunfallten Personen. Es stellt sich mir jedoch die Frage, was ausländische Offiziere im Auftrag der OSZE in der Schweiz zu suchen haben und dazu von Schweizer Militärangehörigen transportiert werden!

    • Go for all am 29.09.2016 22:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Anonymus

      Die Frage ist nur, weshalb die Schweiz soviel Besucht wird. Ein Besuch reicht ja locker für einen Bericht. Da ist es eher eine Frage des Militär Tourismus. Aber eben, da wird auf Kosten des Steuerzahlers der einzelnen Länder herum gereist. Eigentlich braucht es ja nur in den Kritischen Ländern mehr Kontrollen. Aber auch da, muss sich die OSZE nur absprechen, wer den Besuch macht und nicht jeder besucht jeden. Da ja die Berichte an die OSZE gehen, also für jeden nachlesbar.

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  • Tarki am 28.09.2016 19:44 Report Diesen Beitrag melden

    Daumen nach unten wieso ???

    Die Daumen nach unten stören und ist Krankhaft und das schreib ich als kein Freund von Armeen die aber trotzdem nötig sind, leider. Diese Daumen sollten bei solchen Unfällen fehlen. Auch fehlen bei privaten Unfälle, denn dort wird oft viel mehr negativ drauflos kommentiert, quAsi sowieso selber schuld. Ihr habt dann noch genügend Gelegenheit später, nachdem man das Denken eingeschaltet hat.