Präsidium der Grünen

18. Januar 2012 09:17; Akt: 18.01.2012 09:34 Print

Neue Energie dank diesem Youngster-Duo?

von Simon Hehli - Auf das neue Präsidium der Grünen wartet eine Herkulesaufgabe – dennoch gibts zahlreiche Bewerber. Eine Doppelspitze ist derzeit am wahrscheinlichsten.

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Adèle Thorens (links) und Bastien Girod (rechts) verstehen sich gut - und führen vielleicht schon bald gemeinsam die grüne Partei an. (Bild: Keystone)

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Ueli Leuenberger hat genug: Nach vier Jahren als Präsident der Grünen tritt der Genfer im April zurück. Zahlreiche Parteikollegen haben bereits ihr Interesse an seiner Nachfolge bekundet. Und das, obwohl der Job mit grossen Herausforderungen verbunden ist. Denn die Grünen sind nach den Wahlen vom Oktober angeschlagen: Sie verloren 1,2 Prozent Wählerstimmen und – noch schmerzlicher – aufgrund von Proporzpech 5 von 20 Nationalratssitzen.

Die Position der Grünen im Parteiengefüge ist ungemütlich geworden. Einerseits wildern die Grünliberalen in ihrem Revier – mit dem vagen Versprechen, dass Umweltschutz nicht zulasten der Wirtschaft gehen muss. Andererseits haben sich die Grünen nie von ihrer Rolle als Juniorpartner der SP lösen können. Die Positionierung der Nationalräte auf den Achsen links-rechts und liberal-konservativ auf Smartvote.ch zeigt: Die beiden Parteien sind inhaltlich praktisch deckungsgleich.

Erklären, was Energiewende bedeutet

Dazu kamen strategische Fehler. Die Grünen setzten unter Ueli Leuenbergers Führung im Wahlkampf voll auf den Atomausstieg. Doch das taten nach Fukushima auch die gekippten Parteien CVP und BDP. Die Grünen ruhten sich zu sehr auf den Lorbeeren aus, schon immer gegen AKWs gewesen zu sein – und 2011 endlich Recht bekommen zu haben. Die neue Parteiführung solle die Prioritäten anders setzen, fordert der abgewählte Zuger Nationalrat Jo Lang: «Wir müssen erklären, was Energiewende konkret bedeutet. Dass wir dafür unseren Lebensstil ändern müssen – aber mit mehr Lebensqualität belohnt werden.»

Für eine Energiewende nach ihrem Gusto haben die Grünen zwei Initiativen gestartet: eine für einen rascheren Atomausstieg, als es der Bundesrat vorsieht. Und eine für eine Reduktion der «Ressourcen-Verschwendung». Aus der «Wegwerfwirtschaft» soll eine Kreislaufwirtschaft werden mit forciertem Recycling und steuerlichen Anreizen für umweltschonende Unternehmen.

Gesucht: gute Kommunikatoren

Um diese Anliegen im Hinblick auf die Wahlen 2015 in der Öffentlichkeit zu verkaufen, brauchen die Grünen jedoch gute Kommunikatoren. Ueli Leuenberger war zumindest in der Deutschschweiz wenig präsent, obwohl er perfekt billingue ist. Das belegt auch die Mediendatenbank, die alle Artikel von Schweizer Print- und Onlinemedien speichert: Für die letzten zwölf Monate verzeichnet Leuenberger mit 1036 weniger Nennungen als Hans Grunder (BDP, 1281) und Martin Bäumle (GLP, 1117), deren Parteien deutlich weniger Wählerprozente erreichten.

Ein Grund dafür: Im Gegensatz zu Grunder und Bäumle, die in ihren relativ homogenen Kleinparteien fast nach Belieben den Takt vorgaben, preschte Ueli Leuenberger selten mit eigenen Ideen vor. Stattdessen versuchte er zuerst, eine Position innerhalb der Partei zu konsolidieren. Neo-Nationalrat Balthasar Glättli findet, dass sich Leuenbergers Nachfolger im Präsidium durchaus auch mal aufs Glatteis wagen dürfen. Die Medien verlangten nun einmal ab und zu nach «Schnellschuss-Positionierungen». Nur dürfe die Führungsspitze dann nicht beleidigt sein, wenn die Partei sie zurückpfeift, mahnt Glättli: «Es braucht eine dicke Haut.»

Eine Frau ist schon so gut wie gewählt

Zum Pflichtenheft des neuen Präsidiums wird auch gehören, die verschiedenen Flügel innerhalb der Partei zusammenzuhalten. Nach dem Wahldebakel muckten die liberal gesinnten «Realos» um Alec von Graffenried auf gegen den klaren Linkskurs der sogenannten Melonen-Grünen – aussen grün, innen rot. Eine elegante Lösung, um beide Strömungen optimal einzubinden, wäre eine Doppelspitze mit je einem Vertreter. Ein solches Co-Präsidium gilt in der grünen Bundeshausfraktion derzeit als wahrscheinlichste Variante für die Leuenberger-Nachfolge, wie mehrere Nationalräte bestätigen.

Balthasar Glättli hätte gerne ein sprachlich gemischtes Doppel an der Spitze: Jemand aus der Deutschschweiz für die «Arena», jemand aus der Romandie als Ansprechpartner für die welschen Medien. Falls die Delegierten das am 21. April ähnlich sehen, hat Adèle Thorens beste Wahlchancen. Denn die Waadtländer Nationalrätin ist zehn Tage vor Ablauf der Anmeldefrist die einzige Kandidatin aus der Westschweiz.

Girod stünde für den grossen Umbruch

Grösser ist das Gerangel unter den Deutschschweizer Grünen: Ein Sextett hat bereits Interesse bekundet. Da Thorens eher zum «Realo»-Flügel zu zählen ist, sind die Chancen der relativ links positionierten Nationalräte Geri Müller (AG, 51) und Regula Rytz (BE, 49) auf den ersten Blick gut. Zumindest besser als jene von Bastien Girod (ZH), der die «Melonen»-Abteilung mit kritischen Voten gegen die Zuwanderung erzürnte. Doch gerade dass der 31-jährige Jungstar zusammen mit Thorens und Fraktionschef Antonio Hodgers (35) für einen Generationenwechsel stünde, mache ihn interessant, findet Nationalrat Daniel Vischer. Seine Ratskollegin Yvonne Gilli hält die Chancen von Girod, Müller und Rytz für intakt.

Die weiteren drei Interessenten, Markus Kunz, Aline Trede und Esther Maag, haben hingegen ein entscheidendes Handicap: Sie sitzen nicht im Bundeshaus und damit nicht unmittelbar am politischen Puls. Daher kämen sie eher als Vizepräsidenten in Frage. Die Statuten der Grünen sehen derzeit zwar keine Vizepräsidenten neben einem Co-Präsidium vor. Doch das dürften die Delegierten im April ändern. Ähnlich wie bei der FDP sollen die Vizepräsidenten künftig spezifische Dossiers beackern, fordert Balthasar Glättli: «Sie könnten als inhaltliche Leuchttürme gegen innen wirken, aber auch als Ansprechpartner für die Medien.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Paul Dremmel am 18.01.2012 11:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verstehe ich nicht

    Für mein Verständnis: Bei den Grünen und Linken - wobei das ja eigentlich das gleiche ist - kommt man immer mit Teilzeit, Doppelbesetzung etc. Traut sich dort niemand Verantwortung alleine zu übernehmen? Aus meiner Sicht ist es immer irgendwie wischi-waschi.

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  • dr Juscht-Verträter am 18.01.2012 11:32 Report Diesen Beitrag melden

    Der Schweiz

    bleibt politisch wirklich nichts erspart ...! Es ist und bleibt seit 20 Jahren zum heulen.

  • Maiali am 18.01.2012 12:35 Report Diesen Beitrag melden

    Unglaubwürdig

    Wenn alle Grünen kein Auto mehr haben ,keine Geräte die Strom brauchen und nur noch kalt essen und ohne heizen Leben ,dann sind sie glaubwürdig und vorher nicht.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Paul Gerber am 19.01.2012 09:47 Report Diesen Beitrag melden

    Umweltschutz nur Vorwand

    Den Grünen geht es nicht um Umweltschutz, sondern um Kommunismus und Feminismus.

  • Blaise Horisberger am 18.01.2012 14:56 Report Diesen Beitrag melden

    Die Werte der Grünen nicht stampfen

    Ausser im Umweltbereich haben die Grünen und die GrünLiberalen wenig gemeinsam. Einzelnen Smarspider im Smartvote zeigen das sehr gut. Ausserdem hat die letzte DV der Grünen im November 2011 wiedermal Umweltschutz UND Solidarität als Grundlagen der Politik den Grünen festgelegt. Hat die Geschäftleitung der Grünen ihre Eigenbewustsein soweit verloren, dass ein Verlust von 1,5% Wahlanteil sie bringt die Grundwerte der Grünen zu stampfen.

  • Peter am 18.01.2012 13:52 Report Diesen Beitrag melden

    Politik besteht nicht nur aus Energie

    So lange jedes zweite Wort der Grünen aus Energie besteht, und andere Politsche-Probleme nicht mitgetragen werden, solange werden die Grünen auf keinen Grünen-Ast kommen.

  • Maiali am 18.01.2012 12:35 Report Diesen Beitrag melden

    Unglaubwürdig

    Wenn alle Grünen kein Auto mehr haben ,keine Geräte die Strom brauchen und nur noch kalt essen und ohne heizen Leben ,dann sind sie glaubwürdig und vorher nicht.

  • Urs Schöner am 18.01.2012 11:42 Report Diesen Beitrag melden

    Kassenplünderer

    Da kommen wieder unnötige Kosten auf uns zu. Steuern zahlen macht immer weniger Spass.

    • kein grüner am 18.01.2012 14:34 Report Diesen Beitrag melden

      Weil man

      eben nicht nur dort Steuern zahlt wo man selber Profitiert! Meinen zwar viele ist aber nicht so und war auch immer so!

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