Moderner, aber teuer

28. Januar 2019 22:05; Akt: 28.01.2019 22:05 Print

Das halten Pendler von den neuen Schliessfächern

von Michelle Medricky - Von Rucksäcken über sperriges Gepäck: SBB-Schliessfächer sind für viele Pendler und Reisende eine wichtige Dienstleistung. Jetzt erhöht die SBB die Tarife.

Pendler und Reisende berichten am Hauptbahnhof Zürich von ihren Erfahrungen mit den neuen Schliessfächern. (Action Team/Michelle Medricky/Bettina Zanni)
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An diversen Schweizer Bahnhöfen montierte die SBB kürzlich neue Schliessfächer. Dies führt dazu, dass Benutzer neu für teils kleinere Fächer deutlich tiefer in die Tasche greifen müssen. Die Meinungen der Kunden sind geteilt (siehe Video).

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Die Bezahlung an den modernisierten Schliessfächern erfolgt nicht mehr nur bar, sondern auch elektronisch. Ausserdem bekommt der Benutzer neu einen Scan-Code, womit das altmodische Schlüsselsystem wegfällt. Neu gibt es Schliessfächer in fünf verschiedenen Grössen, wobei im XXL-Locker eine erwachsene Person Platz hätte.

Obwohl das einfache System vielen gefällt, beobachtet man auch verunsicherte Benutzer. So falle die Bedienung erst leicht, wenn man erst mal wisse wie, meint ein älterer Passant. Auch jüngere Stimmen bestätigen anfängliche Schwierigkeiten, weil die Anleitung auf dem Bildschirm nur über Bilder und nicht über zusätzlichen Text funktioniere.

Aus Sicht der SBB überwiegen allerdings die Vorteile: «Bei Problemen und Störungen können sich die Kundinnen an das SBB-Fundbüro wenden», sagt Sprecher Raffael Hirt. Es gebe pro Monat nur eine bis zwei Rückmeldungen zur Bedienung.

Modernisierung kostet

Die Konsumentenzeitschrift «K-Tipp» stellte kürzlich fest, dass der Tarif für eine sechsstündige Aufbewahrung in den neuen Schliessfächern dem alten 24-Stunden-Tarif entspricht. Wollte ein Pendler also seinen Tagesrucksack im kleinsten Schliessfach verstauen, zahlte er bis anhin eine 24-Stunden-Pauschale von 6 Franken. Neu muss er aber 11 Franken hinblättern oder auf die sechsstündige Aufbewahrung ausweichen, die 5 Franken kostet.

Grünen-Politikerin Nancy Holten (44) fordert deshalb die Einführung von günstigeren Tarifkategorien für kürzere Lagerzeiten von beispielsweise zwei Stunden. Laut SBB entsprechen die neuen Schliessfächer den Kundenbedürfnissen: «Die Preise wurden ebenfalls angepasst, aber nicht durchs Band weg erhöht.» Früher lagen die Preise zwischen 6 und 9 Franken für 24 Stunden, wobei sie sich heute auf 5 bis 12 Franken belaufen.

Preise werden unterschiedlich wahrgenommen

Speziell einige in der Schweiz wohnhafte Benutzer finden die Preise überrissen. Touristen hingegen schätzen das Angebot zu sehr, um sich über die Preise zu beklagen. So findet Max Sorondo (59) aus den USA die Schliessfächer fantastisch: «Sie retteten uns davor, unser Gepäck in der ganzen Stadt herumtragen zu müssen. Die Preise finde ich deshalb ganz okay.»

Bei Zürcher Passanten tönt es schon anders. So findet Erstbenutzer Michel Baumgartner (44) die Preise relativ happig. Noemi (19) gibt zu bedenken, dass sobald das Schliessfach einmal geschlossen sei, Vergessenes nicht mehr herausgenommen werden könne. Dies sei ihr bereits bei den alten Fächern aufgefallen.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • ChrisV am 28.01.2019 22:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Normaler Alltag

    Ganz normaler Alltag. Es vergeht keine Woche ohne, dass wieder ein Sesselhocker mit neuen Gebühren oder mit Gebührenerhöhungen kommt. Immer abzocken ohne eine echte Gegenleistung zu bringen, na ja.

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  • Pendler am 28.01.2019 22:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Abzocke

    Besonders, dass man nicht zwischendurch was aus dem Schliessfach holen kann ohne dass eine neue Miete bezahlt werden muss, ist äusserst nervig. Für mich reine Abzocke!

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  • Asterix am 28.01.2019 22:23 Report Diesen Beitrag melden

    Erinnert Ihr Euch noch?

    Mit der FABI - Abstimmung wurde beschlossen, die Steuerzahler noch mehr zu schröpfen um dem ÖV noch mehr Geld zukommen zu lassen. Jetzt werden die Billets teurer und sogar die Schliessfächer. Gleichzeitig wird die Infrastruktur immer maroder. WOHIN verschwindet all das Geld ( das man vor allem den Autofahrern klaut )?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Christoph am 30.01.2019 12:53 Report Diesen Beitrag melden

    schliiiiifts?!

    6 Stunden CHF 5 bis 12 und ihr jammert rum?! unglaublich, dann schleppt doch euren Gerümpel mit rum!

  • Rene A am 29.01.2019 15:21 Report Diesen Beitrag melden

    SBB und Coca Cola spannen zusammen

    Haben die SBB und Coca Cola zusammengetan, Menge oder Fläche verkleinern zu gleichen Preis. Hat He. Meyer nicht behauptet dass es keine Preiserhöhungen geben soll in diesen SBB Quartal. Da sieht man mal was ein Versprechen wert ist

  • Kurt am 29.01.2019 13:50 Report Diesen Beitrag melden

    Unverschämt

    Die Fächer kosteten mal 2 Franken.

  • Sarah am 29.01.2019 13:44 Report Diesen Beitrag melden

    Wozu brauchen Pendler Schliessfächer?

    Ich pendle selber nicht aber wozu brauchen Pendler Schliessfächer?

  • Markus Kuster am 29.01.2019 12:51 Report Diesen Beitrag melden

    Feministische Bemerkung

    Der Satz "Bei Problemen und Störungen können sich die Kundinnen an das SBB-Fundbüro wenden" ist Männer und Frauendiskriminierd. 1. Er unterstellt dass nur Frauen Probleme mit den Schliessfächern haben. 2. Er Schliesst Männer nicht mit ein. Ergo: Shitstorm #SBBGATE? Wann reagiert die Politik? UN-Sonderausschuss? Wer Sarkasmus findet darf ihn behalten.