Einbruchswelle

14. September 2013 18:50; Akt: 14.09.2013 18:50 Print

Neue Webseite bietet Erste Hilfe bei Einbruch

Vom Schlüsseldienst bis zum Psychologen: Im Internet bieten Einbruchsopfer anderen Betroffenen Soforthilfe. User-Hinweise sollen bei der Jagd nach den Tätern helfen.

Bildstrecke im Grossformat »

Fehler gesehen?

Alle acht Minuten wird in der Schweiz eingebrochen. Mit 932 Einbruchsdiebstählen pro 100'000 Einwohnern jährlich stehen wir derzeit europaweit an der Spitze. Zum Vergleich: Im Nachbarland Deutschland sind 148 von 100'000 Personen betroffen. Die Delikte kommen die Schweizer teuer zu stehen. Inzwischen geht weit mehr als ein Drittel aller Haftpflicht- und Hausratsschäden auf das Konto von Einbrechern und Dieben. Das zeigt eine Analyse des Internet-Vergleichsdienstes Comparis von Anfang Jahr. Jeder zweite Schaden, den Einbrecher hinterlassen, beläuft sich auf mehr als 4'000 Franken.

Für viel Betroffenen weit schlimmer sind die emotionalen Folgen. Sie verlieren nicht nur persönliche Besitztümer, sondern auch das Gefühl von Geborgenheit in den eigenen vier Wänden. «Das ist am gravierendsten», sagt Caroline Wilhelm. Die Familie der 42-Jährigen aus dem Kanton Zürich wurde vor zwei Jahren Opfer von Einbrechern. «Beim Heimkommen sah ich ein gekipptes Fenster, dachte mir aber nichts Böses. Erst im hinteren Teil des Hauses erkannte ich, dass wir bestohlen worden waren.» Büroschränke waren aufgebrochen, Schubladen herausgerissen und die Schlafzimmerschränke durchwühlt. «In dem Moment wurde mir klar, dass das Leben nicht mehr so sein wird wie davor.» Tatsächlich verfolgt die Tat die Mutter eines Sechsjährigen bis heute: «Beim Heimkommen überprüfe ich noch immer die Räume, bevor ich mich ruhig fühlen kann.»

Opferhilfe darf nicht fehlen

Die Polizei konnte der Familie damals aus Zeitgründen nicht weiterhelfen. «Die Patrouille musste bald schon weg zum nächsten Termin», erinnert sich Wilhelm. «Wir nehmen uns zwar so viel Zeit wie möglich für jeden Fall. Aber wenn fünf weitere Einbrüche gemeldet wurden, ist es knapp», sagt Rolf Gasser von der Abteilung Prävention der Kantonspolizei Zürich. Nach einem Vorfall kann man zwar einen Termin mit den Präventionsexperten der Kapo in Anspruch nehmen. Die Opferhilfestellen hingegen dürfen nur beraten, wenn es zu einer Konfrontation mit dem Täter gekommen ist.

Mit der Homepage einbruch-diebstahl.ch will Wilhelm anderen Betroffenen deshalb selbst Erste Hilfe leisten. Die ist praktischer Art: Betroffene finden einen Leitfaden, was zu tun ist – vom Sperren der Kreditkarten bis zum Anruf beim Schlosser. Dazu kommen Adressen von Schlüsseldiensten, Putzinstituten, Schreinern und Sicherheitsfirmen. Aber auch emotional soll die Webseite helfen: Wilhelm ist derzeit noch auf der Suche nach Psychologen, deren Kontakt sie angeben kann. «Ausserdem sieht man im Forum, dass man nicht alleine dasteht.»

Hinweise auf Täter posten

Das Forum hat aber noch eine andere Funktion: Betroffene können dort ihren Fall beschreiben und dann für Freunde und Nachbarn oder alle User freischalten. Wilhelm hofft, dass so Hinweise zusammenkommen, die der Polizei bei der Tätersuche helfen. «Vielleicht haben ja Unbekannte in der Nachbarschaft geklingelt oder jemand hat ein verdächtiges Auto in der Strasse stehen sehen.»

Das Feedback auf die neue Seite ist bis jetzt sehr gut. Letzte Woche stellte Wilhelm sie Stadt- und Kantonspolizei Zürich vor. «Hier wurde zwar nicht das Rad neu erfunden, aber es ist viel umfassender als der Leitfaden, den wir Einbruchsopfern abgeben», so Gasser. Auch bei der Schweizerischen Kriminalprävention schätzt man das Engagement. «Die Webseite ist gut gemacht und bietet Hilfe von A bis Z», sagt Präventionsexpertin Chantal Billaud.

Wilhelm freut das Lob. Sie hat seit Anfang Jahr unzählige Stunden in das Projekt investiert. «Es wäre toll, wenn damit bei den Betroffenen wenigstens das Ohnmachtsgefühl gelindert werden könnte.»

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Heinz Erhard am 15.09.2013 11:06 Report Diesen Beitrag melden

    Einbrechbanden aus dem Ostblock

    Ich würde gerne erfahren wie sich die Zahl der Einbrüche auf 100'000 Einwohner im Verlauf der letzten 30 Jahre entwickelt hat. Kann man einen überproportionalen Anstieg nach dem Schengen-Beitritt feststellen? Mein subjektives Empfinden sagt mir, dass Einbrecherbanden aus Rumänien und Bulgarien die Quote in den letzten Jahren massiv erhöht hat.

  • Stefan am 15.09.2013 10:53 Report Diesen Beitrag melden

    Politiker und Anwalts- Gilde

    In einigen Kommentaren steht, die Polizei sei schuld. Was sollen sie denn machen? Wenn einer etwas hart angefasst wird ist es falsch, wenn einer entwischt ist es ebenfalls nicht gut. Ein Einbrecher wurde von einem Polizisten getreten und schon kommen die Schreiberlinge mit Menschenrechten. Hätte er halt nicht einbrechen sollen!! Es muss ja schon ohnmächtig sein, wenn man einen erwischt hat und am nächsten Tag irgend ein dahergelaufener Anwalt kommt, um ihn rauszuholen. Nochmals: Politiker und Justiz sind das Problem! Geht wählen, und wählt überlegt!!

    einklappen einklappen
  • Peter am 14.09.2013 23:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tolle Zustände

    Wir haben die teuersten Polizisten in Europa, viele hochbezahlte Richter und Staatsanwälte. Dem gegenüber haben wir die höchste Einbrecherzahl in Europa mit tiefster Aufklärungsrate, schicken Vergewaltiger mit 30 jährigen Müttern in "Reitstunden" und andere Verbrecher in Kampfsportstunden. Wenn ich jedoch in Zürich falsch parke, dann zahle ich Verbrecher horrende Summen um diesen Spassbetrieb aufrecht zu erhalten.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Melanie am 15.09.2013 13:05 Report Diesen Beitrag melden

    riesen Theater ...

    bei mir wurde vor Jahren auch mal eingebrochen. Ich verstehe das Theater darum nicht. Klar ist es mühsam, wenn Sachen wegkommen, aber sich eine Psychologen holen finde ich schon etwas sehr sehr sissy-mässig. Bitte!

  • Heinz Erhard am 15.09.2013 11:06 Report Diesen Beitrag melden

    Einbrechbanden aus dem Ostblock

    Ich würde gerne erfahren wie sich die Zahl der Einbrüche auf 100'000 Einwohner im Verlauf der letzten 30 Jahre entwickelt hat. Kann man einen überproportionalen Anstieg nach dem Schengen-Beitritt feststellen? Mein subjektives Empfinden sagt mir, dass Einbrecherbanden aus Rumänien und Bulgarien die Quote in den letzten Jahren massiv erhöht hat.

  • Stefan am 15.09.2013 10:53 Report Diesen Beitrag melden

    Politiker und Anwalts- Gilde

    In einigen Kommentaren steht, die Polizei sei schuld. Was sollen sie denn machen? Wenn einer etwas hart angefasst wird ist es falsch, wenn einer entwischt ist es ebenfalls nicht gut. Ein Einbrecher wurde von einem Polizisten getreten und schon kommen die Schreiberlinge mit Menschenrechten. Hätte er halt nicht einbrechen sollen!! Es muss ja schon ohnmächtig sein, wenn man einen erwischt hat und am nächsten Tag irgend ein dahergelaufener Anwalt kommt, um ihn rauszuholen. Nochmals: Politiker und Justiz sind das Problem! Geht wählen, und wählt überlegt!!

    • tea tanner am 15.09.2013 14:24 Report Diesen Beitrag melden

      stefan

      stefan kann dich voll unterstützen !!!!

    • Nadine am 15.09.2013 18:02 Report Diesen Beitrag melden

      Stefan

      Absolut richtig formuliert!

    • bubu am 15.09.2013 21:07 Report Diesen Beitrag melden

      gleiche Köpfe

      Wählen nützt nichts. Es stehen Schweizweit immer die gleichen Köpfe zur Wahl. Punkt, aus!

    einklappen einklappen
  • Toulouse L'Autrec am 15.09.2013 10:26 Report Diesen Beitrag melden

    Gut und mies

    Nach meiner Erfahrung sind die Untersuchungsbehörden in der Schweiz absolut Schrott. Wenn sie sich überhaupt etwas annehmen, dann gehen sie naivst vor. Einzig: einige Polizeiorganisationen, aber die werden oft abgeklemmt, weil sie "zu sehr TV seien". Ich kenne ausländische Untersuchungsbehörden und von denen sind wir Galaxien weit entfernt. Dafür sind wir in der Forensik Spitze und unterstützen das Ausland sehr aktiv.

    • Mike am 15.09.2013 11:59 Report Diesen Beitrag melden

      Was soll man nur machen?

      Und worauf stützen sich Ihre Erfahrungen? Ich frage mich, was wollen Sie denn ermitteln, wenn Einbrecher Handschuhe tragen und keine menschlichen Spuren hinterlassen?

    einklappen einklappen
  • erkan am 15.09.2013 10:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    tja

    blöde wen einem der pc geklaut wird .