SBB-Pläne durchkreuzt

29. September 2017 05:47; Akt: 29.09.2017 08:15 Print

Neue Züge ins Tessin stehen auf der Kippe

von Stefan Ehrbar - Der Bund bremst die SBB am Gotthard aus. Er will Güterzügen den Vorrang vor Personenzügen geben. Nun steht ein Paradezug in Frage.

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Keine zwei Monate durften sich die Basler und Luzerner freuen. «Ab Dezember wird ab Basel und Luzern eine tägliche Frühverbindung via Gotthard-Basistunnel eingeführt», teilte die SBB Anfang August mit. Am Mittwoch pfiff das Bundesamt für Verkehr (BAV) die Bahn zurück. Aus der täglichen Verbindung wird nichts. Die SBB darf den Zug nur von Freitag bis Montag anbieten. «Damit soll verhindert werden, dass der Güterverkehr das Nachsehen hat», teilt das BAV mit. Schliesslich wurde der neue 57-Kilometer-Tunnel ursprünglich vor allem für Güterzüge gebaut.

In der Zentralschweiz ist der Ärger gross: «So etwas dürfen wir uns nicht bieten lassen», sagte FDP-Ständerat Damian Müller der «Luzerner Zeitung». Der Entscheid sei «total unverständlich». Tatsächlich hatten Basler und Zentralschweizer Politiker lange dafür gekämpft, am Morgen eine Direktverbindung ins Tessin zu erhalten. Denn heute müssen die Passagiere aus diesen Regionen in Arth-Goldau auf einen häufig schon vollen Zug aus Zürich umsteigen. In der Vergangenheit mussten sogar Reisende am Perron zurückbleiben.

Super-Schnellzug schon wieder am Ende?

Der Entscheid des BAV bedroht künftige Ausbaupläne. Insbesondere der «Superveloce», eine neue schnelle Verbindung zwischen Zürich und Mailand, der von der SBB vor kurzem präsentiert wurde, steht schon wieder auf der Kippe. Der Zug soll zwischen 8 und 9 Uhr morgens Zürich verlassen und mit Halt in Lugano und Como nach weniger als drei Stunden Fahrzeit Mailand erreichen.

Der «Superveloce» war nicht vorgesehen, als das Angebot des Gotthard-Basistunnel geplant wurde. Ob das BAV grünes Licht gibt, ist nun unklar. «Verbindungen wie der ‹Superveloce›, die über das bei der Konzeption der Neat beschlossene Angebot hinausreichen, dürfen nicht dazu führen, dass Trassen des Güterverkehrs beeinträchtigt werden», sagt BAV-Sprecher Andreas Windlinger zu 20 Minuten.

«Brauchen neue Verbindungen»

Damit spricht er das Dilemma des neuen Gotthard-Tunnels an. Mit ihm wurden die Verbindungen in das Tessin und nach Italien deutlich schneller. Als Folge davon stiegen die Fahrgastzahlen bereits in den ersten sechs Monaten um 30 Prozent. An schönen Wochenend-Tagen und in den Ferien sind die Züge regelmässig voll belegt. «Die hohe Nachfrage Nord-Süd am Morgen und am Abend zurück erfordert zusätzliche Verbindungen», schrieb die SBB im August in einer Präsentation.

Im Gotthard-Basistunnel sind laut BAV zwei Fernverkehrszüge pro Stunde und Richtung möglich. Voll ausgenutzt ist die Kapazität noch nicht, denn den zweiten Fernverkehrszug führt die SBB bisher nur zu jeder zweiten Stunde. Das BAV argumentiert, der Personenverkehr habe noch Reserven. Doch die SBB will vor allem morgens und abends zusätzliche Personenzüge ins Tessin und nicht tagsüber. Genau die sorgen für Probleme.

«Tatsache ist, dass die Kunden aus der Deutschschweiz am Morgen ins Tessin reisen wollen und sich die Nachfrage nicht gleichmässig über den ganzen Tag verteilt», sagt SBB-Sprecherin Franziska Frey. Der «Superveloce» sei auf den Fahrplanwechsel Ende 2019 in Prüfung. Die SBB bedaure den Entscheid des BAV. Für sie sei nun wichtig, dass zusammen mit dem BAV und den Güterverkehrs-Firmen das Kapazitätsmanagement durch den Gotthard-Basistunnel «diskutiert» werde und «bedarfsgerechte Lösungen» eruiert würden.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Verlagerer am 29.09.2017 06:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Neat ist und bleibt für Güterverkehr!!!

    Die Neat wurde für die Güterverlagerung gebaut und nicht für den Personenverkehr. Schliesslich wird auch die LSVA der Lastwagen mehrheitlich für die Umlagerung eingesetzt. Es wäre eine Ohrfeige mehr für den Transporteur, wenn die Verlagerung nicht möglich wird, weil die Neat dann mehr für Personenverkehr benutzt würde. Politiker, denkt an die Versprechungen!!!

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  • Skywalker99 am 29.09.2017 06:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    an die Arbeit!

    los, nächste Röhre buddeln ;-)

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  • John l'Éveillé am 29.09.2017 06:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ERROR

    Die "superveloce Verbindung" bringt Luzerner und Basler (damit auch Westschweizer) GAR NICHTS, der Zug aus Zürich würde voll sein und in Arth Goldau keine Passagiere mehr aufnehmen!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • digitaler Schnauz am 30.09.2017 14:59 Report Diesen Beitrag melden

    macht nix

    auch vor dieser Geburt wird man noch mühsam pressen müssen. Aber am Ende ist das Baby da und von Götti bis zum Tanti haben alle eine RIESEN Freude daran!

  • digitaler SchnauZ am 30.09.2017 14:37 Report Diesen Beitrag melden

    zusätzliche Subventionen für die SBB

    Auf jeden Liter Benzin und Diesel sollen 5 Rappen zusätzlich für Subventionen für die SBB erhoben werden. Von einem guten Bahnnetz profitireren alle Bewohner der Schweiz. Darum sollen zusätzlich Subventionen an die SBB erteilt werden - finanziert durch den Privatverkehr

  • Traveller am 29.09.2017 17:07 Report Diesen Beitrag melden

    Mit dem Tunnel ist der Zauber weg

    Einmal Tunnel mag ja für den Gwunder interessant sein. Nur der Zauber und das Erlebnis der alten Strecke durch die Alpentäler ist weg. Gerade Touristen dürften ohne das einmalige Erlebnis der alten Strecke die Schweiz in anderer Erinnerung behalten.

  • Tom am 29.09.2017 16:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Und warum nicht oben drüber

    Ein schneller Zug braucht in der Röhre sehr viel Energie wegen dem Luftwiederstand. Beim oben drüber, könnte er bei der Talfahrt 50% rekuperieren, und auf die 20min länger kommts doch nicht drauf an.

    • Ruprecht margrith am 01.10.2017 18:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Tom

      Ja stimmt den in bellinzona verliert man die ganze Zeit die durch denn Tunnel gewonnen wird

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  • Bi am 29.09.2017 13:39 Report Diesen Beitrag melden

    Mehr mehr und nochmals mehr... für wen?

    Es ist immer das selbe. Mehr du hast mehr du willst. Von eine voll gestopfte Strasse werden zwei voll gestopfte Strasse sein. Mehr Strasse du baust (egal Nationalstrasse, Autobahn oder Schiene) mehr Verkehr wirdst du haben. Die Autos sind gleich oder sogar mehr geworden und das Problem ist verschoben, aber geblieben. ...und wir jammern, toll oder?