14. April 2005 15:12; Akt: 14.09.2005 16:55 Print

Neues Anflugregime: Keine Komplikationen

Am ersten Tag mit neuer Luftraumstruktur ist es am Flughafen Zürich kaum zu Verspätungen gekommen.

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Die Neueinteilung wurde nötig, weil zwei Warteräume von deutschem auf Schweizer Gebiet verlegt werden mussten.

«Entgegen unserer Erwartungen ist es sehr gut gelaufen», sagte Sonja Zöchling, Sprecherin der Flughafenbetreiberin Unique, am Donnerstagnachmittag auf Anfrage. Bei den Starts sei es lediglich zu Verspätungen von maximal 15 Minuten gekommen. Dasselbe gelte auch für landende Maschinen, wobei einige Flugzeuge auch zu früh ankamen.

Als problemlos und unspektakulär bezeichnete auch Partrick Herr, Sprecher des Flugsicherungsunternehmens Skyguide, den ersten Tag. Schlüssige Erkenntnisse könnten aber erst in drei bis vier Wochen gewonnen werden, wenn wieder Normalbetrieb herrschen soll. Derzeit werden zwischen 15 bis 20 Prozent weniger Maschinen im Luftraum gedultet.

Piloten ohne neue Karten

Der erste Flug im neuen Luftraum war um 4.20 Uhr ein Flug der Rega, wie Herr weiter sagte. Ab 6 Uhr setzte der planmässige Flugverkehr ein. Bereits eine Viertelstunde später musste Skyguide eine Maschine «mit besonderer Aufmerksamkeit» bei der Landung begleiten. Der Pilot hatte die notwendig gewordenen neuen Flugkarten nicht an Bord.

Insgesamt wurden 2000 Fluggesellschaften aus aller Welt mit neuem Kartenmaterial ausgestattet. Ohne dieses darf laut Herr vom Flughafen Zürich nicht mehr gestartet werden. Am Donnerstag musste sich ein Pilot die neuen Karten erst besorgen, bevor er starten konnte.

Lange Vorbereitungszeit

Die Neueinteilung des Zürcher Luftraums erfolgte auf Druck der deutschen Regierung. Zwei Warteräume über deutschem Gebiet mussten in die Schweiz verschoben werden. Sie liegen nun über dem aargauischen Fricktal und in der Region Kreuzlingen/Weinfelden TG. Insgesamt wurden 1300 Flugkilometer neu festgelegt.

Die Schweizer Flugsicherung bereitete sich eineinhalb Jahre auf den Wechsel vor. Beigezogen wurden auch norwegische Sicherheits- Spezialisten. 170 Flugverkehrsleitende wurden im Hinblick auf die Änderungen umgeschult.

Zurückhaltung in Deutschland

Die Neuordnung sei ein kleiner Schritt in die richtige Richtung, sagte der Landrat des Kreises Waldshut D, Bernhard Wütz, am Donnerstag. Für viele Grenzgemeinden bleibe aber die Lärmbelastung unerträglich hoch.

Der Bürgermeister der besonders betroffenen Hochrhein-Gemeinde Hohentengen, Martin Benz, betrachtet die Lage «nach wie vor sehr kritisch». Die Maschinen würden auf Schweizer Seite weiterhin sehr nahe an deutsches Gebiet heranfliegen. Dabei gelte der Satz: «Je später der Abend, desto näher die Grenze», sagte Benz.

(sda)