Befragung in der Schweiz

27. März 2020 07:12; Akt: 27.03.2020 07:12 Print

Umgang mit Krise – miese Note für die Bevölkerung

Ein Stimmungsbarometer fühlt in der Krisenzeit den Puls der Bevölkerung. Ungenügend bewertet wird das Verhalten der Bevölkerung, das Gesundheitswesen bekommt dagegen Bestnoten.

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In der Zeit der Corona-Krise haben der Online-Vergleichsdienst Comparis und das Marktforschungsinstitut Marketagent einen ersten Stimmungsbarometer veröffentlicht. Dazu wurden Personen in der gesamten Schweiz über das Krisenmanagement von verschiedenen Akteuren befragt. Darunter etwa die Regierung, das Gesundheitswesen, die eigene Familie oder Finanzakteure. Vergeben wurden in der repräsentativen Befragung Noten von 1-6 (siehe Box).

Gesundheitswesen mit Bestnote

Oben hinaus schwingt beim ersten Stimmungsbarometer das Gesundheitswesen mit einem Durchschnittswert von 5,27, wie es in einer Medienmitteilung von Comparis heisst. Über 80 Prozent der Befragten würden die Massnahmen der Akteure im Gesundheitswesen als gut bis sehr gut bewerten. Für Felix Schneuwly, Gesundheitsexperte bei Comparis ist das kein unerwartetes Ergebnis. Er sagt: «Unser Gesundheitswesen schneidet in Umfragen abgesehen von den hohen Krankenkassenprämien seit Jahren gut ab. Ich bin zuversichtlich, dass die Noten in der Krise noch besser werden. Das wird den Gesundheitspolitikern mit dem Kostenröhrenblick hoffentlich zu denken geben.»

Knapp dahinter folgt die eigene Familie mit einer Note von 5,17, heisst es weiter. Trotz Zerreissproben durch Schulschliessungen oder Homeoffice halten die Familien zusammen. Für Liane Nagengast, Senior Researcherin bei Marketagent, ist diese Note ein Zeichen, dass sich die Familien in der schwierigen Situation zusammengerauft haben, um sich den neuen Gegebenheiten anzupassen.

Regierung landet im Mittelfeld

Die Regierung bekommt von der Bevölkerung im Stimmungsbarometer mit 4,4 eine mittelmässige Note. Nur knapp über die Hälfte findet die Krisenbewältigung durch die Regierung aktuell für gut bis sehr gut. Fast jeder Zehnte hält die getroffenen Massnahmen dagegen für ungenügend bis schwach. Besonders schlecht weg kommt die Regierung bei den Tessinern und den Welschen.

Schneuwly zeigt sich überrascht: «Angesichts der schnellen und unbürokratischen Hilfe für die Firmen, Angestellten und Selbständigerwerbenden ist das schwer verständlich.» Offensichtlich würden die Einschränkungen an der Wirtschaftstätigkeit und der persönlichen Freiheit als einschneidend empfunden, meint er.

Jeder Zehnte gibt Mitbürgern schlechte Note

Besonders kritisch sind die Befragten mit dem Verhalten der Bevölkerung in der Schweiz, wie die Note von 3,76 zeigt. Das sei wohl ein Zeichen dafür, dass viele mit den verordneten Massnahmen des Bundes nicht klar kommen, meinen die Autoren des Stimmungsbarometer. Mehr als jeder Zehnte gibt den Mitbürgern die Note 1 oder 2. Dabei geben die 16- bis 19-Jährigen im Durchschnitt die schlechtesten Noten. «Das hat wohl damit zu tun, dass sich noch immer viele ältere Personen, also jene mit dem höchsten Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf, im öffentlichen Raum und in den Supermärkten bewegen», glaubt Schneuwly.

Comparis und Marketagent führen solche Befragungen auch in den nächsten Wochen durch. Es soll wöchentlich ein Stimmungsbarometer erscheinen.

(mig)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • m.m am 27.03.2020 07:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ist doch klar

    logisch zeigen jetzt alle auf die anderen. einer geht wc papier hamstern der andere ist mehr unterwegs als er sollte. die anderen bringen die kinder zu den grosseltern. und wie kann man das gesunheitswesen benoten ohne an dem virus erkrankt zu sein? logisch machen die bestimmt einen guten job aber dank der bevölkerung die sich an die regel halten, sind die spitäler noch nicht überfüllt.

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  • Karin Späth am 27.03.2020 07:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schönes Wetter

    Heute und morgen einigermaßen schönes Wetter. Bin gespannt, was dann los sein wird...

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  • Grosi am 27.03.2020 08:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Das Virus ist keine Giftwolke

    noch nie war die Luft so rein. Einfach Distanz einhalten( wenn jeder 2m einhalten würde, ergäbe es 4m) Alte Menschen brauchen um gesund ZU BLEIBEN täglich einen Spaziergang um Vitamin D zu tanken. Junge können eher wenig bekleidet auf dem Balkon Vitamin D aufnehmen und Turnübungen auf der Yogamatte ausüben. Radfahrer hat es zuhauf und auch da ist Distanz gegeben. Wir wollen gesund bleiben und das geht nur, wenn wir im Frühling Sonnenlicht tanken. Nicht jeder hat einen Garten, aber jeder weiss, was Distanz ist, und wie gesagt, es ist ein Virus, keine Giftwolke, danke und eine gute gesunde Zeit.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Reto Kieser am 29.03.2020 09:35 Report Diesen Beitrag melden

    Ich kann die miese Note nicht ...

    ..nachvollziehen: Im Coop sind alle sehr diszipliniert. Zum Gesundheitswesen ?.. Fehlende FFP Masken, keine Pflicht im Coop Hygienemasken zu tragen wie das BAG 2018 empfohlen hat. ?..Fehlende Produktionskapazitäten ?.. Und was soll "stay at home". Die Rentner sollen an die frische Luft - einfach mit Abstand.

  • Urs Geldgail am 28.03.2020 17:32 Report Diesen Beitrag melden

    Armes Volk

    konsum, konsum bestellen kaufen arbeiten schlafen kaufen konsumieren=SCHWEIZ-----GELDGELDGELD----alles Sklaven des Konsums--armes Volk

  • blume am 28.03.2020 13:07 Report Diesen Beitrag melden

    Neuropathologe Adriano Aguzzi

    «Leute riefen mich an und beschimpften mich» .. mit recht ... sie sähen unnötig panik und plustern sich auf ....... die vergangenheit hat gezeigt es gibt genügend sogen. wissenschaftler mit profilierungsneurose

  • Weber Edmund am 28.03.2020 11:55 Report Diesen Beitrag melden

    Hoffnung auf Veränderung

    Ich habe schon gewusst und erlebe es jeden Tag: Wir haben zu viele Arschlöcher jeden Alters in diesem Land und auch deshalb hoffe ich dass dieses kleine Virus eine grosse Veränderung in unserer Spiel und Spass Gesellschaft erzwingen wird.

  • Jean moser am 28.03.2020 08:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unfähigkeit und Überforderung

    Jetzt sehen wir wie Unfähigkeit und Überforderung bei Politikern aussehen! Bitte bei den nächsten Wahlen ins Gedächtnis rufen!

    • THINK! am 29.03.2020 13:11 Report Diesen Beitrag melden

      Pest und Cholera

      Man wählt zwischen unfähig und überfordert. Man sieht jedesmal wenn eine Krise kommt, wie unvorbereitet man ist, den wer sich vorbereiten würde, der rüttelt am heile Weltbild und das Weltbild ist das einzige was zählt.

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