Aushelfen im Gefängnis?

15. Oktober 2013 08:06; Akt: 15.10.2013 08:10 Print

Niemand will WK-Soldaten

von C. Alabor - Personalmangel im Gefängnis, bei Grenzwacht und Polizei – WK-Soldaten könnten helfen, findet die Junge BDP. «Eine Schnapsidee», antworten die Betroffenen.

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Der Fall Adeline hat die Schweiz erschüttert. Einer der Gründe, warum es so weit kommen konnte, war laut Kritikern der Personalmangel im Gefängnis. Nun glaubt die Junge BDP, eine einfache Lösung für das Problem gefunden zu haben: Sie will WK-Soldaten in Gefängnisse schicken, damit sie dort aushelfen. Auch beim Grenzwachtkorps sollen die Soldaten zum Einsatz kommen, um möglichen Flüchtlingsströmen Herr zu werden.

Umfrage
Sollen WK-Soldaten die Aufgaben der Polizei oder des Gefängnispersonals übernehmen?
18 %
23 %
26 %
33 %
Insgesamt 5238 Teilnehmer

«Die Idee ist, dass WK-Soldaten temporär dort eingesetzt werden, wo es nötig ist», sagt Filip Winzap von der Jungen BDP. So könnten die Soldaten mit ausgebildeten Grenzwächtern an der Landesgrenze patrouillieren. Im Gefängnis sollen sie bei Eingangskontrollen zum Einsatz kommen oder bei Sicherheitsrundgängen. Auch bei der Polizei könnten sie Patrouillen in der Agglomeration durchführen oder den Verkehr regeln. «So würden die Soldaten einen Einsatz leisten, der Sinn macht. Gleichzeitig sähe die Bevölkerung den direkten Nutzen des Militärs.»

«Eine Schnapsidee»

Der Vorschlag kommt bei den möglichen Nutzniessern nicht gut an. «Das ist eine Schnapsidee», sagt David Leclerc von der Gewerkschaft des Zoll- und Grenzwachtpersonals Garanto. «Die WK-Soldaten haben keine entsprechende Ausbildung. Sie können niemanden anhalten und auch keine Rapporte schreiben.» Schon seit Jahren kämpfe die Gewerkschaft für mehr Personal – «das bringt mehr als solche Hilfssheriffs.» Gerade im Ernstfall müsse man sich auf den Kollegen verlassen können. «Ganz abgesehen davon ist der Einsatz der Armee an der Grenze nicht zeitgemäss.»

Auch Max Hofmann vom Verband der schweizerischen Polizeibeamten winkt ab. Es mache keinen Sinn, WK-Soldaten auf Patrouille zu schicken. «Wenn es irgendwo brenzlig wird und die Leute keine Kompetenzen haben, um einzugreifen, kann es gefährlich werden.» Es sei vielmehr nötig, den Polizeibestand aufzustocken, so Hofmann. «Wenn die Politiker glauben, dass sich die Unterbestände auf solche Art und Weise beheben lassen, machen sie einen Riesenfehler.»

Im Gefängnis nicht willkommen

Auch der Vorschlag, das Gefängnispersonal zu unterstützen, stösst auf wenig Begeisterung.
Joe Keel, Leiter des Amts für Justizvollzug St. Gallen, hält den Vorschlag für wenig durchdacht. «Die Arbeit im Justizvollzug hat sich in den letzten Jahren sehr verändert, die Anforderungen an das Personal sind heute sehr viel höher.»

Ungelernte Hilfskräfte seien nur für ebensolche Arbeiten zu gebrauchen – doch existiere in diesem Bereich schon eine Zusammenarbeit mit Zivildienstlern und Arbeitslosen im Rahmen von Einsatzprogrammen. Problematisch mit den WK-Soldaten wären zudem die zu kurzen Einsatzzeiten. «Bis die Leute eingearbeitet sind, vergehen mehrere Wochen oder sogar Monate», sagt Keel, «diese Zeit haben wir bei den WK-Soldaten nicht.»

Neu ist anders

Sicherheitspolitiker anderer Parteien erteilen der Forderung der Jungen BDP ebenfalls eine Absage. «Die Armee hat andere Aufgaben», sagt Chantal Galladé (SP). SVP-Nationalrat Hans Fehr kann einzig der Idee, WK-Soldaten zum Grenzschutz zu schicken, etwas abgewinnen. Das sei aber nicht neu, sagt Fehr. «Solche Übungen mit dem Grenzwachtkorps haben wir in unserer Armee-Einheit schon 1974 durchgeführt.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Füsilier am 15.10.2013 09:11 Report Diesen Beitrag melden

    Gute Idee und schon selber gemacht

    Die Idee ist sicher gut und wurde bereits auch schon so umgesetzt. Ich selber war auch schon im Zuge eines WK's als Grenzwächter tätig, um an der grünen Grenze Schmuggler und illegale Einwanderer zu kontrollieren. Klar, kann das Militär nicht als Ersatz von allem "missbraucht" werden. Aber bei einfachen Kontrollfunktionen, macht dies sicher auf alle Fälle Sinn !

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  • J.C. am 15.10.2013 09:11 Report Diesen Beitrag melden

    Sinnvoll?

    Hmm schaffen wir doch gleich die Politiker ab, und setzen dafür WK-Soldaten ein. Dann braucht sich niemand mehr Gedanken über "sinnvolle" Beschäftigung der WK-ker zu machen... Übrigens: die junge BDP ist offenbar der Meinung, dass es zuviele WK-Soldaten gibt, die während des WKs nichts sinnvolles tun, oder wie sind solche Vorschläge denn sonst zu verstehen?

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  • Ken Guru am 15.10.2013 09:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Spezialisten hat es genug.

    Es gibt genug Truppengattungen welche eine entsprechende Spezialausbildung haben. Die sind nur nicht willkommen, weil die Polizei und Grenzwächter ihre Interesse dadurch verletzt sehen. Thats it...

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Karin Lötscher am 15.10.2013 14:43 Report Diesen Beitrag melden

    Geht's noch!

    Mir steigen die Haare zu Berge wenn ich so etwas lese. Die Armee hat in den Gefängnissen absolut nichts verloren!! Das ist nicht jedermanns Sache diesen Job auszuüben. Die Armee hat andere Aufgaben die sie zu erfüllen hat. Gegen die Zusammenarbeit mit der Polizei und dem GWK habe ich absolut nichts im Gegenteil. Das ist genau dass, was die MP's in der RS lernen!!

  • sigiator am 15.10.2013 11:12 Report Diesen Beitrag melden

    komisch

    Hier schreiben so viele Leute das dies keine gute Idee wäre und die Leute in der Armee schlecht und nicht gut ausgebildet sind. 1. Wieso wurde dann die Abstimmungsvorschlag abgelehnt? beziehungsweise 2. Wie soll so eine Armee im Ernstfall von nutzen sein? Was ist jetzt Tatsache? Irgendwie ist mir das nicht logisch

  • Hans Gseh am 15.10.2013 10:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zündhölzli

    Anscheinend sind viele der Meinung, die Armee sei für diese Aufgaben (Grenz-, Eintritts- und Sicherheitskontrollen usw.) ungeeignet und nicht adäquat ausgebildet. Gleichzeitig soll diese Armee ein ganzes Land im Ernstfall vor Gefahr schützen und es verteidigen!? Vergleichbar mit der Feuerwehr, welche kein kleines Feuer löschen kann , jedoch bei einem möglichen Grossbrand alles unter Kontrolle hat. Hauptsache es Kostet viel und bringt nichts!

  • asgart1 am 15.10.2013 10:29 Report Diesen Beitrag melden

    Mir kommt es vor

    als da jemand Angst hat und diese gezielt schürt. Arme einsetzen, von für bis gegen die Befölkerung ist kein Unterschied jemand will die Gewalt an sich reissen. Ganz kranke Idee

  • Soldat gegen Wehrpflicht am 15.10.2013 10:27 Report Diesen Beitrag melden

    Aha.

    Nun suchen die Politiker nach Aufgaben für die Armee, die die Existenz der Wehrpflicht berechtigt. War vorhersehbar. Wenn wir Soldaten zivile Aufgaben übernehmen müssen, werden mehr Menschen die Wehrpflicht als sinnvoll ansehen und sie wird nie abgeschafft. Super. Ein cleverer Plan, aber ich habe euch durchschaut.