Ecotrip-Challenge

21. August 2019 04:47; Akt: 21.08.2019 12:14 Print

Nimmt ein Schüler den Flieger, verliert die Klasse

Mit einem Wettbewerb will der VCS Schüler zum Verzicht auf das Flugzeug ermuntern. Bei Gymischülern ist der Klima-Battle umstritten.

Das halten Schülerinnen von der Eco-Challenge. (Video: J. Ullrich / S. Ritter)
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Der Verkehrs-Club der Schweiz (VCS) ruft eine Ecotrip-Challenge für Schulklassen ins Leben. Während eines Jahres sollen die Gymischüler die Länge und den Treibhausgasausstoss ihrer Reisen lückenlos erfassen. Durch das Experiment sollen die Schüler lernen, wie viel CO2 durch die unterschiedlichen Reisearten entsteht. Mitte September gehts los.

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Um einen Ansporn zu geben, winken am Ende des Jahres attraktive Preise: «Die Klasse, die am Ende das Ranking anführt, gewinnt pro Kopf einen Interrail Global Pass im Wert von 250 Franken», heisst es weiter. Auch für die Klassen mit der grössten relativen Verbesserung sowie für jene, die am weitesten mit dem Velo oder zu Fuss gereist sind. Bisher haben sich acht Schulklassen angemeldet. Aufgebaut ist das Projekt wie die «Experiment Nichtrauchen»-Kampagnen in den Oberstufen – dort wurden Schüler belohnt, wenn die ganze Klasse nicht rauchte.

«Das wäre ein Einschnitt in die Privatsphäre»

Ist Reisen also das neue Rauchen? Einige Kantischüler stehen dem Selbstversuch skeptisch gegenüber: «Grundsätzlich ist es ja eine tolle Idee, aber diese Challenge würde bestimmt für Streit in der Klasse sorgen», sagt Anna (20). Laut ihr könnte es zu Anfeindungen kommen, wenn jemand mit seiner Familie fliegt und deswegen die CO2-Bilanz der Klasse in die Höhe treibt. «Zudem wäre es ein Einschnitt in die Privatsphäre. Wir verreisen ja ausserhalb der Schulzeit», so die 20-Jährige.

Ähnlich sieht es die 14-jährige Ava. Die Gymnasiastin ist der Meinung, dass die Entscheidung, sich fürs Klima starkzumachen, aus dem Herzen kommen sollte. Gruppendruck wäre bei einer solchen Challenge unvermeidbar: «Es gibt sicher einige aus der Klasse, die dann sauer wären, wenn jemand trotzdem wegfliegt», sagt die Schülerin.

Der 16-jährige Nuri hingegen findet das Experiment super: «Dann haben die Klassen einen Ansporn und werden sogar belohnt, wenn sie etwas fürs Klima machen. So wird vielleicht endlich was getan.» Julia (17) und Yana (17) sehen das gleich. Die beiden geben gar an, für die Challenge auf einen Flugurlaub mit der Familie zu verzichten. Yana: «Ich achte auch privat sehr auf meine Klimabilanz. Und ich versuche meine Eltern dazu zu bringen, dass sie statt dem Flieger den Zug nehmen.»

«Challenge dient dem Umgang mit Ressourcen»

Auch Beat. A. Schwendimann, Leiter der Pädagogischen Arbeitsstelle des Dachverbands Lehrerinnen und Lehrer Schweiz (LCH), sieht in der Challenge kein Problem: «Umweltschutzfragen, und daher auch Klimaschutzfragen, gehören schon immer in den Biologieunterricht. Dieses Projekt dient, denke ich, vor allem der Sensibilisierung für den nachhaltigen Umgang mit Ressourcen.»

Ob sich die Challenge negativ aufs Klassenklima auswirkt, etwa wegen Gruppendruck oder Ausgrenzung, ist für den ehemaligen Biologielehrer schwer abzuschätzen. Für ihn stehen die Chancen im Vordergrund: «So könnten Jugendliche beispielsweise ihre Eltern für eine Zug- statt ener Flugreise begeistern», so Schwendimann.

Weitere Meinungen von Schülern finden sich oben im Video.
Anmeldungen für die Ecotrip-Challenge sind noch bis zum 15. September 2019 möglich. Die Siegerehrung findet im September 2020 statt.

Update 21.08.2019, 12.05 Uhr: Der VCS hält fest, dass die Aussage im Titel «Nimmt ein Schüler den Flieger, verliert die Klasse» nicht korrekt sei. Es gewinne jene Klasse, die durchschnittlich am wenigsten CO2 ausstosse. Keine Klasse werde disqualifiziert, weil ein Schüler fliege. Man könne davon ausgehen, dass jene Klasse gewinnt, die tendenziell weniger fliegt.

Überdies sieht der VCS keine Analogie zum «Experiment Nichtrauchen», da dort eine Klasse ausgeschlossen wird, wenn ein Schüler raucht. Fliegt ein Schüler, werde die Klasse nicht ausgeschlossen. Es zähle einzig die CO2-Bilanz.

(juu)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Sarek vom Vulkan am 21.08.2019 04:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Als ob das

    Fliegen das größte Problem der Menscheit ist, es gibt noch so viele andere Faktoren die totgeschwiegen werden. Wie zum Beispiel die Dreckschleudern auf den 7 Weltmeeren oder das Roden der Urwälder für Palmöl. Aber das sehen diese Klimahysteriker nicht!

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  • Simone G. Mutter & Lehrerin am 21.08.2019 05:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wehret den Anfängen.

    So jetzt erwarte ich von eidg. Datenschützer eine klare Stellungsnahme. Danke die private Reisetätigkeit geht den Rest der Klasse plus VCS gar nichts an. Der Gruppenzwang könnte zu Mobbing und Ausgrenzung führen. Auch sind Schulen in der gleichgelagerten Pflicht.

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  • Kurt am 21.08.2019 05:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Man will es...

    nicht einsehen. Was da unter dem Deckmantel Klimawandel abgeht, geht unter keine Kuhhaut. Die Hauptsache, man Buttert der Elite und dem Staat Geld ins Portemonaie. Egal mit welchen Lügen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Ruedi am 22.08.2019 22:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Meine Güte

    Diese Idee hat eindeutig noch Luft nach oben. Schüler in Geiselhaft zu nehmen ist wohl kaum eine gute Idee. Besser wäre ein Projekt mit aktiver Mithilfe jedes einzelnen, so wie im richtigen Leben halt. Die Schweiz besteht bald nur noch aus sogenannten Non Profit Organisationen, welche die Moral gekauft haben, das Leben findet offenbar woanders statt.

  • Martio Christ am 22.08.2019 16:19 Report Diesen Beitrag melden

    Keine anderen Sorgen

    Die Pipi Langstrumpf Release II soll mal nach Indonesein, Indien und auch Brasilien gehen. Dort Brennen die Wälder um Ölplantagen zu errichten. Hier ist die einzige Wirkung von ihr, das der Staat die Steuern erhöht in der einen oder anderen Form.

  • judihui am 22.08.2019 14:29 Report Diesen Beitrag melden

    No way!

    Die Schule soll Wissen und Fähigkeiten vermitteln. Da gibt's noch Potential! Das Privatleben geht die Schule ncihts an. Und mit politischen Aktionen über Gruppendruck Mobbing fördern, geht's eigentlich noch?

  • ReaList am 22.08.2019 13:57 Report Diesen Beitrag melden

    Segelt....

    doch bitte zu Euren weit entfernten Feriendestinationen. Das Segelboot bringen dann eine vielzahl anderer Personen zurück, welche mit dem Flieger angereist sind. Wenn Ihr dann noch die Presse einschaltet, werdet Ihr zum Öko-Star!

  • Peter am 22.08.2019 12:17 Report Diesen Beitrag melden

    Fehlgeleiteter Aktivismus

    ... inmitten der Klimahysterie. Der Tropfen auf den heissen Stein bringt doch nichts. Man sollte - nicht nur in der Schule - vermitteln, wo und von wem die wirklich massiv klimaschädlichen Handlungen erfolgen. Wenn genügend internationaler Druck aufgebaut wird, lässt sich dann vielleicht etwas erreichen.