Tetra-Paks, Plastik

10. August 2016 19:50; Akt: 10.08.2016 19:50 Print

Noch mehr und bequemer recyceln – geht das?

von J. Büchi - Bei Aldi können neu Getränkekartons zurückgebracht werden. Politiker und Experten streiten darüber, wie viel Recycling sinnvoll ist.

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Pflichtbewusste Recycler müssen ihre Küche mit einem weiteren Sammelbehälter ausrüsten: Als erster grosser Detailhändler nimmt Aldi flächendeckend Tetra-Pak zurück.

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Auch sonst gibt es Bestrebungen, das Recycling-System in der Schweiz auszubauen. Im September stimmen die Schweizer über die Initiative «Grüne Wirtschaft» ab, die die Umweltbelastung in der Schweiz «auf ein global verträgliches Mass» senken will. Die Wiederverwertung von Produkten ist für die Initianten einer der Schlüssel zu diesem Ziel. Bastien Girod vom Initiativkomitee sagt, bei gewissen Materialien gebe es aber noch «viel Luft nach oben».

Plastik wird selten recycelt

So werden in der Schweiz zwar über 90 Prozent vom Glas, Aluminium und Altpapier wiederverwertet. Kunststoff landet hingegen in den meisten Fällen im Abfall. Seit 2013 können Shampoo-, Öl- und Milchflaschen bei Migros und Coop zurückgegeben werden. Allerdings nutzen viele Konsumenten diese Möglichkeit nicht. Gewisse Plastiksorten dürfen zudem gar nicht in die entsprechenden Behälter geworfen werden. Deshalb wird insgesamt nur 11 Prozent des Plastiks gesammelt.

«Im Bereich Kunststoff sind andere Länder viel weiter», kritisiert Girod. Er verlangt einen Ausbau des Sammelsystems. Auch beim Tetra-Pak müsse das Beispiel von Aldi Schule machen – bei den anderen Detailhändlern ist dies derzeit kein Thema. Ein freiwilliges Engagement der Wirtschaft sei immer am besten, so Girod. «Wenn das nicht klappt, muss jedoch der Bund Druck machen und beispielsweise eine Rücknahmepflicht beschliessen.»

«Wir sind schon Recycling-Weltmeister»

SVP-Nationalrat Thomas Aeschi kritisiert: «In Zeiten, in denen wir Milliarden sparen müssen, ist es sicher nicht am Bund, Geld für solche Aufgaben zur Verfügung zu stellen.» Das Beispiel von Aldi zeige, dass die Wirtschaft aus Eigeninitiative ökologische Lösungen suche. «Ausserdem müssen wir immer daran denken: Die Schweiz ist schon Recycling-Weltmeister»

Bei Swiss Recycling heisst es, es hänge vom jeweiligen Produkt ab, ob ein flächendeckendes Sammeln Sinn mache. Laut bisherigen Erkenntnissen verringere sich die Umweltbelastung um 20 bis 25 Prozent, wenn Getränkekartons recycelt statt weggeworfen würden. Dank neuer Technologien könnte sich die Bilanz aber inzwischen verbessert haben, in Kürze wird eine neue Studie dazu erwartet. Der Bund untersucht derzeit zudem zusammen mit anderen Akteuren im Rahmen einer Studie, ob es sich wirtschaftlich und ökonomisch lohnen würde, Kunststoff-Abfälle im grossen Stil zu sammeln. Dies ist selbst in Expertenkreisen umstritten.

Bequemere Lösung gesucht

Vielen Konsumenten ist es zudem zu mühsam, noch mehr Materialien separat zu entsorgen. So schreibt etwa Leser Thomas in einem Kommentar zum Tetra-Pak-Recycling: «Ich verstehe nicht, wieso solche Verpackungen und auch PET nicht einfach auch an den zentralen Stellen zurückgegeben werden können – wie Glas und Metall auch.»

Das Recycling-System müsse vereinfacht werden, stimmt ihm Girod zu. Eine Idee wäre ihm zufolge ein Recycling-Sack, der einfach vors Haus gestellt und von der Müllabfuhr mitgenommen würde. So würden alle verwertbaren Stoffe gemeinsam in einem Sack gesammelt und die Materialien anschliessend von einer Maschine sortiert. Patrik Geisselhardt, Geschäftsführer von Swiss Recycling, sagt, gewisse Vereinfachung seien mit weiteren Fortschritten in der Aufbereitungstechnologie denkbar. Mehr Komfort habe aber einen Preis: Würden zu viele Materialien gemeinsam gesammelt, gebe es beim Recyceln Abstriche in der Qualität und damit weniger Umweltnutzen. Würden die Abfälle in den Haushalten abgeholt, schlage sich dies in den Kosten nieder.

Für Thomas Aeschi ist die Diskussion absurd: «Wir können uns nicht gleichzeitig über die Hochpreisinsel Schweiz beschweren und auf der anderen Seite ein noch teureres Recycling-System verlangen.» Im Föderalismus liege es an den Gemeinden, möglichst effiziente Lösungen zu finden: «Auf dem Land ist das vielleicht ein Fahrzeug, das allen Abfall abholt, in der Stadt sind möglicherweise Niederflur-Container am besten geeignet.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Terry F am 10.08.2016 20:14 Report Diesen Beitrag melden

    Recycling ist business

    Die Eidgenossen haben einfach zu wenig "business sense". Here in den USA hat jedes Haus/Wohnsilo drei containers: 1. Abfall, 2. Garten/Gruen, 3. RECYCLING (Glass, Plastic, Karton, Alum, Papier). Recycling ist enorm, denn es wird abgeholt und es ist unkompliziert.

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  • Toni K. am 10.08.2016 20:18 Report Diesen Beitrag melden

    Rohstoffe in grossen Mengen

    Es gibt Müllsortieranlagen die holen jeden Zahnstocher raus , da könnte man das ganze sortieren und umherfahren einzelner weglassen . Aber natürlich bringt das den Verbrennungsanlagen wenig.

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  • MarkyMark am 10.08.2016 19:59 Report Diesen Beitrag melden

    Duales System

    In Deutschland gibt es eine Tonne für Wiedervertbares und eine Tonne für den Restmüll. Erfordert halt, dass man im Haushalt schon vortrennt.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Besenreiser am 13.08.2016 16:33 Report Diesen Beitrag melden

    Recycling im Jahre 2020!

    Ich sehe bereits Zeiten entgegen, bei welch jeder Haushalt 10 bis 20 Container für die Mülltrennung zur Verfügung hat.

  • Ovis am 12.08.2016 16:31 Report Diesen Beitrag melden

    Wer Verdient

    Die Schweiz hat ein System des Verbrennes. Wenn die Kunstoffe und Tetrapacks ins Recycling kommen Funktionieren die Kerichtverbrennungs Anlangen nicht mehr. Wer will und wer Verhindert Recycling. Und wer Verdient

  • René Widmer am 11.08.2016 10:07 Report Diesen Beitrag melden

    Recyceln als letzte Massnahme...

    Das Recyceln ist gut uns sicher sinnvoll, aber eh schon eine Symptombekämfung an sich. Besser wäre es, den künftigen Abfall gar nicht erst herzustellen...Es gibt immer noch viel zu viel überflüssige Verpackung, Millionen unnützen Etiketten auf allen möglichen Produkten, Bedienungsanleitungen in allen möglichen unverständlichen Sprachen, Werbedrucksachen und unnötige Wegwerfflaschen und Büchsen.

  • Al Bundy am 11.08.2016 09:47 Report Diesen Beitrag melden

    Wenn Herr Girod noch einige Container

    aufstellt und diese auch selbst leert, bin ich dafür! Für reine 'Forderungen' bin ich nicht zu haben!

  • L. Gerber am 11.08.2016 09:35 Report Diesen Beitrag melden

    mind.1 Franken Depot.

    ich bin für's einführen von Pfand auf Alu, Glas und Pet, dann hört dieses ganze letering entlich wieder auf, da es sich wieder lohnt Getränkedosen und Flaschen aufzuheben und zurück zu bringen. Wenn ich an die Streetparade denke, und all den Müll, der wieder im See und auf der Strasse landet, wir es mir richtig übel. Das wäre doch auch eine Beschäftigung für Arbeitslose. ?