Tot mit 35

24. März 2020 15:06; Akt: 24.03.2020 15:06 Print

Nora Illi – vom Punk zur Nikabträgerin

Nora Illi sorgte als wohl bekannteste Nikabträgerin der Schweiz für Aufsehen in den Medien. Nach langer Krankheit ist die Islamistin 35-jährig gestorben.

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Nora Illi wurde 1983 als Tochter eines deutschen Psychotherapeuten und einer Schweizer Sozialpädagogin geboren. Illi brach das Gymnasium ab und liess sich zur Polygrafin ausbilden. Daneben wurde sie in der Punkszene ihrer Heimatstadt Uster ZH aktiv. Als 18-Jährige konvertierte sie zum Islam.

An einer Solidaritätsaktion für Palästina lernte sie ihren späteren Ehemann, den Schaffhauser Patric Illi (heute Qaasim Illi), kennen. 2003 heirateten sie in Jordanien. Zusammen repräsentierten sie in der Folge den Islamischen Zentralrat Schweiz (IZRS) in der Öffentlichkeit: Nora Illi als Beauftragte für Frauenangelegenheiten, ihr Mann als PR-Verantwortlicher.

Einfluss der Chemotherapie

In der Öffentlichkeit war sie bekannt dafür, dass sie stets ihren Nikab trug. Illi war eine Verfechterin der Polygynie. Diese unterscheidet sich von der Polygamie insofern, als ein Mann zwar mehrere Frauen haben darf, eine Frau aber nur einen Mann.

In der Talkshow Anne Will sorgte sie 2016 mit Äusserungen, die ihr noch auf dem Podium als Kriegspropaganda für den Islamischen Staat ausgelegt wurden, für einen handfesten Skandal. Die Medien betitelten sie darauf hin als Menschenfängerin (Spiegel) und Nikab-Nora. Ihre Einladung von Anne Will wurde kritisiert, da Illis extremistische Ansichten zur besten Sendezeit eine Plattform geboten wurde, die überdies nur einen äusserst kleinen Teil der Muslime repräsentieren würden.

Bussenfang im Tessin

Als Nikab-Aktivistin ging Illi öffentlichkeitswirksam auf Bussenfang: Nach dem Inkrafttreten des Verhüllungsverbots im Kanton Tessin im Juli 2016 kassierte sie die erste diesbezüglich ausgesprochene Busse, weil sie öffentlich im Niqab auftrat. Auch in Wien liess sie sich 2017 für ihre Verhüllung büssen.

Wie der IZRS nun mitteilt hat Nora Illi den Kampf gegen den 2012 diagnostizierten Brustkrebs verloren. Sie hinterlässt neben ihrem Ehemann sechs Kinder. Die Abdankung wird auf Social Media übertragen. Pascal Gemperli, Pressesprecher der Föderation Islamischer Dachorganisationen Schweiz (FIDS) spricht der Familie das Beileid aus.

(obr)