Fachkräftemangel

27. Juli 2014 16:45; Akt: 27.07.2014 19:53 Print

Notfallstationen geht das Personal aus

Knapp 1500 Pflegefachleute fehlen der Schweiz jährlich. Zu wenig attraktiv sei der Job, sagen Fachleute. Jetzt übertrumpfen sich die Spitäler mit Prämien für vermitteltes Personal.

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Die Spitäler haben zunehmend Mühe, genügend Pflegerinnen zu finden. (Bild: Keystone/Gaetan Bally)

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Pflegefachleute sind in der Schweiz stark gesucht. So stark, dass die Spitäler versuchen, sich mit immer höher werdenden Prämien gegenseitig bei der Rekrutierung zu übertrumpfen. Bis zu 25'000 Fachkräfte könnten 2020 in der Schweiz fehlen, wie eine Studie dem Schweizer Gesundheitswesen prophezeit.

Zwar sei die Bevölkerung in der Notaufnahme nicht direkt davon bedroht. Man könne akuten Fällen noch immer Priorität zusprechen und ihnen die nötige Pflege zukommen lassen. «Wahleingriffe müssen in einigen Spitälern aber ab und zu verschoben werden, wenn es zu eng wird mit Pflegefachleuten», sagt Petra Tobias, die Präsidentin der Schweizerischen Interessengemeinschaft Notfallpflege, zur «NZZ am Sonntag».

Anreize wirken nicht

Besonders stark wirke sich der Personalmangel auf Notfall- und Intensivpflege aus. Dort sei es schwerer, Pflegepersonal aus dem Ausland zu rekrutieren, weil man für die Arbeit in der Schweiz spezielle Diplome brauche. «Wer im Ausland rekrutiert, hat das Personal noch zu schulen, um es gleichwertig einsetzen zu können. Das erschwert die Anstellung.» An Schweizer Fachhochschulen werden jährlich um die 3000 Pflegefachleute ausgebildet – gebraucht werden aber 4500.

In den Universitätsspitälern in Zürich und St. Gallen erhalten Mitarbeitende inzwischen 1000 Franken, wenn sie ihren Arbeitgebern einen neuen Mitarbeiter vermitteln – egal für welche Stelle. Auch er habe versucht Pflegepersonal mit Prämien anzulocken, sagt Julius Risch, Personalchef des Kantonsspitals Graubünden in Chur, zur «NZZ am Sonntag». Aber: «Nicht eine einzige Stelle haben wir dank dem Anreiz besetzen können.»

8 Jahre Studium für 6500 Franken Lohn

Schuld seien am Mangel der Pflegefachpersonen aber nicht nur die fehlenden finanziellen Anreize – manche Pflegefachleute enthalten nach Abschluss eines fünf- bis achtjährigen Hochschulstudiums nur 6500 Franken Lohn – sondern auch die Arbeitsbedingungen. Tobias: «Statt mit höheren Löhnen und Prämien in Wettbewerb zu treten, müsste der Pflegeberuf als Ganzes wieder attraktiver gemacht werden.»

(nsa)

Ausgewählte Leser-Kommentare

Der Fachkräftemangel in der Pflege ist hausgemacht, die geforderten Schulabschlüsse, die zu langen Arbeitszeiten und die Löhne welche nicht das Gelbe vom Ei sind sind nur ein Teil der Probleme welche sich in den Spitälern bieten. Dazu kommt ein Beruf ist nur so attraktiv wie man ihn präsentiert. Früher konnte man auch mit einem Sek, bzw. Real (Kantonal ) Abschluss den Pflegeberuf erlernen, aber heute muss es mindestens Bez oder Gymi sein und eines bitte nicht vergessen, jemand der diesen Beruf erlernen will muss die Pflege von Menschen wirklich gerne machen sonst ist er/sie fehl am Platz. – Silvie

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Brigitta Röthlisberger am 27.07.2014 16:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Personal

    Selber schuld schraubt die Anforderungen noch höher dann habt ihr bald kein Personal mehr!!! Zu meiner Zeit konnte man noch ohne Bez die Ausbildung machen. Heute geht dies nicht mehr und in der Ausbildung wird so viel verlangt dabei ist es "nur" Pflegepersonal und keine Ärzte!

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  • bruno baertschi am 27.07.2014 17:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Typisch Schweiz

    Acht Jahre Hochschulstudium für einen Pflegeberuf!! Jetzt im Ernst da wird mann besser gleich Arzt. Da muss man schon mal darüber nachdenken, ob wir in der Schweiz nicht einfach den Bezug zur Realität verloren haben. Ganz generell könnten viele Ausbildungen gekürzt werden. Schon nur wenn man die allgemeinbildenden Fächer kürzt.

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  • Der Seher am 27.07.2014 16:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unglaublich

    Bietet genügend Ausbildungsplätze zu guter Bezahlung an und schon ist das Problem gelöst. Was FAGE ausgebildete verdienen und wie diese zum Teil von Vorgesetzten behandelt werden ist alles Andere als förderlich. Ja ich habe Einblick in diese Tätigkeit.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Arzt am 28.07.2014 16:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Frechheit "nur" 6500.-- Lohn

    Ich finde die Aussage 8 Jahre "Studium" und nur 6500 Lohn eine Frechheit. Vergleicht mal mit Assistenzärzten. Dort echtes Studium 6 Jahre mit Matura (5 Jahre) und 6200 Lohn. Dafür Nacht und WE Dienste, viel mehr Verantwortung und nicht noch unzählige Mitarbeiter die mich unterstützen wie bei den Krankenschwestern. Die sog Krankenschwestern machen heute fast nur Papierkram. Richtige Pflege wird von den Pflegeassistentinnen gemacht, die kennen die wirklichen Probleme der Patienten. Die sind zu respektieren und besser zu bezahlen. Es herrscht klar eine Zweitklassen Gesellschaft in der Pflege!!!

    • Nurse am 30.07.2014 11:03 Report Diesen Beitrag melden

      5100 in Bern für eine Neueinsteigerin

      Sie haben keine Ahnung vom Spitalalltag. Abgesehen davon, dass es in Basel ein echtes Studium für Pflegewissenschaft gibt. Und definieren Sie doch bitte, was Sie unter "richtiger Pflege" verstehen.

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  • Pfleger am 28.07.2014 16:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Müsste, müsste, müsste..

    Man spricht immer nur von müsste. Der Pflegeberuf müsste attraktiver gemacht werden. Die Pflegenden müssten mehr Lohn erhalten usw. Doch es geschieht nur "Göschene - Airolo" bei den Verantwortlichen -> SBK & Politik!

  • Hans Meier am 28.07.2014 16:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die Ampel steht auf rot

    Arbeite seit Jahren schon als IPS...ler. Leider ist es heute aufgrund der steigenden Komplexität, immer weniger Personal, Krankheitsausfälle,möglich den Job zu 100% zu machen. Dazu kommen noch die extremen Arbeitspläne welche jedes soziale Leben verunmöglichen. Die Ampel steht nicht mehr auf gelb.....sondern rot.

  • administration am 28.07.2014 16:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    anregung...

    das problem liegt aber auch darin das man kaum noch pflegen kann da nur noch administratives im vordergrund steht... man hat ja schliesslich kein KV gelernt... aner den Medien darf man e nie glauben... das pflegepersonal kämpft schon lange, sagen auch wo das problem liegt, aber gemacht wird trotzdem nix...

  • Spitalmitarbeiter am 28.07.2014 16:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die Zeit ändert vieles - leider

    Ich verfolge die Situation der Krankenschwestern seit 15 Jahren in unseren Haus. Der Beruf/die Ausbildung werden immer mehr akademisiert. Pflege studieren (!?!?) aber wenn der Patient Zeit oder ein liebes Wort benötigt hat die Schwester keine Zeit. Auch gegenüber den Ärzten schwindet der Respekt. Die Öffentlichkeit wäre sehr überrascht wie dominant sich die Schwestern entwickelt haben, macht mal ne Umfrage. Ich arbeite sehr gerne mit erfahrneren Krankenschwestern zusammen die gegenüber dem Patienten aber auch mir Respekt haben. Dann teile ich diesen Respekt sehr gerne!

    • Arbeitssuchende ohne job am 28.07.2014 16:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Eignungstest

      Nicht nur Ausbildung ist wichtig, es muss einem auch gegeben sein Emphatie spuehren zu können. Dass können viele Ausgebildete gar nicht....unfreundlich, kalt und schnoodrig. Klaro, Gibt auch talentiertes Personal, aber leider auch das Andere. Warum ist dänn diese Ausbildung so wichtig? Besser wäre ein Eignungstest.

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