Offene Grenzen

05. Juni 2011 11:15; Akt: 05.06.2011 11:51 Print

Notschlafstellen spüren die Zuwanderung

Sie kommen auf der Suche nach Arbeit in die Schweiz und haben nur wenig Geld. Immer mehr Osteuropäer suchen Unterschlupf in Notschlafstellen. Die Verantwortlichen beobachten dies mit Sorge.

storybild

Männer aus Osteuropa suchen in den Notschlafstellen Unterschlupf (im Bild eine Notschlafstelle in Lausanne). (Bild: Keystone/Laurent Gillieron)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Notschlafstellen in der Schweiz sehen sich mit einem neuen Problem konfrontiert. Immer mehr junge Männer aus Osteuropa, die in der Schweiz Arbeit suchen, landen in den Notschlafstellen und Institutionen für Obdachlose. Im Tageshaus für Obdachlose in Basel halten sich derzeit pro Tag 40 Personen aus Osteuropa auf. Platz hat es für insgesamt 60 Personen. «Wir haben eine Zunahme von Leuten aus Rumänien, die als Touristen in die Schweiz reisen und hier Arbeit suchen», sagt Paul Rubin, Leiter des Basler Tageshaus, der Zeitung «Sonntag».

Auch in Bern stellt man eine ähnliche Entwicklung fest. Männer aus Bulgarien, Ukraine, Rumänien, Polen, Tschechien, aber auch Kosovo-Albaner und Deutsche finden im Passantenheim Bern Unterschlupf. «Das hat klar angezogen», bestätigt auch Franz Dillier, Leiter des Passantenheims. Gemäss Rolf Schuppli, Leiter Wohnen und Obdach in der Stadt Zürich, sei die Zunahme von Personen aus Osteuropa seit zwei Jahren zu spüren.

Die Männer kommen mit wenig Geld in die Schweiz und sehen sich mit hohen Lebenskosten konfrontiert. In den Notschlafstellen sind die Preise tief. In Basel kostet ein Mittagessen 3 Franken, ein Kaffee 1 Franken. Duschen und Kleider waschen ist gratis. In Bern kann man für 11 Franken übernachten und erhält dazu ein Frühstück.

Die Verantwortlichen beobachten die Entwicklung mit Sorgen. «Wir wollen natürlich auch die Not von diesen Leuten lindern», sagt Dillier dem «Sonntag», «aber wir haben sonst schon genügend Leute, die einen Platz brauchen.» In der Stadt Zürich nimmt man Auswärtige in der Regel nicht auf. «Die Notschlafstelle ist kein Ort für Auswärtige», so Schuppli. Nur wenn jemand gar nichts mehr hat, könne er eine Nacht bleiben. Zwei bis drei Personen aus Osteuropa kommen in Zürich pro Woche in der Notschlafstelle unter.

Für Karin Keller-Sutter, Präsidentin der Konferenz der Kantonalen Justiz- und Polizeidirektoren ist klar: «Diese Leute müssen weggewiesen werden, das ist nicht der Sinn der Personenfreizügigkeit.» Wenn jemand in die Schweiz komme, um Arbeit zu suchen, müsse über genügend Geld verfügen, um sich sein Leben selber finanzieren zu können. Er dürfe «sicher nicht unsere Sozialwerke belasten», so Keller-Sutter. Heinz Brand, Päsident der kantonalen Migrationsämter, sieht Handlungsbedarf: «Wichtig ist, dass die Institutionen zusammen mit der Fremdenpolizei dafür Lösungen finden.»

(meg)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Biologe am 05.06.2011 22:02 Report Diesen Beitrag melden

    Schade

    Es ist sehr schade, dass Frau Keller-Sutter nicht als Bundesrätin ankekommen ist. Diese Frau weiss warum es geht und wo es brodelt.

  • andy444 am 05.06.2011 12:33 Report Diesen Beitrag melden

    Medien-und Politiker-Ohnmacht!

    Im Eingang zu diesem Artikel ist auch schon bereits eine der Ursachen der ewigen ungelösten Probleme in der Schweiz erwähnt, nämlich mit dem Satz:"Die Verantwortlichen beobachten dies mit Sorge!"Seit Jahren wird "beobachtet" oder anders gesagt "geschlafen"!Ein Grossteil der Medien stellt alles, was nicht "Gutmenschen-willfährig" klingt, in die diskriminiernde, rassistische Ecke und nimmt lieber Bezug auf linke und pseudobürgerliche Politiker, die die Schweiz grobfahrlässig in den sicheren Ruin steuern.Oder sie beziehen sich auf "übergeordnetes" Recht aus Strassbourg! La Suisse n'existe plus!

  • Ein mitteleuropaeer am 05.06.2011 17:23 Report Diesen Beitrag melden

    Jeder kann mal

    Das scheint mir hier doch etwas zu oberflaechlich dargestellt. Wie und warum findet jemand platz in solchen unterkuenften? Koennte es sein, dass da jeder der sagt er haette kein oder zu wenig geld, aufgenommen wird!? Ich bin ueberzeugt es ist so, und daher muss man sich nicht wundern, wenn die jungs dort schlafen. Wieso 50 fr ausgeben wenn's fuer 11 fr auch geht? Das spricht sich schnell rum. - schweizer seid dich nicht so naiv ...

Die neusten Leser-Kommentare

  • Gustav Heimberg am 06.06.2011 09:07 Report Diesen Beitrag melden

    Stabile Einwanderung

    Ich bin kein SVP-Freund, aber genau dieser Partei schaffen die anderen Parteien mit ihrer grenzenlosen Einwanderungspolitik in die Hand. Denn es muss einfach langsam Schluss sein! Es sollten nur noch soviele einwandern dürfen, wie auch das Land verlassen, um endlich eine Stabilität zu erreichen. Das kann doch nicht mehr ewig so weitergehen.

  • Biologe am 05.06.2011 22:02 Report Diesen Beitrag melden

    Schade

    Es ist sehr schade, dass Frau Keller-Sutter nicht als Bundesrätin ankekommen ist. Diese Frau weiss warum es geht und wo es brodelt.

  • Vettern am 05.06.2011 21:41 Report Diesen Beitrag melden

    Züri

    Was für eine tolle Notschlafstelle, die keine Auswertigen aufnimmt... wo ist denn der Unterschied der Not? Die Einheimischen kennen sich doch besser aus und finden eher was. Wirklich in Not sind die Fremden, die hier stranden.

    • Monique am 06.06.2011 23:33 Report Diesen Beitrag melden

      @Vettern

      Als Fremde, glaube ich waren die Ausländer gemeint, nicht die obdachlosen Einheimischen, die nicht unbedingt aus Zürich stammen und die in Not geraten sind. Sonst werden solche Notfallstellen als Billig-Hotels für alle, die hier quasi als Touristen kommen, um sich eingentlich eine Arbeit zu suchen. Diese Notfallstellen sind auch mit Steuergelder subventioniert. Un doch, wie sie gelesen haben, finden gelegentlich auch solche selbst in Zürich einen Platz zu übernachten, aber begrenzt und daas ist absolut in Ordung.

    einklappen einklappen
  • andreas am 05.06.2011 19:02 Report Diesen Beitrag melden

    An alle besser wisser

    erstens! keiner kann hier her kommen und sozialhilfe kassieren. jemand der kommt und hier arbeitet bekommt eine 5 jahres aufenthaltsbewilligung. wer seine arbeit verliert hat ansprüche, aber nur die gesetzlichen wie RAV wenn man sie auch bezahlt hat. sozialhilfe wird in vielen fällen nicht gewärt und die leute ausgewiesen. woher ich das weiss? beste freundin ist juristin auf dem migrationsamt und sorgt dafür!

  • max burger am 05.06.2011 17:54 Report Diesen Beitrag melden

    das ganze halt

    nuuur ruhig blut hier! es wurde keinerlei kausalität zwischen dem zuwachs und der personenfreizügigkeit nachgewiesen. bevor sie hier also alle nach SVP manie erstmal drauflos populiseren, analysieren sie die fakten! mein gott...immer wieder erstaunlich wie einfach die welt für gewisse leute tickt...