Novartis-Gentherapie

27. Mai 2019 04:44; Akt: 27.05.2019 07:50 Print

Bezahlt die IV das teuerste Medikament der Welt?

Eine Dosis eines neuen Novartis-Medikaments kostet in den USA umgerechnet über 2 Millionen Franken. In der Schweiz wird die IV über den Preis verhandeln müssen.

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Der Basler Pharmakonzern Novartis hat am Freitag die US-Zulassung für eine neue Gentherapie für Babys erhalten. Sie wirkt bei der seltenen Muskelkrankheit SMA. Diese führt zu Muskelschwund und zu einem frühen Tod oder zu lebenslanger Behinderung.

Eine Einmaldosis des Medikaments Zolgensma kostet rekordhohe 2,125 Millionen Franken und soll in Raten bezahlt werden können. Laut Novartis-Sprecher Satoshi Sugimoto ist der hohe Preis gerechtfertigt, weil eine konventionelle Behandlung über zehn Jahre deutlich mehr koste. Auch habe die Forschung und Entwicklung mehr als zehn Jahre gedauert.

«Über kurz oder lang werden wir ein Problem haben»

Das Medikament dürfte auch hierzulande auf den Markt kommen. Novartis will im dritten Quartal in der Schweiz die Zulassung für ihr Mittel beantragen. Weil es sich um ein Geburtsgebrechen bei Kindern handelt, müsste die IV die Kosten übernehmen. Diese wird nach erfolgter Zulassung mit Novartis über den Preis verhandeln müssen.

Da SMA in der Schweiz nur bei knapp zehn Neugeborenen pro Jahr auftritt, werde das Medikament nicht zu einer Kostenexplosion führen, sagt Comparis-Versicherungsexperte Felix Schneuwly. Allerdings werde die Zahl solch teurer Therapien zunehmen und IV und Krankenkassen belasten. «Über kurz oder lang werden wir ein Problem haben.» Der Preis in den USA sei nun der Ankerpreis, an dem sich andere Länder und Hersteller bei neuen Therapien orientieren würden.

«Investitionen offenlegen»

Laut Schneuwly führen die hohen Kosten zu einem Dilemma: «Der Bund könnte nun einen moderaten Höchstpreis für ein Medikament festlegen. Dann kann der Anbieter aber sagen, er bringt das Arzneimittel nicht auf den Markt.» Für Schneuwly ist klar, dass sich die Diskussion nicht auf die Kosten beschränken dürfe, da man geneigt sei, für ein Menschenleben jeden Preis zu zahlen.

«Die Pharmafirmen geben mehr Geld aus für das Marketing als für die Forschung und Entwicklung.» Den Preis der teuren Medikamente müsse hinterfragt werden. «Pharmafirmen müssen offenlegen, wie viel die Entwicklung der Medikamente tatsächlich kostet – gescheiterte Forschungsprojekte inklusive. So könne man faire Preise festlegen.»

«Zugang zu innovativen Medikamenten ermöglichen»

Auch SP-Nationalrätin Yvonne Feri sagt, die Politik müsse dringend die Diskussion führen, wie viel ein Menschenleben kosten dürfe. «Reissen solche Preise ein, sprengt das unser System.» Keine Lösung können laut Feri Crowdfundings sein, wie es etwa die SMA-Patientin Bettina (31) für ein ebenfalls sehr teures Konkurrenzprodukt von Zolgensma auf die Beine gestellt hatte. «Solche Crowdfundings funktionieren nur am Anfang. Sie waren gut, um das Problem ins Bewusstsein der Öffentlichkeit zu bringen.» Häuften sich die Sammelaktionen, nehme die Spendenbereitschaft ab.

Für SVP-Nationalrat Sebastian Frehner ist klar, dass Patienten in der Schweiz der Zugang zu innovativen Medikamenten ermöglicht werden soll, wenn sie wirklich helfen. Man müsse aber noch stärker anschauen, welchen Gesamtnutzen eine Behandlung habe. «Führt eine einmalige Behandlung als Baby dazu, dass eine Person geheilt ist und arbeiten kann, ist ein hoher Preis akzeptabel.» Schliesslich wäre die Person ansonsten unter Umständen ein Leben lang von der Allgemeinheit abhängig, so Frehner.

So lebt Bettina mit der Muskelkrankheit:

(daw)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Pierre Scheidegger am 27.05.2019 06:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Inakzeptabel!

    Früher musste man sich beim Reisen vor Räuber, Plünderern und Wegelagerern fürchten. Heute "arbeiten" diese in der Pharmaindustrie.

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  • Fräulein30 am 27.05.2019 06:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Beim besten Willen

    Es ist schlichtweg eine Frechheit über 2 Mio. Franken für ein Medikament zu bezahlen. Die Mittelschicht kann sich so eine Behandlung beim besten Willen nicht leisten und was die KK betrifft, diese werden alles daran setzen, es nicht bezahlen zu müssen. Schluss mit dem Wahnsinn!

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  • Marc'oh'polo am 27.05.2019 06:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Krankheit Geldsucht

    Und trozdem wird es bezahlt. Da wir verständlicherweise ja gesund sein wollen. Aber schon traurig. Das sind keine Preise mehr, das ist schon unheilbar Krank.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Marco Scherer am 27.05.2019 13:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Was ist daran so teuer?

    Frage mich immer wieso es so teuer ist. Und nach paar Jahren kann man es für 100Fr. bekommen.

  • RR Mansory am 27.05.2019 10:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Patenten abnehmen

    Mit Menschenleben und Gesundheit sollte nicht gespielt oder spekuliert werden. Noch weniger sollten solche Profiten aus unglücklichen Lebenssituationen geschlagen werden. Alle haben das Recht auf Gesundheit und auf die besten Kuren die es gibt. Dazu ist das ganze sehr intransparent da keine F&E Kosten/Zahlen erwähnt werden. Die Pharmaindustrie behauptet man hätte jahrelang daran geforscht. Das kann doch jeder sagen um danach ein sehr hoher Preis rechtfertigen. Patent abnehmen, veröffentlichen und alle betroffenen versorgen. Wetten wir kostet die Behandlung am Schluss mindestens 80% weniger?

  • Heinz am 27.05.2019 10:43 Report Diesen Beitrag melden

    Und ich?

    IV zahlt mir ja nicht mal eine Teilrente bei 8 Bandscheibenvorfällen . nach Jahrzehntelangem Krampfen auf dem Bau. Mein Anwalt kämpft mit der IV seit 7 Jahren für mich.

  • Martin am 27.05.2019 10:31 Report Diesen Beitrag melden

    Keine Ahnung, aber laut Posaunen

    Zum Glück sind die Autoren der meisten Kommentare hier nicht in den Entscheidungsprozess involviert! Mir stehen die Haare zu Berge ob dieser Ignoranz

  • Bürger am 27.05.2019 10:19 Report Diesen Beitrag melden

    Leben zu dürfen ist ein Menschenrecht

    Der Preis eines Medikaments ist meiner Meinung nach in Abwägung , zu einer möglichen Verbesserung der Lebensqualität und ev. Heilung absolut irrelevant. Jeder Mensch hat das Anrecht auf ein würdevolles gesundes Leben da darf der Preis KEINE Rolle spielen. Allerdings sollte der Staat der Parma Industrie ein bisschen auf die Finger schauen. Ich als nicht Fachmann halte solche Preise als in keinster weise gerechtfertigt und Wucher !