Asylbewerber in Bern

26. Januar 2017 13:37; Akt: 26.01.2017 16:16 Print

Nun hat Ex-Minister Sonko eine Anzeige am Hals

Gegen den gambischen Ex-Minister, der in der Schweiz um Asyl ersucht hat, wurde Anzeige erstattet. Der Kanton hat ihn an einen unbekannten Ort verlegt.

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Es kommt Bewegung in den Fall Sonko: Über zwei Monate lang lebte der gambische Ex-Minister, der in seiner Heimat für Folter und willkürliche Verhaftungen verantwortlich sein soll, unbehelligt in einem Durchgangszentrum im bernischen Lyss-Kappelen. Nun wird er an einen neuen Ort verlegt, wie der zuständige Polizeidirektor Hans-Jürg Käser der «Berner Zeitung» sagte. Wohin der prominente Asylsuchende verlegt wird, will Käser jedoch nicht bekannt geben.

Die Vermutung liege nahe, dass Ousman Sonko in ein Regionalgefängnis gebracht wurde, um ein Untertauchen zu verhindern, schreibt die Zeitung. Denn: Inzwischen liegt eine Strafanzeige gegen den Ex-Minister vor. Die Genfer Nichtregierungsorganisation Trial International, die darauf spezialisiert ist, internationale politische Straftäter vor Gericht zu bringen, hat Anzeige erstattet.

Noch keine Beweise

Sonko soll in seinem Heimatland als Schlüsselfigur des Regimes von Präsident Yayah Jammeh Verbrechen gegen die Menschlichkeit begangen haben. Handfeste Beweise dafür gibt es nach dem heutigen Stand noch nicht, wie Philip Grant, der Direktor von Trial International, im Gespräch mit dem «Bund» einräumte. Aber: «Folter war unter dem Regime von Präsident Yahya Jammeh weit verbreitet. Es ist fast unmöglich, dass der Innenminister darin nicht verwickelt war.» Aufgrund der UNO-Folterkonvention, welche die Schweiz ratifiziert hat, seien die Strafbehörden für die Festnahme Sonkos zuständig, so Grant.

Nach seiner Amtsenthebung war Sonko letzten Herbst aus Gambia geflüchtet und hatte laut Medienberichten zunächst in Schweden um Asyl ersucht – dieses wurde jedoch abgelehnt. Warum Sonko trotz des ablehnenden Asylentscheids aus Schweden in der Schweiz ein weiteres Asylgesuch stellen konnte, ist unklar.

Martin Reichlin, Sprecher des Staatssekretariats für Migration (SEM), betont auf Anfrage, man wende das Dublin-Abkommen konsequent an. Das SEM habe die Bedeutung des Falles bei Eröffnung des Asylverfahrens gekannt und die zuständigen Stellen bei Bund und Kanton «rechtzeitig und sachgerecht informiert». In das Durchgangszentrum in Bern kam Sonko demnach, weil das Asylverfahren nicht innert 90 Tagen abgeschlossen werden konnte. Zu den weiteren Hintergründen und dem Stand des Asylverfahrens äussert sich das SEM nicht.

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(jbu)