Internationale Reaktionen

05. Juni 2016 23:46; Akt: 06.06.2016 07:58 Print

Nun wollen die Briten ein Grundeinkommen

Die Abstimmung zum Grundeinkommen wirft international Wellen. Die britische Labour-Partei will die Idee nun «sehr genau prüfen».

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Das Grundeinkommen für alle bleibt vorerst eine Utopie, zumindest in der Schweiz. Die Initiative scheiterte mit 23 Prozent Ja-Stimmen wuchtig. Nur zwei kleine Gemeinden im Jura, drei Quartiere in Genf und die Zürcher Stadtkreise 4 und 5 sagten Ja.

Umfrage
Ist die Diskussion ums Grundeinkommen jetzt vom Tisch?
38 %
50 %
12 %
Insgesamt 6656 Teilnehmer

«Das Thema sollte jetzt gegessen sein», sagt FDP-Nationalrat Marcel Dobler. Die Initianten sehen dies ganz anders: Daniel Häni sprach von einem «sagenhaften» Ergebnis. «Das Thema ist nicht vom Tisch. Die Debatte ist lanciert.» Auch die Grünen versprachen, sich weiterhin für das Grundeinkommen einzusetzen.

Ausländische Medien berichteten ausführlich über die Initiative, in Grossbritannien wird die Idee jetzt gar in der Politik aufgegriffen. Gemäss «The Guardian» will die britische Labour-Partei die Idee des Grundeinkommens in den nächsten Jahren «sehr genau prüfen». Ein Forschungsbericht der linken Organisation «Compass» zum Grundeinkommen wird am Montag vorgestellt.

«Eckpfeiler des modernen Wohlfahrtsstaates»

Laut Labour-Spitzenpolitiker John McDonnell zeigt der Bericht, dass ein Grundeinkommen Grossbritannien auf «kommende Umwälzungen auf dem Arbeitsmarkt und bei der Technologie» vorbereiten könne. Laut dem Bericht würde ein Grundeinkommen alle Bürger vor den Auswirkungen der vierten industriellen Revolution schützen und die «möglicherweise massiven Produktivitätsgewinne» gerecht verteilen.

Auch Parteikollege Jonathan Reynolds sagt: «Unsere Wirtschaft und die Jobs haben sich verändert, aber unser Wohlfahrtssystem konnte da nicht mithalten.» Wenn man ein System wolle, bei dem sich Arbeit lohne und das etwas gegen die das «schreckliche Ausmass an Armut» in Grossbritannien ausrichten könne, dann müsse man radikal denken.

«Der Bericht über das Grundeinkommen beschreibt möglicherweise einen Eckpfeiler des modernen Wohlfahrtsstaates.» Die Labour-Partei befindet sich momentan in der Oppositionsrolle und könnte die Idee frühestens im Jahr 2020 umsetzten – falls sie die Wahlen gewinnt.

Deutsche sind skeptischer

Auch die britische Presse interessierte sich stark für die Initiative. Der «Economist» träumt anlässlich der Abstimmung von einem «Paradies, in dem Technologie allgegenwärtig und Arbeit absolut freiwillig ist». Für die «Financial Times» bedeutet das Nein der Schweizer zur Initiative einen Rückschlag für eine wachsende internationale Lobby, die sich für solche Ansätze einsetzt. Dennoch: Die Idee sei längst nicht mehr nur die Domäne radikaler Ökonomen, sondern im politischen Mainstream angekommen.

Auch in Deutschland schaute man genau zu, wie die Schweiz abstimmte. Die FAZ ist nicht überrascht vom deutlichen Nein. «Ein solches Experiment wäre nicht nur wirtschaftlich höchst riskant. Es widerspräche auch dem traditionellen bürgerlichen Ethos, das in der Bevölkerung fest verankert ist.»

In der Zeit werden die Initianten kritisiert, für sie sei die «Hauptsache Aufmerksamkeit, Schlagzeilen und Air-Time» zu haben. Laut der «Bild am Sonntag» hätte die Initiative auch in Deutschland keine Mehrheit gefunden. Eine Umfrage im Auftrag der Zeitung ergab: 53 Prozent der Deutschen würden eine bedingungslose staatliche Grundversorgung ablehnen.

(the/sda)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • LOGO am 06.06.2016 00:54 Report Diesen Beitrag melden

    Eines ist sicher...

    ...wenn Maschinen (robots) Menschen ersetzen, dann muss ein Teil der Wertschöpfung dieser Robots, denen Menschen zukommen, die durch diese Maschinen bzw. Automatisierung ersetzt werden. Wenn das Geld nur bei denen bleibt, welche die Robots besitzen, wird der Mensch NUTZLOS!

    einklappen einklappen
  • Dony am 06.06.2016 00:03 Report Diesen Beitrag melden

    Super

    Ergebnis hin oder her: Ich bin stolz Schweizer zu sein und über vieles abstimmen zu dürfen!

    einklappen einklappen
  • Fritz Müller am 06.06.2016 00:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Dankbarkeit

    Herr/ Frau Schweizer sind wieder mal zu verklemmt, gleich wie bei 6 wochen urlaub ;) Naja spass beiseite, es ist nur eine frage der Zeit bis es kommt, die gesellschaft verwandelt sich und somit auch die bedürfnisse.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • mk am 06.06.2016 22:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ungerecht

    Das BGE wäre ungerecht. Familie mit 2 Kinder hätte einfach so 7000.- CHF. Eine Einzelperson kann ja dann zufrieden sein mit 2500.-!

  • Werner am 06.06.2016 16:38 Report Diesen Beitrag melden

    Brexit

    wenn's zum Brexit kommt, können die froh sein, haben sie dann ein Grundeinkommen. Gut, dass sie sich fuer diesen Fall schon mal Gedanken machen.

  • bru am 06.06.2016 16:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Grundeinkommen

    Dass die gesamte europäische Linke begeistert ist, sollte zu denken geben. An sich Grund genug, um das bedingungslose Grundeinkommen abzulehnen.

    • SVPler am 06.06.2016 17:44 Report Diesen Beitrag melden

      nicht nur

      Ich bin ein typischer SVP Wähler. Aber nicht bei jedem Thema! So auch hier: hab mit Ja gestimmt, weil die soziale Armut in meinen Kreisen schon jetzt überhand nimmt. Ist leider so.

    • Hilde am 06.06.2016 18:04 Report Diesen Beitrag melden

      @SVPler, Danke...

      ...bestätigt meine Meinung, dass die, die das Sagen haben und weit vom Volk sind, auch nicht in dessen Sinne handeln können und wollen.

    • Chris am 06.06.2016 19:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @SVPler

      Wieder Inländer einstellen und anständigen Lohn bezahlen. Problem gelöst.

    einklappen einklappen
  • René am 06.06.2016 16:11 Report Diesen Beitrag melden

    gab es das?

    Hat eigentlich während der ganzen Debatte ums BGE irgendwann jemals ein unabhängiger und fachkundiger Volkswirtschaftsexperte bestätigt, dass ein BGE tatsächlich finanzierbar ist, auf unbestimmte Zeit hinaus? Die Befürworter sagen bis heute, es sei finanzierbar, sie behaupten es einfach, als sei es eine allg. Wahrheit, den Beweis, schwarz auf weiss, dass dem tatsächlich so ist sind sie aber bis heute schuldig geblieben.

    • Werner am 06.06.2016 17:46 Report Diesen Beitrag melden

      Finanzierbar

      Natürlich waere es finanzierbar, ist eine Willensfrage. Ist wie mit der AHV. Wussten vor 70 Jahren oder die heutigen 20-jährigen, ob sie jemals etwas erhalten und exakt wieviel, und ob es finanzierbar ist. Seit Beginn der AHV zweifeln die Leute, aber weil das Volk es bis jetzt haben wollte, wurden halt einige Revisionen nötig, aber der Grundgedanke AHV ist immer noch der selbe.

    • Indra am 06.06.2016 18:12 Report Diesen Beitrag melden

      "finanzierbar"

      Einem souveränen Staat mit eigener Währung kann niemals das Geld ausgehen (wenn, wie in diesem Fall, mit CHF bezahlbar). Die Frage, ob es "finanzierbar" ist, ist also völlig obsolet. Wie Werner sagt: eine Willensfrage ist das. Es gibt keinen Grund, dass Geld für öffentliche Güter und das Wohl aller Einwohner gestrichen wird.

    • Milo am 06.06.2016 19:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Werner

      Ich habe aber keine Lust für wenig Geld zu Chrampfen, mehr Steuern zu bezahlen während andere zuhause sitzen und sich vermehren wie die Karnickel.

    • Bimbam am 06.06.2016 19:45 Report Diesen Beitrag melden

      @Werner+ Indra

      völlige Fantasterei, da werden Schulden mit Geld verwechselt, schon heute haben die meisten Industriestaaten Mühe die Pleite zu verhindern und haben es bis jetzt nur durch eine Bilanzfälschung der Staaten und Banken und hedonische Berechnungen der Witschaftsdaten erreicht, beides wird aber nur temporär helfen, der Tag der Abrechnung kommt immer näher.

    einklappen einklappen
  • Miki Jac am 06.06.2016 15:33 Report Diesen Beitrag melden

    LA LA LA

    Das Problem mit dem Grundeinkommen ist dass wir gewöhnen uns auf ein Leben ohne die Arbeite und die Dienleistung zu leben.

    • Moni B. am 06.06.2016 16:24 Report Diesen Beitrag melden

      meine meinung

      Wir haben auch jetzt Leute die auf der faulen Haut liegen und die wird es auch nach einem GE geben. Und genauso gibt es Leute die arbeiten wollen, sogar gratis arbeiten, nur um irgendwas zu tun. Stinkfrech behaupte ich, das ist die Mehrheit.

    einklappen einklappen