Zahlen verheimlicht

24. Februar 2013 14:35; Akt: 24.02.2013 15:50 Print

Nur gut jeder Vierte leistet alle Diensttage

Wasser auf die Mühlen der Armee-Gegner: Statt wie behauptet 45 Prozent leisten nur 27 Prozent aller Schweizer Soldaten all ihre Wehrpflichttage. Die Öffentlichkeit sollte diese Zahlen nicht erfahren.

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Fast drei Viertel der Schweizer Soldaten hängen den Tarnanzug verfrüht an den Nagel. (Bild: Keystone/Martin Ruetschi)

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Um die Schweizer Wehrpflicht steht es schlechter, als bisher angenommen. Nur 27 Prozent pro Jahrgang leisten all ihre Diensttage im Militär. In der Botschaft zur Wehrpflicht-Initiative unterschlägt der Bundesrat bei der Beurteilung der Wehrgerechtigkeit diese wichtigen und brisanten Zahlen, wie die «SonntagsZeitung» berichtet.

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Das Verteidigungsdepartement VBS spricht in der Botschaft von 45 Prozent pro Jahrgang, die ihre Dienstpflicht vollständig erfüllen. Die grosse Abweichung entsteht, weil das VBP alle über 30-Jährigen zu jenen zählt, die ihren Dienst vollständig geleistet haben. Dies entspricht jedoch bei Weitem nicht der Wahrheit: Bei der Berechnung ignoriert das VBS die Tatsache, dass in den letzten Jahren jeweils fast die Hälfte der entlassenen Soldaten nicht alle Diensttage geleistet hat.

Das VBS verwehrt sich gegen den Vorwurf der Unterschlagung. Man habe keine Zahlen verschwiegen, sagt eine Sprecherin. Der Bundesrat lehne die Wehrpflicht-Initiative aus grundsätzlichen Überlegungen ab. «Und im Rahmen dieser Überlegungen haben die genannten Zahlen keine Rolle gespielt und werden deshalb auch in der Botschaft nicht erwähnt», sagt die Sprecherin.

Überraschung für Politik – Genugtuung für GSoA

Die Politik zeigt sich jedoch höchst überrascht über die neuen Zahlen. «Die Wehrpflicht-Botschaft wirkt geschönt», stellt Chantal Galladé, die Präsidentin der Sicherheitspolitischen Kommission, in der «SonntagsZeitung» fest. Die SP-Parlamentarierin fordert von Bundesrat Ueli Maurer eine Erklärung. Und auch bürgerliche Politiker sprechen von einer «etwas eigenartigen Darstellung».

Derweil reibt sich die «Gruppe für eine Schweiz ohne Armee» GSoA, von der die Wehrpflicht-Initiative stammt, die Hände. «Offenbar hielt das Departement von Ueli Maurer die tatsächlichen Zahlen zur Dienstpflicht für zu heikel für den Abstimmungskampf um die Wehrpflichtinitiative», schreibt die Gruppe in einer Medienmitteilung. Die neuen Zahlen zeigten, wie wenig Rückhalt die Armee bei den Wehrpflichtigen noch habe.

(jbu)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Roland Hauser am 25.02.2013 17:48 Report Diesen Beitrag melden

    Traue nie einer Statistik...

    Dass hier ein bisschen mit den Prozenten gemauschelt wurde, mag ja sein. Es stellt sich nur die Frage, warum sich niemand über die geschönten Arbeitslosenzahlen aufregt. Schliesslich wird jeder Arbeitslose, der ausgesteuert wird, in der Statistik nicht mehr geführt. Dass nun BR Maurer in die Kritik des politischen Gegners gerät, ist mehr als normal. Man sollte aber auch dem Chef des EDI, BR Berset, die gleiche Frage zu seinen fragwürdigen Zahlen stellen.

  • Matthias Holzer am 24.02.2013 17:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Berufsarmee

    Eine kleinere, bessere Berufsarmee wäre das beste. Mit einem Budget von ca. 10Mrd und ca 60000 Mann Stärke.

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  • Fabian Meier am 25.02.2013 08:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wirtschaft/Jobs????

    Keiner der für di Abschaffung der Wehrpflicht ist denkt an die Wirtschaft und die vielen Jobs die verloren gehen und ich spreche nicht von den Stellen der Berufsmilitärs. Aber z.B - LBA Mitarbeiter - Lebensmittel Lieferanten - Gastrobetriebe - viele Kleinunternehmen In keinem Land schaut die Armee so penibel darauf Regionale Lieferanten zu beforzugen, wie bei uns!! Ich bin selber Bäcker in einer kleinen Dorfbäckerei, und mein Chef sagt klar hätten wir nicht 16 Wochen im Jahr Wk Verbände die bei uns Brot beziehen könnte er seinen Laden dicht machen!!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Marcel Laubscher am 26.02.2013 20:54 Report Diesen Beitrag melden

    Lieber unsere Armee als eine andere!!!!!

    ...wer mit der Einstellung Dienst leistet, es seien grüne Ferien oder man könne vor Dienstantritt den Kopf ausschalten und Ende Dienst wieder ein... Solche Personen werden es wohl auch in der Privatwirtschaft nicht zu viel bringen und verursachen über verschiedene Kanäle der Allgemeinheit wohl mehr Kosten als die stark reduzierte Schweizer Armee. Ich bin stolz, über 1200 Diensttage geleistet zu haben, wohlbemerkt der grösste Teil sinnvolle genutzte Zeit... und leiste auch Heute noch freiwillige Diensttage, um junge Leute auszubilden und mein Wissen weiterzugeben.... Oberstlt Marcel Laubscher

  • Ruben Manuel Gutiérrez am 26.02.2013 13:06 Report Diesen Beitrag melden

    Grüne Ferien

    Ich bin der Meinung, dass man die Armee entweder so lassen sollte wie sie ist, oder komplett abschaffen sollte. Denn eine Berufsarmee birgt die Gefahr, dass die Armee zu einem Machtfaktor im Lande wird, was im schlimmsten Fall zu einem Putsch des Militärs führen könnte. Die Abschaffung der Armee birgt für mich unteranderen folgendes Problem. Das Wissen um die Technik der Waffensysteme, Infrastruktur, Instandhaltung u.s.w. geht verloren und wäre, wenn es wieder einen Konflikt in oder um die Schweiz geben würde, nur schwer in kurzer Zeit wieder zu erlernen.

  • Walter Fischer am 26.02.2013 10:02 Report Diesen Beitrag melden

    Schweizer-Armee??!!

    Die Schweiz wird immer eine Armee haben, wenn nicht die eigene, dann eben eine Andere! Wenn ich schon zwischen zwei Übeln wählen kann, dann lieber das kleinere!

    • Fitze Robert, Bern am 27.02.2013 09:05 Report Diesen Beitrag melden

      Schweizer-Armee??

      Dieser Meinung bin ich auch

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  • Sakrastiker am 25.02.2013 18:02 Report Diesen Beitrag melden

    Juduihui

    Nein sie muss bleiben! Ich möchte ungern staatlich finazierte Ferien verpassen ^^.

  • Roland Hauser am 25.02.2013 17:48 Report Diesen Beitrag melden

    Traue nie einer Statistik...

    Dass hier ein bisschen mit den Prozenten gemauschelt wurde, mag ja sein. Es stellt sich nur die Frage, warum sich niemand über die geschönten Arbeitslosenzahlen aufregt. Schliesslich wird jeder Arbeitslose, der ausgesteuert wird, in der Statistik nicht mehr geführt. Dass nun BR Maurer in die Kritik des politischen Gegners gerät, ist mehr als normal. Man sollte aber auch dem Chef des EDI, BR Berset, die gleiche Frage zu seinen fragwürdigen Zahlen stellen.