Bildungsstudie

14. Juni 2014 20:02; Akt: 15.06.2014 09:52 Print

Nur mittelmässige Schüler wollen Lehrer werden

von D. Pomper - Leistungsstarke Schüler haben keine Lust auf den Lehrerberuf. Schüler mit wenig Selbstvertrauen und Durchsetzungskraft dagegen finden den Beruf attraktiv.

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Der selbstbewusste Schüler mit guten Noten und Karriereambitionen wird gerne Arzt oder Anwalt – aber sicher nicht Lehrer. Für diesen Beruf interessieren sich eher mittelmässige Schüler. Das zeigt der Hochschul-Bildungs-Report 2020, den der Stifterverband für die deutsche Wissenschaft und die Unternehmensberatung McKinsey in Auftrag gegeben haben. Dazu wurden 521 Abiturienten im Alter von 17 bis 22 Jahre befragt.

Nur 17 Prozent der guten Abiturienten geben den Lehrerberuf als eine tatsächlich infrage kommende Option an. Sie vermissen die Karrieremöglichkeiten. Dagegen ist fast die Hälfte aller mittelmässigen Schüler «eher» bis «sehr» am Lehrerberuf interessiert.

Walter Bircher, Rektor der Pädagogischen Hochschule Zürich PHZ, stellt fest: «Auch in der Schweiz werden die Maturanden mit den besten Noten eher nicht Lehrer.» Viele dieser Schüler wünschten sich einen Job mit mehr Prestige und hohem Einkommen. «Dafür haben wir Leute mit breiten Interessen und Begabungen. Dies ist eine wichtige Voraussetzung für den Lehrerberuf.»

Ohne Selbstvertrauen und Durchsetzungskraft

Die jungen Menschen, die Lehrer werden wollen, sind laut dem deutschen Bildungsreport nicht nur mittelmässige Schüler. Sie geben auch an, nicht sehr selbstbewusst zu sein und sich nicht gut durchsetzen zu können – Eigenschaften, die elementar sein dürften, um in einer Schulklasse zu bestehen. Gerade mal 13 Prozent glauben, dass sie durchsetzungsstark sind, und 16,3 Prozent, dass sie gut öffentlich auftreten können. Nur 15,8 Prozent geben an, Selbstvertrauen zu haben. Knapp ein Fünftel gibt Überzeugungskraft als Stärke an. Immerhin glaubt fast ein Drittel der Befragten, dass sie gut erklären können.

«Auch in der Schweiz gibt es unter den Studierenden Leute, die in diesen Bereichen zulegen müssen», sagt Beat Zemp, Präsident des Schweizer Lehrerinnen- und Lehrerverbandes. Das Bewusstsein, dass die Lehrperson auch eine Führungskraft ist, sei gewachsen. Diese Auftritts- und Führungskompetenz werde deshalb an den Pädagogischen Hochschulen in speziellen Modulen gelehrt. «Es spielt schliesslich eine Rolle, ob die Lehrperson am Morgen ins Schulzimmer schleicht oder selbstbewusst auftritt.»

PHZ-Rektor Bircher dagegen erlebt die jungen Lehrpersonen in der Schweiz als äusserst selbstbewusst. Grund dafür sei, dass in der Schweiz der Lehrerberuf im Vergleich zu Deutschland viel dynamischer sei: «Wer hierzulande den Lehrerberuf ergreift, ist kein Beamter auf Lebzeiten.»

«Burnout-Rate senken»

Der SVP-Nationalrat und ehemalige Lehrer Hans Fehr ist dagegen überzeugt: «Würde man bei der Selektion Kandidaten mit einer nicht gefestigten Persönlichkeit frühzeitig aussieben, dann könnte man die Burnout-Rate von Lehrern senken.» Für den Erfolg als Lehrer sei es elementar, überzeugend Grenzen zu setzen und diese auch durchzusetzen.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Sonne am 14.06.2014 23:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zweite Chance

    Ich bin auf dem zweiten Bildungsweg Lehrerin geworden. In der Privatwirtschaft konnte ich problemlos mithalten und machte sogar Karriere. Aber jetzt habe ich meine Berufung gefunden! Mit gesundem Selbstbewusstsein und Durchsetzungsvermögen.

  • Frak am 14.06.2014 22:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unsinn

    Erst 3 Jahre Lehrer, dann 10 Jahre in der Privatwirtschaft als Selbständiger ein Business gestartet, dieses verkauft und jetzt wieder Lehrer. Das Leben ist zu kurz für solch stereotypen Unsinn.

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  • Cecile Stucki am 15.06.2014 08:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Erfahrungen

    Es wäre gar nicht schlecht, wenn die Lehrer ein paar Jahr sich in der Privatwirtschaft bestätigen müssten, denn da läuft es nicht so "lieb" und da kann einen sogar gekündigt werden!!!!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Chantal Müller am 16.06.2014 11:46 Report Diesen Beitrag melden

    Übergeneralisierung! Repräsentativ?

    1. Diese Statistik wurde in Deutschland erhoben und kann nicht einfach auf die Schweiz übertragen werden. Es handelt sich nämlich um ein anderes Schulsystem und eine andere Lehrerbildung. 2. In der Schweiz ist die Matur oder ein gleichwertiger Abschluss verlangt. Dies bedeutet schon allein, dass man sich Bildungstechnisch über dem Stand von mittelmässigen Schülern befindet. 3. Die Angabe des Selbstvertrauens ist nur eine von vielen Antworten, die gegeben werden konnten. Für mich ist dies beispielsweise so etwas Selbstverständliches, dass ich eher eine andere Stärke angeben würde.

  • Marcel Füllemann am 16.06.2014 10:56 Report Diesen Beitrag melden

    Bundesrat

    Na und? Unser Bundesrat hat noch ein mieseres Zeugnis. Beim geringsten Druck knicken die sofort ein, haben Ideen die niemanden was bringen ausser der eigenen Tasche, ein Verständnis von der Realität wie ein Neugeborenes und ein Weltbild, das von Extremisten aus allen Lagern stammen könnte. Und trotzdem haben wir sie alle "gern", obwohl echte Intelligenz für mich klar anders aussieht :) xD

  • Lehrer am 15.06.2014 11:04 Report Diesen Beitrag melden

    Lehrer

    Ich bin Lehrer, war im Gymy bloss Durchschnitt und würde Selbstbewusstsein auch nicht als meine beste Eigenschaft nennen, vielleicht Konfliktlösung oder Einfühluugsvermögen oder Pubertätsspezialist ;).... UND? Ich hab auch einen Dr. in Geschichte und ein Dr. in Anthropologie UND ich habe letztes Jahr auf eine Gymerklasse (und besserenLohn) verzichtet um meine 8. Klasse (Real) noch durch das letzte Schuljahr begleiten zu können... Wollte ih mich durchsetzen wie in der Privatwirtschaft, meine Schüler würden mich 3 Mal ankauen und kaputt wieder ausspucken ;)

  • Cecile Stucki am 15.06.2014 08:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Erfahrungen

    Es wäre gar nicht schlecht, wenn die Lehrer ein paar Jahr sich in der Privatwirtschaft bestätigen müssten, denn da läuft es nicht so "lieb" und da kann einen sogar gekündigt werden!!!!

    • Lehrer am 15.06.2014 10:34 Report Diesen Beitrag melden

      Hahahaha

      Wetten sie schaffen es nicht, 5 meiner Schüler (7 Sekundarklasse), während eines Tages unter Kontrolle zu haben? UNd ich verdoppele den Einsatz wenn es um Führungskräfte der Wirtschaft gehen würde, die schaffens keinen halben Tag! Und ob das Konkurrenzdenken eine Eigenschaft der Lehrer sein sollte ist eine Diskussion wert. Ich bin nicht der Meinung, das "Ellbögelä" schon in der Schule gelernt werden sollte... oder finden Sie Mobbing ok?

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  • Schüler am 15.06.2014 08:33 Report Diesen Beitrag melden

    Na und?

    Was wollt ihr denn mit Leuten machen, die eben kein Durchsetzungsvermögen, etc. haben? In die Arbeitslosigkeit verbannen?