Höhere Gebühren

14. Mai 2013 07:15; Akt: 14.05.2013 07:20 Print

Nur wer zügig studiert, soll studieren dürfen

von S. Heusser - Wegen tiefen Studiengebühren bleiben Studenten immatrikuliert, obwohl sie das Studium schon aufgegeben haben. So wird das Finanzierungssystem von Bund und Kantonen verzerrt, sagt Bildungs-Staatssekretär Dell'Ambrogio.

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Kantonale Universitäten und Fachhochschulen werden durch den Kanton, Bund sowie durch die Herkunftskantone der Studenten subventioniert. Die interkantonalen Beiträge und die Bundessubventionen, die als Transferzahlungen bezeichnet werden, belaufen sich auf jährlich etwa 3 Mia. Franken. Doch die Gelder werden nicht so verteilt wie sie sollten, sagt Staatssekretär Mauro Dell’Ambrogio. Schuld daran seien Studenten, welche wegen der tiefen Gebühren an Hochschulen eingeschrieben bleiben, obwohl sie dort gar nicht mehr studierten.

Wie viel bezahlt die Gesellschaft für einen einzelnen Studienplatz?
Das hängt vom Fachgebiet ab. Ein Student der technischen oder medizinischen Fakultät kostet etwa doppelt so viel wie jemand, der Geistes- oder Sozialwissenschaften studiert. In ersterem Fall bezahlt der Herkunftskanton des Studenten jährlich etwa 25'000 Franken an die Ausbildungsstätte und der Bund bezahlt in etwa noch einmal so viel. Jährlich wird ein Studienplatz also mit ca. 15'000-50'000 Franken Transferzahlungen unterstützt. Dazu kommen dann noch die Beiträge des Standortkantons der Hochschule.

Das ist sehr viel Geld für einen einzelnen Studenten pro Jahr. Wird es gerecht verteilt?
Nicht immer, denn mit tiefen Studiengebühren ist der Anreiz verknüpft, weiter zu studieren, auch wenn das Studium innerlich «gekündigt» wurde. Wenn jemand immatrikuliert bleibt, der zwar ein Studium begonnen, sich davon aber mehr oder minder explizit verabschiedet hat, der gar keine Vorlesungen mehr besucht, dann verzerrt er das Transfersystem. So jemand jobbt vielleicht noch, aber auf seinem eingeschlagenen Bildungsweg stagniert und resigniert er. Solange er eingeschrieben bleibt, bezahlen Bund und Heimatkanton weiter.

Kostet das Bund und Kantone viel Geld?
Wenn nur 5 bis 10 Prozent der Studenten in dieser Situation sind bedeutet das, dass jährlich 200-300 Mio. Franken intransparent verteilt werden. Eine Hochschule mit tiefen Gebühren nimmt den anderen Kantonen die Bundessubventionen weg und profitiert von unbegründeten interkantonalen Beiträgen. Natürlich geht es bei der Debatte um die Höhe von Studiengebühren auch um Sozialverträglichkeit und Stipendien.

Was hat denn jemand für einen Anreiz, den «Studenten-Status» aufrecht zu erhalten?
Zum einen gibt es ökonomische Gründe, wie Rabatte, die jemand wegen seiner Studenten-Legi erhält. Vor allem aber sind psychologische Gründe dafür verantwortlich. So kann jemand zum Beispiel vor sich selber oder seiner Familie gegenüber den Status eines Studenten behalten wollen. Je billiger eine Sache ist, desto geringer ist der Anreiz aufzuhören. Es wäre interessant zu wissen, wo die Schwelle bei den Studiengebühren liegt, ab der die wirklich Studienwilligen immatrikuliert bleiben und die anderen auch offiziell einen auf sie zugeschnittenen Weg ausserhalb des Hochschulsystems suchen.

Wo liegt diese Grenze?
Das ist subjektiv. Für Einzelne mag diese Schwelle schon bei einigen hundert Franken liegen, für andere bei mehreren tausend.

Sollten die Studiengebühren erhöht werden?
Diese Diskussion ist im Gange. Es ist an den einzelnen Hochschulträgern, die Frage zu beantworten.

Die alten Griechen studierten noch um zu studieren. Soll man heute nur noch studieren, um anschliessend möglichst schnell im Büro zu landen und sich für die Gesellschaft nützlich zu machen?
Ich will keine rein ökonomische Betrachtung machen, doch die Mehrheit der Gesellschaft muss produktiv sein. Es gibt auch Studenten, die langsam studieren, gerade wenn sie noch einen Nebenjob haben. Darum geht es mir nicht. Es geht um das automatische System der Finanzierung, auf dem alles gebaut ist.

Viele Studenten brauchen Zeit, um überhaupt herauszufinden, was sie mit ihrem Leben machen wollen. Gerade heute, da sich ihnen so viele Möglichkeiten bieten.
Ich glaube nicht, dass ein Student wegen der Möglichkeiten heute mehr Zeit braucht, um herauszufinden, was er mit seinem Leben machen soll. Man lernt auch on the job. Je länger man wartet, bis man einen Job anfängt, desto eher wird das Studium wirkungslos. Es braucht einen Mix aus Lebenserfahrung, Studium und Berufserfahrung.

Sollte Ihrer Meinung nach an Universitäten wie auf dem Kasernenplatz mit Anwesenheitslisten gearbeitet werden?
Nein, mit Zwang und Kontrolle erreicht man nichts. Man muss nicht mehr kontrollieren, aber eben auch falsche Anreize vermeiden. Ich bin für die akademische Freiheit, denn ich habe ja selber sehr selten Vorlesungen besucht und hauptsächlich aus Büchern gelernt.

Waren Sie selber ein Langzeit-Student?
Im Gegenteil, nach vier Jahren an der Universität Zürich hatte ich bereits meinen Doktortitel. Das war damals noch möglich. Ich habe neben dem Jus-Studium dazu noch viel Militärdienst geleistet. Ich war immer sehr schnell, verlange aber nicht, dass das alle so machen.

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Ausgewählte Leser-Kommentare

Diese Beiträge hier machen mich traurig. Es ist unglaublich wie der Neid aus allen Zeilen dringt. Der eine ist Eifersüchtig weil Lehrlinge die Chance haben, ein Studium zu beginnen. Der Andere sorgt sich um "sein" Geld, der Nächste findet ja alle Studenten sollten arbeiten... Das Studium noch mehr zu kürzen ist Schwachsinn. Ich Arbeite 50% neben dem Studium und bin sehr froh dass ich nicht noch Familie nebenbei habe, denn das wäre nicht machbar. Ich finde, wir solltens eher Schweden/Norwegen nachmachen und es jedem ermöglichen so lange zu studieren wie er will. Studieren ist kein Zuckerschlecken- und ich kenne niemanden(!!) der das freiwillig länger macht, allein nur schon weil man untendurch muss in der Zeit. Aber es gibt Menschen die brauchen einen zweiten und dritten Versuch, um Ihren Wunschberuf zu erlernen- diese Zeit sollte man JEDEM gewähren- denn wer glücklich ist auf seinem Beruf, der übt diesen auch aus. Dadurch zahlt er alles zurück, mit guter Arbeit und mit Arbeitswille... Denkt mal drüber nach- dieser Gelddruck macht alles kaputt. Wenns so weiter geht wirds unsere Gesellschaft in den Abgrund treiben. – w. ieso

Wenn jemand immatrikuliert ist und die Vorlesung nicht besucht werden auch keine Resourcen benoetigt. Seine Subvention kommt damit anderen zu Gute. Zahlt der Kanton / Bund fuer diese Studenten nicht mehr muss fuer den Rest ein grosserer Teil aufgewendet werden... – Rudi Stutz

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Alex Calliari am 16.05.2013 14:36 Report Diesen Beitrag melden

    Langzeitstudenten und Finanzkrise

    Es waren kaum Langzeitstudenten, die die Finanzkrise ausgelöst und Staaten mehrere hundert Milliarden gekostet haben. Die Langzeitstudenten werden zu Sündenböcken, um von Studenten und Spekulanten abzulenken, die schnell in die freie Marktwirtschaft wollen, um viel Geld zu verdienen, und unsere Gesellschaft in teuere Wirtschaftskrisen stürzen. Auf gewisse soziale Gruppen und Menschen rumzuhacken scheint eine Tendenz in der Schweiz zu sein. Menschen zu demütigen ist einfacher als einen Jungen in seiner Entscheidung zu Studieren zu unterstützen und zu sagen, du schaffst das.

  • Bürger am 16.05.2013 09:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    jaja

    klar doch. So bildet die Schweiz dann zwar keinen einzigen Arzt mehr aus, aber die importieren wir dann aus Deutschland, gellen Sie?

  • Studentin am 16.05.2013 10:00 Report Diesen Beitrag melden

    Traurige u. wütende Studentin

    Traurig, traurig diese Menschheit...! Ich (21) studiere jetzt seit 2 Jahren. Ich möchte mein Studium so schnell wie möglich hinter mich bringen! Zudem besitze ich kein Stipendium, gehe nebenbei arbeiten, meine Eltern müssen dennoch tief in die Tasche greifen, denn Lebensunterhalt, GA etc. sind nicht gratis. Wenn die Gebühren noch höher werden, dann kann ich mein geliebtes Studium wohl bald an den Nagel hängen, denn bei uns wächst das Geld auch nicht auf Bäumen! Danke an alle ,,ewigen Studenten", ,,Neider" und sonstigen Ignoranten an dieser Stelle! Es gibt auch ehrliche u. brauchbare Studis!!!!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Alex Calliari am 16.05.2013 14:36 Report Diesen Beitrag melden

    Langzeitstudenten und Finanzkrise

    Es waren kaum Langzeitstudenten, die die Finanzkrise ausgelöst und Staaten mehrere hundert Milliarden gekostet haben. Die Langzeitstudenten werden zu Sündenböcken, um von Studenten und Spekulanten abzulenken, die schnell in die freie Marktwirtschaft wollen, um viel Geld zu verdienen, und unsere Gesellschaft in teuere Wirtschaftskrisen stürzen. Auf gewisse soziale Gruppen und Menschen rumzuhacken scheint eine Tendenz in der Schweiz zu sein. Menschen zu demütigen ist einfacher als einen Jungen in seiner Entscheidung zu Studieren zu unterstützen und zu sagen, du schaffst das.

  • Jean Perr am 16.05.2013 10:24 Report Diesen Beitrag melden

    GELD

    Es sollte immer nur eine Ausbildung mit Stipendien unterstützt werden. Langzeit-Studenten sollten gar nicht unterstützt werden. Was bringt es dem Staat, wenn einer nur Studiert und das Gelernte nie Anwendet weil er einfach immer nur studieren will....

  • Studentin am 16.05.2013 10:00 Report Diesen Beitrag melden

    Traurige u. wütende Studentin

    Traurig, traurig diese Menschheit...! Ich (21) studiere jetzt seit 2 Jahren. Ich möchte mein Studium so schnell wie möglich hinter mich bringen! Zudem besitze ich kein Stipendium, gehe nebenbei arbeiten, meine Eltern müssen dennoch tief in die Tasche greifen, denn Lebensunterhalt, GA etc. sind nicht gratis. Wenn die Gebühren noch höher werden, dann kann ich mein geliebtes Studium wohl bald an den Nagel hängen, denn bei uns wächst das Geld auch nicht auf Bäumen! Danke an alle ,,ewigen Studenten", ,,Neider" und sonstigen Ignoranten an dieser Stelle! Es gibt auch ehrliche u. brauchbare Studis!!!!

  • Sabrina Sutter am 16.05.2013 09:54 Report Diesen Beitrag melden

    Kosten 2

    Fortsetzung: am Ende des Geldes noch viel Monat übrig... denn auch Kleidung und Arztkosten und viele weitere Dinge müssen mit dem Nebenjob erarbeitet und bezahlt werden.

  • Sabrina Sutter am 16.05.2013 09:51 Report Diesen Beitrag melden

    Kosten 1

    Ein Studium besteht nicht nur aus Studiengebühren, sondern auch aus ÖV-Abo, Vorlesungsunterlagen, Büchern, Exkursionen, Materialien, evtl. Miete (wenn man nicht mehr bei den Eltern wohnt), Verpflegung. Wenn man ein Studium selber bezahlen muss, insbesondere an Hochschulen wo ein hoher Präsenzanteil erforderlich ist, bleibt nicht mehr viel Zeit um nebendran zu arbeiten. Erhöht man die Studiengebühren, müssen sich noch mehr Studenten verschulden um überhaupt studieren zu können. Ich habe mein Studium auch grösstenteils selber finanziert und nebendran gearbeitet, trotzdem blieb viel zu oft