Ernährungs-Umfrage

06. Juni 2014 18:55; Akt: 06.06.2014 18:55 Print

Nur zwei Prozent verzichten ganz auf Fleisch

von Simon Hehli - Hardcore-Vegetarier geniessen viel mediale Aufmerksamkeit – dabei sind sie derzeit nur eine verschwindend kleine Gruppe. Im Trend liegt dafür die Teilzeit-Fleischlosigkeit.

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Vegetarier machten einen «Radau wie ein Froschtümpel zur Paarungszeit», schimpft der umstrittene deutsche Ernährungsexperte Udo Pollmer. Dabei machten sie nur einen verschwindend kleinen Teil der Bevölkerung aus. Auch in der Schweiz sorgt der fleischlose oder gar vegane Lifestyle immer wieder für Schlagzeilen – zuletzt wegen Spitzensportlern, die sich ganz ohne tierische Produkte ernähren. Eine neue repräsentative Studie des Meinungsforschungsinstituts Marketagent.com in Zusammenarbeit mit 20 Minuten zeigt nun: Nur 2,2 Prozent der Schweizer essen konsequent kein Fleisch, eingerechnet jene 0,6 Prozent, die sich als Veganer bezeichnen.

Die klare Mehrheit von 64,5 Prozent sind Allesesser, weitere 13,2 Prozent betonen, dass sie besonders gerne und viel Fleisch essen. Weit grösser als die Gruppe der Vegis ist jene der so genannten Flexitarier: Diese 18,8 Prozent verschmähen ein gutes Steak nicht, achten aber darauf, Fleisch nur sparsam zu konsumieren. Ein Prozent der Befragten verstehen sich als Pescetarier, sie essen Fisch, aber kein Fleisch. Frutarier – also Leute, die nur pflanzliche Produkte essen, die sich ohne Zerstörung der Pflanzen gewinnen lassen – finden sich unter den 500 Befragten keine.

Junge sind häufiger Vegis

Altersklassen und Geschlechter unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Ernährungsgewohnheiten: Frauen leben viel häufiger vegetarisch als Männer. Dafür findet bei der Gruppe der Männer, die sich ohne tierische Produkte ernähren, der Veganismus als radikalere Variante mehr Anklang – allerdings ist hier die Stichprobe so klein, dass die Resultate mit Vorsicht zu geniessen sind. Bei den Männern outen sich 19 Prozent als explizite Fleischliebhaber, bei den Frauen sind es nur 7,4 Prozent. Dafür ist bei den Frauen die Gruppe der Flexitarierinnen mit 24,2 Prozent deutlich grösser als bei den Männern (13,4 Prozent).

Die 14- bis 19-Jährigen sind jene Altersgruppe mit dem höchsten Vegetarier-Anteil: 6,1 Prozent. Das deckt sich mit der Erfahrung von Renato Pichler, Präsident von Swissveg, der Informationsstelle für eine vegetarische Lebensweise. «Die Jungen haben noch nicht so stark vorgefasste Meinungen und sind bereit, sich kritisch mit der Ernährung auseinanderzusetzen, statt in Gewohnheiten zu verharren.»

«Sie essen nur mit schlechtem Gewissen Fleisch»

Für Pichler ist klar: Fleischkonsum sei weder für die Umwelt noch für die Gesundheit der Menschen gut. Dass nicht mal jeder Zwanzigste sich voll und ganz dieser Haltung anschliesst und danach lebt, beunruhigt ihn nicht. «Vegetarisch leben ist ein Trend, der gerade in den letzten Jahren stark zugenommen hat – auch dank der Informationsverbreitung im Internet.»

Bestätigt fühlt sich Pichler durch die grosse Anzahl Flexitarier. Das seien grösstenteils Leute, die nur mit schlechtem Gewissen Fleisch essen würden – jedoch aufgrund des Angebots kaum darum herumkämen. «Wenn es in allen Kantinen und Restaurants irgendwann wirklich gute Vegi-Menüs gibt, wird ihnen der Verzicht auf Fleisch leichtfallen.» Pichler schätzt deshalb das Potenzial an Vegetariern in der Schweiz auf derzeit etwa 20 Prozent.

Auch mit Fleisch lässt es sich gesund leben

Ernährungsberaterin Stefanie Bürge glaubt ebenfalls, dass die geringe Zahl von 2,2 Prozent Vegetariern nicht die ganze Wahrheit ist. «Gerade in Grossstädten wie Zürich wird eine fleischlose Ernährung immer wichtiger.» Sie beobachtet eine Veränderung bei den Beweggründen der Vegis: «Früher stand das Wohl der Tiere im Vordergrund, heute werden die eigene Gesundheit, aber auch ökologische Aspekte immer wichtiger.» Zudem gebe es die Gruppe, die aus spirituellen Gründen kein Fleisch esse – etwa weil sich die toten Tiere negativ auf die eigene Aura auswirken könnten.

Bürge bestätigt zwar, dass sich Vegetarier zumeist äusserst gesund ernährten und auch – sofern ausreichendes Ernährungswissen vorhanden sei – keine Mangelerscheinungen aufwiesen. Aber auch Fleischesser müssten nicht permanent mit einem schlechten Gewissen durch die Welt laufen: «Es verträgt auch mal eine Wurst, Essen soll ja Genuss sein. Die Menge machts aus.» Geflügel oder mageres Schweine- oder Kalbsfleisch seien durchaus Teil einer gesunden Ernährung, so Bürge. «Aber ich empfehle, auf die Herkunft des Fleisches zu achten und höchstens bei einer Mahlzeit pro Tag Fleisch zu konsumieren.»

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Tanja am 07.06.2014 16:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Jedem das Seine!

    ...selber esse ich 38j, seit über 22 Jahre kein Fleisch. Wird aber mit Kollegen grilliert bei uns zu Hause, dann mecker ich nicht. Das schlimmste sind Vegetariere, die andere belehren wollen, es ist doch die Einstellung und einen persönlichen entscheid, auf Fleisch zu verzichten, oder nicht. Ich mag meine Fleisch fressenden Freunde trotzdem gerne...

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  • Nick am 06.06.2014 21:14 Report Diesen Beitrag melden

    Zwangsreligion

    Ich respektiere jeden Art Esser, solange es nicht abartig ist. Vor allem Veganisus ist aber zur einer Religion mit starker Missionstätigkeit und Zwangsbekehrungen geworden!

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  • Mowgli am 06.06.2014 20:16 Report Diesen Beitrag melden

    Lasst mich in Ruhe damit

    Jeder soll essen was er will, ist mir egal. Es ist aber unglaublich nervig, wenn Vegetarier oder Veganer versuchen, andere Menschen von ihrem Lebensstil zu überzeugen (gilt auch umgekehrt). Ernährungs-Missionare sind keinen Deut besser, als religiöse Fanatiker.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Ilka von Gottswinden am 12.10.2015 22:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Respekt!

    Vegetarier und Veganer lehnen doch nur die unwürdige Haltung und Schlachtung der Tiere ab. Um diesbezüglich etwas zu bewirken, lehnen sie tierische Produkte ab. Ich finde es gut das diese, leider sehr kleine Gruppe, sich für eine gute Sache einsetzt. Wir sind alle nur zu Gast auf dieser Erde, auch wir Menschen und JEDES Lebewesen hat ein Recht auf ein glückliches Leben!

  • Kara banda am 11.06.2014 01:11 Report Diesen Beitrag melden

    Licht der Welt

    Ich esse nur noch Lichtnahrung, das ist das Allerneueste. Leider nimmt man davon kaum ab, ich jedenfalls nicht. Vielleicht mache ich das noch nicht lange genug?

  • Die Gast am 10.06.2014 12:14 Report Diesen Beitrag melden

    Jeder wie er mag

    Vegetarier is ein indianischer Name. Er bedeutet "schlechter Jäger" ausserdem essen Vegetarier meinem Essen das Futter weg. :-) Spass beiseite, jeder soll leben wie er mag und sich dafür nicht rechtfertigen müssen. Beim privaten Fleischkonsum achte ich darauf, dass ich möglichst regionales Fleisch aus guter Haltung, einheimischer Jagt und vor allem von guter Qualität esse. Im Zweifelsfall weiche ich dann lieber auf Vegi aus. Wäre für Viele "Geiz nicht so geil" müssten viel weniger Tiere in der Massentierhaltung möglichst billig produziert werden.

  • Kritisch Denkerin am 10.06.2014 10:53 Report Diesen Beitrag melden

    Immer wieder das Gleiche

    Alle 5 Jahre wieder mal ein Hype - angebliche Experten empfehlen immer wieder was Anderes. Mal sind es die bösen Kohlenhydrate, dann das böse Fleisch, dann wiederum das böse, böse Fett oder der gemeine, fiese Zucker. Was soll man denn eigentlich noch glauben? Meiner Meinung nach gar nichts! Auf den Körper hören; der sagt einem schon, was er braucht. Und Omas alte Hausfrauenrezepte, frisch gekocht, waren auch noch nie verkehrt. Dieses ganze Ernährungstheater mit den vermeintlichen Empfehlungen ist einfach nur purer Lobbyismus!

  • Fleischliebhaberin mit Zöliakie am 10.06.2014 10:09 Report Diesen Beitrag melden

    I love meat

    Jeder soll das essen, was ihm schmeckt und was er gut verträgt. Wer Veggie sein will, soll doch. Mir egal, solange sie mich nicht missionieren wollen und solange ich mich nicht ständig rechtfertigen muss. Ich selbst lebe ohne Getreide, Nudeln & Co., bekomme davon Bauchkrämpfe. Low Carb bekommt mir persönlich einfach am besten, und wenn mir ein Veggie predigen will, weise ich ihn freundlich auf das Buch "Die Weizenwampe" hin. Habe dann meistens meine Ruhe :))