Propaganda in Kaserne

24. März 2013 09:38; Akt: 24.03.2013 09:38 Print

Offiziers-Nahkampf gegen Wehrpflicht-Initiative

Die GSoA-Initiative für die Abschaffung der Wehrpflicht bereitet hohen Offizieren Bauchschmerzen. Sie nutzen alle Plattformen, um gegen die Vorlage Stimmung zu machen. Jetzt wollen auch die Initianten in die Kasernen.

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Divisionär Andreas Bölsterli (links) zusammen mit dem heutigen Armeechef André Blattmann (damals ebenfalls noch Divisionär) bei einer Ratsdebatte im Jahr 2008. Bölsterli will die Armee-Angehörigen von einem Nein zur Wehrpflicht-Initiative überzeugen. (Bild: Keystone/Lukas Lehmann)

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Die Armee duldet in Kasernen politische Propaganda von Interessengruppen. Dies zeigen Recherchen der «SonntagsZeitung». Laut mehreren Quellen hingen in der Kaserne Stans an einem Stabskurs Ausdrucke eines Vortrages der Schweizerischen Offiziersgesellschaft (SOG). Diese beschreibt mit dem Dokument ihre Kampagne gegen die Initiative zur Abschaffung der Wehrpflicht. Unter dem Titel «Erwartungen an die höheren Stabsoffiziere» ist darin auch von «aktiver Mitarbeit» und «Zusammenarbeit mit den kantonalen Komitees» die Rede.

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Die Armee bestätigt gegenüber dem Sonntagsblatt die Recherchen. Im Sinne der sachlichen Information über die in diesem Jahr bevorstehende Abstimmung habe der zuständige Divisionär Andreas Bölsterli die Informationen, welche die SOG ihren Mitgliedern und interessierten Offizieren zukommen liess, ausgehängt, so Armeesprecher Walter Frik. Er betont, die Bestimmungen des Dienstreglements seien nicht verletzt worden. Dieses verbietet politische Propaganda in der Armee.

Die GSoA will auch in die Kasernen

Der Aushang in der Kaserne Stans ist laut «SonntagsZeitung» aber kein Einzelfall. Wie stark die Verbandelung der SOG-Kampagnenführung und der obersten Armeekader sei, zeige ein Vortrag von SOG-Präsident Denis Froidevaux an der Tagung der höheren Stabsoffiziere vom 14. Februar. Die SOG erhielt dort die Gelegenheit, alle Brigadiers, Divisionäre und Korpskommandanten über die Abstimmungskampagne gegen die Wehrpflichtinitiative zu unterrichten. Auch diesen Vortrag während der Arbeitszeit der höheren Stabsoffiziere bestätigt Armeesprecher Frik.

GSoA-Sekretär Stefan Dietiker will nun Gegenrecht: «Die GSoA fordert das Recht, alle Soldaten über die Wehrpflichtinitiative informieren zu dürfen.» Während für den grünliberalen Nationalrat Beat Flach «solche politische Propaganda in der Kaserne nichts zu suchen hat», sieht SVP-Nationalrat Hans Fehr in der Kampagnen-Information kein grosses Problem: «In einer solch wichtigen Frage wie der Wehrpflicht darf eine Kampagne auch in Armee-Gremien unter Offizieren diskutiert werden.»

(hhs)

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Ausgewählte Leser-Kommentare

Das ist völlig richtig. Die Armee muss eine apolitische Organisation bleiben, deren Aufgabe die Gewährleistung unserer Sicherheit ist. Politpropaganda hat in der Armee nichts zu suchen. Da es jedoch um die eigene Existenzsicherung geht, verstehe ich die Bemühungen bestimmter Kader, möglichst viele Leute zu mobilisieren. Dies kann jedoch nicht durch einseitige Beeinflussung von Soldaten geschehen, sondern sollte in einem politischen Diskurs erfolgen. Man sollte Diskussionsevents organisieren und auch die Gegner dazu einladen. Man sollte beide Seiten zum Wort kommen lassen. – P.R.

Die Armee, aber auch die GSoA konnten Grösse zeigen, wenn sie ihre Meinungen in einer konstruktiv-sachlichen pro und contra "Propaganda" in den Kasernen anschlagen würden. Dazu könnte man zum Beispiel auch ein Informationabend anbieten. Das würde das Interesse der Jungen Männer in politischen Fragen vielleicht auch fördern. – Alessandro

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Rabasch am 24.03.2013 11:48 Report Diesen Beitrag melden

    Andere Spielwiese

    Die GsoA hat die Gelgenheit, jeden Armeeangehörigen bzw. Wehrman zu erreichen. Dazu muss sie nicht in die Kasernen! Dort gehört diese Organisation sicherlich nicht hin. Wie inkonsequent ist das denn: Gegen die Armee und deren Einrichtungen wettern und dann dort Propaganda machen wollen! Mein NEIN zu dieser Initiative ist sicher, auch wenn es in der Armee noch viel zu ändern gibt!

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  • Marco am 25.03.2013 02:28 Report Diesen Beitrag melden

    Ihr versteht das nicht,...

    ...wie es ist, wenn man anstatt studieren ins Militär gehen muss. Es ist ein Klotz am Bein, der dich nur an deinen Zielen hindert. Wären nicht mehr so viele ältere Menschen am Drücker, sähe die Lage schon anders aus. Leider befürchte ich, dass auch diese Initiative abgelehnt wird. Bezüglich dieser Sache ist die Schweiz definitiv noch nicht im 21. Jahrhundert angekommen. Ich habe übrigens 3 Brüder, welche im Militär waren und bis heute nicht davon begeistert sind. Es werden wahrscheinlich leider noch 20 Jahre vergehen müssen, bis die Wehrpflicht abgeschafft wird.

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  • Robin am 24.03.2013 11:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Armee ja, Aber kein Miliz

    Mhm, Die Schweiz braucht eine Armee. Aber warum z.B nicht den Armeedienst mit dem Zivildienst/Schutz harmonisieren. Katastrophenhilfe und auch andere zivile Unterstützung können gerade so gut vom Zivildienst/Schutz gemacht werden. Jeder der Militär leistet kennt die Unfähigkeit dieses Vereins. Man lernt VBA (Versuchen beschäftigt auszusehen) Auf jede Frage des Warums kommt "Ist so weil ist so" und wie man einfach so viel Geld aus dem Fenster werfen kann (Munition und Benzinbudget oder FIS Heer) bleibt auch ein Rätsel...

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Nordmann am 26.03.2013 20:33 Report Diesen Beitrag melden

    Sachliche Argumente für das Militär

    - Jedes LAnd hat eine Armee, die Eigene, oder eine Andere. -Das Verteidigungsbudget kommt der Schweizer Wirtschaft zugute (Mieten ZSA->Gemeinden, Uniformen -> Schweizer Gewerbe, etc.) -Eine Berufsarmee würde von den Lohnkosten schon 3/4 des heutigen Verteidigungsbudgets ausmachen (ohne Ausrüstung, Ausbildung, oder gar Einsätze). -Wenn nicht "jeder" ins Militär geht, entsteht eine Parallelgesellschaft (siehe Ägypten), statt (erzwungenem) Austausch zwischen Bevölkerungsschichten.

  • Susi am 25.03.2013 10:25 Report Diesen Beitrag melden

    Ausgleichende Gerechtigkeit

    Ich als Frau bin froh dass nur Männer für die Armee und den Zivilschutz gezwungen werden. Dies ist doch ausgleichende Gerechtigkeit dafür dass wir Schwanger werden. So sind auch mal die Männer für wenigstens 300 Tage nur für die Gesellschaft beschäftigt.

  • VBS-Kritiker am 25.03.2013 10:08 Report Diesen Beitrag melden

    Propagandazentrale VBS

    Ich finde es bedenklich, wenn man Soldaten einseitig informiert und keine divergierende Meinung zulässt, aber so ist nunmal die Armee. "Könnten wir das nicht anders machen?""Nein, ist so, weil ist so" sind die üblichen Diskussionen in der Armee. Man hat uns auch schon zu einem Kompanieabend mit christlichem Rock verdonnert und keiner durfte früher gehen mit der Begründung, die Schweiz habe in der Verfassungspräambel den Verweis auf Gott. Indoktrination pur, dieses VBS!

  • Jannik C L am 25.03.2013 09:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wehrdienst 

    Werden ist wirklich Traurig. Einem stehen die Haare zu berge. Für knappe 2 Wochen belagerung einer Zivilschutzanlage einer Gemeinde musste wir ca. 35000 bezahlen. Ist das nicht der Wahnsinn? Natürlich die Gripen käufe sind noch viel teurer. Also bitte diesmal schaffen wir es. Offiziere freut ihr euch schon.

  • Jannik C L am 25.03.2013 09:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Dienstpflicht

    Ich appelliere hier an alle jungen Stimmbürger, bitte geht Stimmen damit der Wehrdienst endlich abgeschafft wird. Wie benötigen in der Schweiz wie auch in unseren Nachübarländern keinen Wehrdienst. Die die dafür sind sind schon halb im Altersheim oder gehören der Lobby an und wollen nicht das gute Freunde plötzlich Arbeitslos sind. Die würden ja nie mehr einen Job finden wer will dich wenn man Jahrelang im Militär herumgehockt ist. Der ganze grüne Verein ist ein Witz. Ich war Truppenbuchhalter und hatte damit Einsicht in die Finanzen det Kompanie. Wie die Steuergelder da unnötig rausgeworfen

    • Marco am 25.03.2013 12:47 Report Diesen Beitrag melden

      an den Frauen liegts...

      Ich hoffe, dass uns die Frauen nicht hängen lassen... Wenn jede Frau Nein zur Wehrpflicht sagt, ist die Abstimmung bereits gewonnen. Alle Frauen die für die Wehrpflicht sind, sollen bitte ihren Dienst dementsprechend selber leisten!

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