Junge SVP provoziert

19. August 2013 21:15; Akt: 19.08.2013 21:22 Print

Ohne Militärdienst werden Junge zu Drogenhippies

von Hannes von Wyl - Ein Abstimmungsplakat der Jungen SVP Waadt gegen die Aufhebung der Wehrpflicht setzt Nicht-Soldaten mit drogensüchtigen Hippies gleich. Die Gsoa ist empört.

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«Welches Vorbild für die Jugend wollen wir?», fragt die waadtländer Jung-SVP auf ihrem Abstimmungsplakat gegen die Aufhebung der Wehrplicht. Unter dem Titel «Milizarmee» lächelt dem Betrachter ein strammer Soldat mit schlanker Gattin und sportlichem Kind entgegen. Daneben ein ungepflegter Anarcho-Hippie mit Spritze im Arm und Joint im Mund, die Hände zeigen den Stinkefinger und das Victory-Zeichen: «Schweiz ohne Armee».

«Es ist befremdend, dass mit so undifferenzierten Bildern argumentiert wird», sagt Gsoa-Sprecher Nikolai Prawdzic. Das sei einer demokratischen Debatte nicht würdig. «Solche Plakate sind jenseits von Gut und Böse und befeuern ein Klima, in dem Bundesräte bedroht werden.» Zudem gehe es in der Abstimmung nicht um die Abschaffung der Armee, wie suggeriert werde. «Die Aussage des Plakats ist schlicht unwahr», sagt Prawdzic.

«Das ist nur eine Parodie»

Natürlich würden ohne Wehrpflicht nicht alle Jugendlichen automatisch zu Drogensüchtigen, sagt der Präsident der JSVP Waadt, Yohan Ziehli. «Wir kritisieren damit die Gsoa-Kampagne, die Unwahrheiten über die Wehrpflicht verbreitet. Soldaten werden als dumm dargestellt, als sexistisch und frauenfeindlich.» Das Plakat sei also als Parodie zu verstehen, meint Ziehli. «Das ist eine Karikatur, mit der wir Aufmerksamkeit erregen wollen, damit wir unsere Argumente vorbringen können. Damit wollen wir bewusst provozieren.»

Kommunikationsexperte Marcus Knill bezweifelt jedoch, dass das Plakat wirklich als Parodie verstanden wird. Für diese Lesart gebe es keine Hinweise. «Die JSVP versucht die Wehrpflichtgegner mit ihrem simplen Gut-Böse-Schema als schlechte Vorbilder zu diffamieren», sagt Knill. Diese Provokation errege sicherlich Aufmerksamkeit – und genau darum gehe es den Plakatgestaltern.

Billige Tricks

Ob die beabsichtigte Wirkung bei jüngeren Menschen aber erzielt werde, sei fraglich. «Der verständlich gezeichnete Gegensatz spricht vor allem Armeebefürworter, bürgerliche Kreise und die ältere Generation an.» Zudem setze die Waadtländer Jung-SVP die Aufhebung der allgemeinen Wehrpflicht mit der Abschaffung der Armee gleich, was in der kommenden Abstimmung aber gar nicht zur Debatte stehe. «Das ist ein alter rhetorischer Kniff, um eine sachliche Diskussion zu umgehen», sagt der Kommunikationsprofi.

Grundsätzlich gehöre Provokation und Übertreibung aber zur politischen Propaganda, meint Knill. «Auch die Gsoa geht mit ihren Gegnern nicht gerade zimperlich um.» Was die Kampagnen der Wehrpflichtgegner und -befürworter angehe, sehe er eine Pattsituation. «Letzlich eintscheidet aber die Wirkung bei den Adressaten», sagt Knill.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • omega am 20.08.2013 10:45 Report Diesen Beitrag melden

    Volkswirtschaft

    Warum geht eigentlich niemanden darauf ein , dass die Armee auch ein wichtiger Bestandteil für Kleingewerbler ist .Metzger, Bäcker, Wirte,etc. Die alle Planen die WK s fest ein in ihrem Jahres Budget.

  • peacemaker am 20.08.2013 10:22 Report Diesen Beitrag melden

    schwachsinn

    das bild rechts erinnert mich aber eher an die leute im wk. niergendswo wird soviel konsumiert wie im militär. lieber keine armee als von bekifften beschützt zu werden!

  • Patrick am 20.08.2013 10:09 Report Diesen Beitrag melden

    Ganz unwahr ist das nicht

    Vielleicht hat die SVP mit diesem Plakat etwas zu weit über die Linie geschossen, aber ganz unwahr ist das Bild nicht: Viele sind nicht militärtauglich, weil sie schon in jungen Jahren viel bekifft sind und sich am Wochenende voll saufen lassen......das hinterlässt natürlich Schäden an Hirn und Körper, viele Junge sind sich das einfach nicht bewusst, und bekommen dann die Rechnung, wenn sie 40 oder 50 Jahre alt sind.....

Die neusten Leser-Kommentare

  • Izmir Ybel am 21.08.2013 13:51 Report Diesen Beitrag melden

    Zum Glück

    Ist das Saumässig schlecht gezeichnet! Na ja, Kunst fällt halt nicht ins Ressort der SVP. Übrigens ja, nach durchsicht der Plakate und Inserate ist ohne weiteres eine Parallele zu Nazi Propaganda von vor '39 zu sehen. Mir wird speiübel! Ratten sind vielleicht rot, aber die Wölfe sind braun! Und hört genau hin, hört ihr wie sie das Frasslied heulen?

  • J. Meyer am 20.08.2013 21:22 Report Diesen Beitrag melden

    Überrascht

    Wenn man all die vielen Kommentare liest, hat sich die SVP mit diesem Plakat in der Tat ein Ei gelegt, müsste doch eigentlich die rechte Person Uniform tragen, während der Uniformierte eher eine Schweizer Tracht. Bei all dem kiffendem Songs hier, gestehe ich zu sagen, lieber keine Armee, als eine bekiffte Armee. Ich kann es einfach nicht glauben, das in der WK, RS oder sonstwo soviel gekifft u gesoffen wurde. Das Ausmass überrascht mich u stellt meine Pro-Armee-Gesinnung in Frage.

    • Getrocknetes Kraut am 21.08.2013 13:33 Report Diesen Beitrag melden

      Drogen

      Was war noch gleich in der Fliegerschokolade? Amphetamine? Ich werd sofort Jagdpilot! Wo steht meine FW 190? (grins, nein heute nicht mehr, aber wer weiss, wenns hart auf hart kommt steht das bestimmt zur Debatte).

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  • Samuel Cahannes am 20.08.2013 15:47 Report Diesen Beitrag melden

    Kein Militär aber auch kein Kiffer!

    Ich habe kein Militärdienst geleistet, nicht weil ich es nicht wollte sondern weil ich es nicht durfte. Ich konnte dafür soffort nach meiner ersten Ausbildung noch eine Zusatzlehre anfangen, welche ich in der Zwischenzeit auch beendet habe. Ich binn jetzt 23, wohne in einer eigenen Wohnung, habe ein Auto und kann sehr gut für mich selbst sorgen. Ich wurde von meinen Eltern und meiner Umgebung erzogen, dafür brauchte ich nicht das Militär! Tut mir leid liebe SVP das ich nicht ein obdachloser Kiffer geworden binn! ;)

  • Ver Dächtigee am 20.08.2013 14:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verdacht

    Ich werde den Verdacht nicht los, dass die Kommentare direkt aus der 20min-Redaktion stammen....

    • Esra am 21.08.2013 16:07 Report Diesen Beitrag melden

      Begründung?

      Und weshalb hast du diesen Verdacht?

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  • Ruedi Wermuth am 20.08.2013 12:14 Report Diesen Beitrag melden

    Drogen ja? Armee nein? Ansichts Sache.

    Wenn man den Großteil der Kommentare anschaut, besteht die Schweiz nur noch aus Kiffern, Drögelern, Alkoholikern. Dem Anschein nach ist die Sucht für viele das wichtigste, ansonsten würden nicht Kommentare abgegeben, dass wegen der Drogen die Armee praktisch hinter dem Mond zuhause ist. Mein lieber Scholli wie viele Suchthaufen gibt es denn in der Schweiz?