Glücksspiele

19. Februar 2017 10:45; Akt: 19.02.2017 10:45 Print

Online-Casinos umgehen Schweizer Spiel-Verbot

Das Onlineglücksspiel ist in der Schweiz illegal. Doch ausländische Anbieter locken gezielt Schweizer Zocker an. Schweizer Casinos beschert das hohe Verluste.

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Zocken im Netz: Laut dem Schweizer Spielbankengesetz ist dies verboten. Doch es ist trotzdem möglich. «Das Problem sind ausländische Anbieter, die das Gesetz umgehen», sagt Marc Friedrich, Geschäftsführer beim Schweizer Casino Verband zum «Sonntagsblick». Und genau dies würde ein Problem für konventionelle Schweizer Casinos bedeuten: «Diese verlieren jährlich rund 250 Millionen Franken an jene im Netz.» Deshalb müsse man den Betreibern einen Riegel schieben, fordert der Schweizer Casino Verband. Dies wäre möglich, in dem man die Netzsperre anwenden würde. Diese verhindert, dass Schweizer auf gewisse Internetseiten zugreifen könnten. Der Bundesrat hat bereits entschieden, dass er die Netzsperre im neuen Geldspielgesetz verankern will – auch der Ständerat war dafür. Ausstehend ist der Entscheid des Nationalrats. SVP-Nationalrätin Nathalie Rickli und Grünen-Nationalrat Balthasar Glättli sind dagegen. Nathalie Rickli: «Bei der Netzsperre handelt es sich um Zensur. Und diese ist laut Bundesverfassung verboten.» Würde man internationale Seiten sperren, wäre dies ein Eingriff in die Wirtschaftsfreiheit. Rickli hat einen anderen Vorschlag: «Viel eher sollte man auch ausländische Onlineanbieter konzessionieren. So würden diese auch Steuern zahlen.» Auch Grünen-Nationalrat Balthasar Glättli bezweifelt die Wirksamkeit einer Netzsperre: «Diese kann technisch selbst von Amateuren leicht umgangen werden», sagt er zum «Sonntagsblick». Zudem spreche er sich für ein offenes Internet aus.

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Nur mit wenigen Klicks ist es in der Schweiz möglich, im Internet Glücksspiele zu zocken. Dies obwohl im Schweizer Spielbankengesetz steht, dass «die telekommunikationsgestützte Durchführung von Glücksspielen, insbesondere mittels Internet, verboten ist.»

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«Das Problem sind ausländische Anbieter, die das Gesetz umgehen», sagt Marc Friedrich, Geschäftsführer beim Schweizer Casino Verband zum «Sonntagsblick». Bei der Auswertung von 20 internationalen Glücksspielseiten hätte der Verband herausgefunden, dass es bei 19 ausländischen Anbietern problemlos möglich gewesen sei, sich mit einer Schweizer Adresse zu registrieren. 15 Seiten hätten eine Schweizer Kreditkarte akzeptiert, sieben hätten Beträge in Schweizer Franken angegeben und vier seien gar über eine Schweizer Adresse abrufbar gewesen.

Casinos verlieren 250 Millionen Franken

«Diese Angebote zielen eindeutig auf Schweizer ab. Obwohl das Onlineglücksspiel hierzulande illegal ist», so Friedrich zur Zeitung. Und genau dies würde ein Problem für konventionelle Schweizer Casinos bedeuten: «Diese verlieren jährlich rund 250 Millionen Franken an jene im Netz. Deshalb muss man den Betreibern endlich einen Riegel schieben», sagt Friedrich.

Dies wäre möglich, in dem man die Netzsperre anwenden würde. Diese verhindert, dass Schweizer auf gewisse Internetseiten zugreifen könnten. «Es geht auch darum, Spieler vor Spielsucht und Betrug zu bewahren», so Friedrich.

Nationalrat uneinig

Der Bundesrat hat bereits entschieden, dass er die Netzsperre im neuen Geldspielgesetz verankern will — auch der Ständerat war dafür. Ausstehend ist der Entscheid des Nationalrats. Dieser wird am 1. März folgen. Doch dort ist die Verankerung umstritten, denn die vorberatende Rechtskommission lehnte mit 13 zu 12 Stimmen ab.

Eine der Gegnerinnen ist SVP-Nationalrätin Nathalie Rickli: «Bei der Netzsperre handelt es sich um Zensur. Und diese ist laut Bundesverfassung verboten.» Würde man internationale Seiten sperren, wäre dies ein Eingriff in die Wirtschaftsfreiheit. Rickli hat einen anderen Vorschlag: «Viel eher sollte man auch ausländische Onlineanbieter konzessionieren. So würden diese auch Steuern zahlen.»

Auch Grünen-Nationalrat Balthasar Glättli bezweifelt die Wirksamkeit einer Netzsperre: «Diese kann technisch selbst von Amateuren leicht umgangen werden», sagt er zum «Sonntagsblick». Zudem spreche er sich für ein offenes Internet aus.

«Jetzige Situation ist inakzeptabel»

Für die Umsetzung der Netzsperre wäre die Eidgenössische Spielbankenkommission (ESBK) zuständig. Sprecherin Maria Saraceni befürwortet diese, weil die jetzige Situation «inakzeptabel» sei. Denn da das Internet-Glücksspiel in den Ländern, wo sich der Server befindet, meist legal ist, könne die ESBK diese nicht strafrechtlich verfolgen.

Anwalt Simon Palzer bestätigt das: «Solange Anbieter nicht auf Schweizer Territorium Handlungen vornehmen, handeln sie legal.» Auch Schweizer Spieler würden sich nicht strafbar machen. «Und offenbar gibt es ein grosses Interesse daran, online zu spielen. Es ist logisch, dass ein solches Konsumentenbedürfnis immer sein Angebot finden wird.»

(jen)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Steff am 19.02.2017 10:48 Report Diesen Beitrag melden

    Na dann

    Ja, wenn Casions schwere Verluste einfahren müssen wir SOFORT etwas ändern... -.-

    einklappen einklappen
  • Film Kenner am 19.02.2017 10:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ah ja,

    ich spiele hin und wieder Poker online. wäre nach Schweizergesetz verboten. nur glaubt ja nicht nur weil es dann gesperrt wird würde ich in ein Casino gehen. Ausnahmsweise stimme Frau Rickli zu: besteuern und fertig. so sieht legal und Freiheit aus.

  • Andy am 19.02.2017 10:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wenn Text und Bild nicht zusammen wollen...

    Solange sich CH Casinos nicht darum bemühen ein solides Angebot für Poker anzubieten müssen sie sich nicht wundern, dass die Spieler im Ausland oder online pokern. Dazu ist der Umsatz für die Casinos im Pokerbereich schwindend klein von diesen 250 mio; warum also ausgerechnet Bilder von Poker?! Bild und Text gehören in diesem Artikel definitiv NICHT zusammen!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Bergli am 20.02.2017 07:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ein Danke sn die Justiz

    dass der Kleine wegen zu schnell, Steuererklärung 2 Tage zu spät eingereicht, das Kind einen Tag vor den Ferien zu Hause behält, 10 Min zu lange parkiert usw bestraft und gemassregelt wird - die Kriminellrn aber in Ruhe gelassen werden.

  • D.F. am 20.02.2017 07:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Vorbildfunktion

    Ohhh, der Herr des Casinoverbands will Spieler vor der Spielsucht bewahren !!! Dann schließt doch bitte als gutes Vorbild alle Schweizer Spielcasinos!

  • Tobi am 20.02.2017 06:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fragen...

    Wieso wird hier Handlungsbedarf gesehen? Steht dich glasklar im Artikel das es legal ist wenn die Server im Ausland stehen - mit dem Deckmantel "Schutz vor betrügern" kann man wirklich versuchen jede Freiheit zu beschneiden ...und wieso besteuern? Es sind ausländische Firmen mit Servern im Ausland-wieso will die Schweiz das besteuern? Mit welchem Recht???

  • Christian S. am 20.02.2017 00:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Selber Schuld

    Meine grösste Leidenschaft ist das Zocken. In den letzten Jahren bin auch ich vermehrt auf online Casinos ausgewiechen! Das hat viele Gründe: Bessere Übersicht Gewinne/Verluste, Bessere Angebote mit Bonis etc. und Bessere Gewinne! Während ich in den CH-Casinos mehrere 10 Tausend CHF im minus bin, bin ich bei den Online Casinos das selbe im Plus. Es geht mir beim Zocken nicht unbedingt darum zu gewinnen, aber was z.t in den CH-Casinos abgeht ist eine Frechheit und da müssen sie sich nicht wundern wenn die Kunden ausbleiben! Wenn ich mit 300.- nicht einmal 5 min spielen kann bin ich bedient!

  • Dani B. am 19.02.2017 23:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verklagen

    Wieso einfach nicht die Betreiber verklagen und eine Entschädigung fordern? So wie es die Amerikaner mit unseren Banken gemacht haben!