Kriminelle Anbieter

06. Juli 2014 23:08; Akt: 06.07.2014 23:08 Print

Online-Shops liefern gefälschte Markenware

Chinesische Fälscher verkaufen ihre Ware über Online-Shops, die sie als europäische Portale tarnen. 20-Minuten-Leser sind darauf hereingefallen.

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Für den Sommer wollte sich Evelyne A.* eine Ray-Ban-Brille kaufen. Durch Werbung auf Social-Media-Plattformen ist die 28-Jährige auf einen Online-Shop des Anbieters gestossen: «Einige meiner Freunde hatten die Seite auf Facebook gelikt», erklärt sie. Das Service-Mark-Symbol links oben und die Linkadresse www.outdoorstuff-ch.com, machten auf Evelyne ein seriösen Eindruck.

Auch dass die Brillen sehr günstig angeboten wurden, machte sie nicht stutzig: «Sie wurden als Auslaufmodelle angepriesen», erklärt Evelyne. Zudem habe sie die Rahmennummer einer Originalbrille, die sie bereits besass, auf der Seite verglichen – und gesehen, dass diese übereinstimmte. Doch dann die Überraschung: «Der Lieferschein war mit asiatischen Zeichen beschriftet – mir war sofort klar, dass ich reingelegt wurde.» Zudem lässt die mindere Qualität der Brille Evelyne darauf schliessen, dass sie gefälscht sein muss.

Auch die Internetseite www.tomsschuhede.de scheint ein Betrügershop zu sein. Leserin Sarah bestellte auf der scheinbar in Deutschland ansässigen Seite und erhielt ebenfalls ein Paket aus China. «Toms haben normalerweise eine eingenähte Ledersohle, die bestellten haben eine herausnehmbare Stoffsohle.» Registriert ist die angeblich deutsche Website auf einen chinesischen Namen mit Adresse in China. Die original Seite des Händlers lautet www.shoptoms.de.

Design der Shops ist kopiert

Bei der Koordinationsstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität (Kobik) ist das Problem bekannt: «Kobik erhält regelmässig Meldungen von Bürgern zu betrügerischen Online-Shops», so Sprecher Alexander Rechsteiner. Im laufenden Jahr seien rund 100 Meldungen zu solchen Shops eingegangen. «Das Design dieser Shops ist oftmals von real existierenden Onlineshops kopiert, um seriös und vertrauenswürdig zu wirken», so Rechsteiner.

2013 hat der Schweizer Zoll 2764 Fälle mit gefälschter Ware im Wert von ca. 4,5 Millionen Franken registriert. 75 Prozent der gefälschten Ware wird laut Zollstatistik von China aus verschickt.

Wie man eine Fälschung erkennt

Sara Stalder, Geschäftsleiterin der Stiftung für Konsumentenschutz, empfiehlt, Online-Shops vor dem Kauf gut zu prüfen und sich besonders auf die Kontaktdaten zu achten. «Sind diese nicht vorhanden, Finger weg», so Stalder. Doch auch wenn ein Impressum vorhanden ist, empfiehlt Stalder, eine Test-Mail zu schicken und zu schauen, ob und wenn ja, in welcher Sprache geantwortet wird und ob fehlerfrei geantwortet wird. Ebenfalls aufschlussreich könne ein Anruf sein. «Es kann gut möglich sein, dass auf einer Betrügerseite ein Impressum angegeben ist – die Leute hinter solchen Seiten treten unterdessen sehr professionell auf.» Auf der Internetseite «Stop Piracy» erhalten Konsumenten ausführliche Information darüber, wie man eine Fälschung erkennt und was zu tun ist, wenn man eine gekauft hat.

Wenn man den Betrügern auf den Leim gegangen ist, sei das Geld verloren, so Stalder. «Diese Leute haben ihren Firmensitz meist irgendwo auf der Welt; ein Rechtsstreit kostet den Konsumenten nur sehr viel Zeit, Nerven und nochmals viel Geld.» Ihr Tipp: «Man sollte seine Energie lieber vor der Bestellung in die Recherche stecken und die Online-Shops genau anschauen. So kann man nur gewinnen.»

(saw)