Rumänien

24. Juni 2019 21:48; Akt: 24.06.2019 21:48 Print

Organisation befreit 300 Tiere aus Katzenhölle

Krasser Fall von «Animal Hoarding»: Eine Tierschutzorganisation befreit in Rumänien 300 Katzen. Solche Fälle ereignen sich auch in der Schweiz.

Krasser Fall von «Animal Hoarding» in Rumänien: Tierschützer fanden 300 Katzen eingepfercht auf kleinstem Raum vor. (Bildmaterial: NetAP)
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«Dieser Anblick war selbst für hartgesottene Tierschützer kaum auszuhalten»: So beschreibt Esther Geisser, Präsidentin des Network for Animal Protection (NetAP), einen Rettungseinsatz in der rumänischen Stadt Braila.

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Die Tierschützer befreiten Mitte Juni 300 Katzen, die dort eineinhalb Jahre zusammengepfercht auf engstem Raum gelebt hatten. Fast alle Tiere seien verletzt und krank gewesen, sagt Geisser. «Egal in welche Ecke wir schauten, überall lagen Katzen in erbärmlichem Zustand. Immer wieder entdeckten wir sterbende Tiere, für die jede Hilfe zu spät kam.» Wegen Futtermangels hätten sich die Tiere teilweise von verstorbenen Artgenossen ernähren müssen, so Geisser.

«Katzen haben sich innert 18 Monaten verfünffacht»

Die Halterin hatte gemäss Geisser rund eineinhalb Jahre zuvor circa 60 Katzen aufgenommen, wobei sie die Katzen nicht kastrieren liess. Als die Halterin schwanger wurde, habe sie ihre Mutter mit der Versorgung der Katzen beauftragt. «Diese war schockiert über die Anzahl der Tiere, die sich innerhalb von 18 Monaten verfünffacht haben», so Geisser. Sie habe einen lokalen Tierarzt und dieser wiederum lokale Tierschützer um Hilfe gebeten. «Daraufhin ist NetAP informiert worden. Zusammen mit unserem rumänischen Partner Sache Vet sind wir eingeschritten.»

Noch unklar, was mit den Katzen passiert

«Der Fall ist nach wie vor nicht abgeschlossen», so Geisser. Die Katzen seien in den vergangenen Tagen alle geimpft, gegen Parasiten behandelt und vor allem kastriert worden. «Die toten Tiere wurden entfernt und jene, die nicht zu retten waren, erlöst. Überlebt haben insgesamt 260 Katzen, welche momentan in Kliniken oder am umgestalteten Fundort leben.» Wie es nun mit den Katzen weitergeht, ist laut Geisser noch unklar: «Leider ist es unmöglich, alle Tiere zu vermitteln. Momentan werden Zwinger errichtet, wo die Katzen unter besseren Bedingungen leben können. Sie werden durch Tierfreunde vor Ort betreut.»

«Mehrere Hundert Katzenleben zu retten, kostet unglaublich viel Geld», so Geisser. Die Unterbringung, medizinischen Kosten und Anschlusslösungen seien leider noch nicht vollständig finanziert. «NetAP appelliert deshalb an Katzenfreunde und würde sich über Unterstützung jeglicher Art sehr freuen.»

Animal Hoarding auch hierzulande ein Problem

Fälle von «Animal Hoarding», also die Haltung von sehr vielen Haustieren auf engem Raum, gibt es jedoch nicht nur in Rumänien. «So ein Fall könnte sich theoretisch auch in der Schweiz ereignen», bestätigt Geisser. NetAP findet in Schweizer Privathaushalten regelmässig Katzen in ähnlich schlimmen Umständen vor. «Im jüngsten Fall im Zürcher Oberland haben wir über 40 Tiere eingefangen und kastriert. Der einzige Grund, warum wir nicht mehr Tiere vorfanden, war, weil laufend Katzen an Krankheiten starben oder überfahren wurden», so Geisser. Wären die Tiere nicht Freigänger gewesen, hätten sie wohl ein Vielfaches von ihnen im Haus angetroffen.

Geisser sieht deshalb nur eine einzige Lösung: «Eine Kastrationspflicht muss ins Gesetz! Mit Aufklärung kommt man nicht weiter, denn die Leute hören nicht zu, und jedes Jahr wird es schlimmer.»

(mm)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Kaa73 am 24.06.2019 22:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Spenden

    Mir kommen die Tränen, bin in diesem Bezug nah am Wasser gebaut und wen solche Fotos kalt lassen, erhält von mir keinen Respekt. NetAP ist wirklich eine gute Organisation, ohne wenn und aber. Spendet an solche Organisationen. Wie auch 4 Pfoten, jedoch ganz besonders solche Vereine, die leider noch nicht allzu bekannt sind, die benötigen das Geld am meisten. Um die Seriösität heraus zu finden, is nicht allzu schwer. Oft schon kriegt man ein Bild, wenn man die Websites besucht. Oder man schreibt ne Mail o. telefoniert ganz einfach. Man erfährt sofort, um was es dann wirklich geht. Danke!

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  • Büesiflüsterer am 24.06.2019 22:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Animalhorting ist eine Krankheit

    Wir haben unsere 5 Katzen aus Spanien und sogar weitere 14 vermittelt, gesund, geimpft, gechipt,ohne Spenden und ohne Crowfunding. Wir freuen uns über jedes Bündel, dass wir retten und vermitteln können, aber nicht alle schaffen es und einige gehen schmerzvollerweise den Weg über die Regenbogenbrücke.

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  • sandra am 24.06.2019 22:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    schwiizer tierlifründ

    nehmt sie bitte einfach nicht in die schweiz...wir haben nämlich katzen sowie auch hunde genug die auch gerne vermittelt werden möchten!!!!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Nachtgedanke am 25.06.2019 23:49 Report Diesen Beitrag melden

    Wenn......

    Menschen auch mal mit Verstand und nicht nur mit Emotionen handeln würden, dann wäre das ein Segen, sowohl für Mensch als auch für Tier.

  • Rösli Tell dazu am 25.06.2019 22:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wenn die Helfer und die Tiere,

    die selbe Krankheit haben.

  • ich meinti... am 25.06.2019 22:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    solange menschen meinen

    mischlingskatzen und mischlingshunde seien gesünder, wird das problem ewig so weiter gehen! dagegen hilft nur eine kastrationspflicht. unsere vorfahren haben sich schon etwas überlegt, als sie anfingen z.b. rassenhunde zu züchten! animal hording ist keine krankheit, sondern faulheit und respektlosigkeit der kreatur gegenüber!

  • Nina M.S am 25.06.2019 21:28 Report Diesen Beitrag melden

    Gibt es auch hier

    Solche Tiere gibt es auch bei uns, auf dem Bauernhof sieht man 2 mal jàhrlich solch kleine Tierchen, bei den das Fell vermutzt, die Nase làuft und die Augen verklebt sind.Da schauen alle weg, aber in Rumànien, da schaut man hin.

    • Herr Schnitzler am 25.06.2019 22:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Nina M.S

      Das musste ja jetzt kommen, die bösen, bösen Landwirte kriegen jetzt auch das Fett ab

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  • Roli am 25.06.2019 21:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    EU Land

    Gelten für Rumänien als EU Mitglied nicht die gleichen Gesetze wie für den Rest von Europa? Aber eben Hauptsache die EU Gelder fliessen..