Schweizer IS-Zelle

04. Januar 2016 09:42; Akt: 04.01.2016 11:53 Print

Osamah M. war zweimal in Haft

Wegen Terrorvorwürfen angeklagte Iraker benutzten gefälschte Papiere und versuchten ihre Vergangenheit zu verschleiern. Einer bezog zudem doppelt Sozialhilfe.

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Die Bundesanwaltschaft hat vier Iraker aus der Schweiz wegen IS-Mitgliedschaft oder -Unterstützung angeklagt. Bei zwei von ihnen besteht auch der Verdacht, dass sie falsche Identitäten benutzten, berichtet der «Tagesanzeiger».

Abdulrahman O., der als Imam in St. Gallen tätig ist, konnte sich schwedische Papiere beschaffen. Er tat dies unter einem anderen Nachnamen und mit einem gefälschten syrischen Armeeausweis. Dies hat er in der schweizerischen Strafuntersuchung zugegeben. Eine Zeit lang bezog er sowohl in Nidwalden als auch in Göteborg staatliche Unterstützung. In der Schweiz hielt der Scheich radikale Predigten, die gemäss der Bundeskriminalpolizei eine Gefahr für die innere Sicherheit des Landes darstellen.

Bedingte Strafe nützte wenig

Die Papiere aus Skandinavien könnte er laut der Bundesanwaltschaft benutzt haben, um der Terrororganisation IS Funkgeräte in die Türkei oder nach Syrien zu liefern. Der angeklagte Abdulrahman bestreitet diesen Vorwurf.

Bereits im November 2013 war der Imam auf dem Flughafen Zürich-Kloten mit einem Ausländerpass und einer Aufenthaltsbewilligung aus Schweden angehalten worden. Wegen der Fälschung von Ausweisen und der Täuschung von Behörden verurteilte die Staatsanwaltschaft Winterthur-Unterland Abdulrahman O. per Strafbefehl zu einer bedingten Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu je 30 Franken. Dies hielt den Iraker nicht davon ab, sich kurz darauf erneut schwedische Ausweise zu organisieren.

Osamah M. per Gesichtsanalyse überführt

Seinem Landsmann Osamah M. wirft die Bundesanwaltschaft vor, als Kopf einer IS-Zelle von Schaffhausen aus einen Anschlag in Europa vorbereitet zu haben. Der Hauptbeschuldigte weist wie auch seine Mitangeklagten die schweren Vorwürfe von sich.

In der Strafuntersuchung versuchte M. zu verheimlichen, dass er vor rund zehn Jahren im Irak vermutlich zweimal inhaftiert gewesen war. Durch Gesichtsanalysen konnten die Ermittler aber nachweisen, dass der heute Gehbehinderte sich 2006 in amerikanischer Haft befunden hatte. Gemäss US-Akten hatte er damals gestanden, Anschläge auf Koalitionstruppen verübt zu haben. Damals benutzte er einen anderen Namen.

Ist Osamah eigentlich dessen Bruder?

Die Bundeskriminalpolizei vermutete erst, dass Osamah M. gar nicht Osamah M. ist. Sie warf dem Inhaftierten aufgrund von Indizien vor, er sei der ältere Bruder von Osamah M. und heisse Tulfah. Denn Osamah sei 25 Jahre alt, schreibt der «Tages-Anzeiger». Dieses Alter hatte der Angeklagte 2012 auch im Empfangszentrum für Flüchtlinge in Kreuzlingen angegeben. Doch einem Chat-Partner habe er wenig später mitgeteilt, dass er eigentlich bereits 31 Jahre alt sei. Angeklagt ist nun aber Osamah M. Der Prozess vor dem Bundesstrafgericht findet Ende Februar und Anfang März statt.

(tok/vro)