Nacktfoto-Affäre

19. November 2019 07:45; Akt: 19.11.2019 16:27 Print

«Sie sagte, ich würde alle Medien beherrschen»

Die Affäre um Nacktfotos aus dem Stadthaus kostete Geri Müller sein Amt. Nun steht der PR-Berater vor Gericht, der die Medien informiert haben soll.

Verteidiger Valentin Landmann vor dem Prozess. (Video: Keystone-SDA)
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Der damalige Stadtpräsident von Baden und Grünen-Nationalrat Geri Müller sorgte im Sommer 2014 für Schlagzeilen: Weil er ein Nacktfoto von sich aus dem Stadthaus verschickt hatte, wurde er vorübergehend seines Amtes enthoben. Drei Jahre später schaffte er seine Wiederwahl als Stadtpräsident nicht, aus dem Nationalrat trat er zurück.

Die Affäre hat ein rechtliches Nachspiel. Die ehemalige Chatpartnerin von Müller wurde per Strafbefehl zu einer bedingten Geldstrafe verurteilt. Sie wurde der Beschimpfung, üblen Nachrede, versuchten Nötigung, Urkundenfälschung und des unbefugten Aufnehmens von Gesprächen schuldig gesprochen. Sie soll etwa behauptet haben, dass Müller Einfluss auf die Polizei habe nehmen wollen.

PR-Berater vor Gericht

Nach dem Empfang der Nacktbilder wurde die Frau nämlich im Auftrag der Stadtpolizei Baden von der Kantonspolizei Bern befragt. Allerdings hatte Müller dies veranlasst, weil die Frau ihm gegenüber angegeben haben soll, sich selbst zu gefährden.

Müller erstattete im Nachgang der Affäre Anzeige gegen die Chat-Partnerin, den damaligen Chefredaktor der «Schweiz am Sonntag», gegen Josef Bollag, einen lokalen politischen Gegner, und gegen PR-Berater Sacha Wigdorovits. Während die Chat-Partnerin per Strafbefehl verurteilt wurde und sich Müller mit dem Journalisten und Bollag aussergerichtlich einigte, steht PR-Mann Wigdorovits ab Dienstag vor Gericht.

Er soll die Frau gedrängt und ermutigt haben, Chat-Protokolle und die Nacktofotos an die Medien weitergegeben zu haben. Zu diesen soll er selbst Kontakt hergestellt haben und das Material weitergegeben haben. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm unter anderem versuchte Nötigung und Aufbewahrung, Auswertung, Zugänglichmachen und Kenntnisgabe von unbefugt aufgenommenen Gesprächen vor. Wigdorovits wehrt sich gegen die Vorwürfe.

20 Minuten berichtet live vom Prozess.

(ehs)